MQB-Quartett

Audi A3, Seat Leon und Skoda Octavia: Welcher Golf-Bruder aus der MQB-Familie kann überzeugen?

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Ein neuer Golf kommt selten allein: Weil fast alle VW-Töchter den selben Baukasten nutzen, gibt es jetzt einen großen Modellwechsel in der Kompaktklasse. Im Windschatten des VW fahren daher nun auch Audi A3, Seat Leon und Skoda Octavia vor. Wie ähnlich sind sie sich?

  • A3, Octavia und Leon basieren wie der Golf auf Volkswagens Modularem Querbaukasten (MQBH) für frontangetrieben Fahrzeuge
  • Die Benzinvarianten werden schrittweise elektrifiziert
  • Sowohl Mild-Hybrid- als Plug-in-Hybrid-Modelle sind teilweise schon verfügbar

München – der VW-Konzern bringt reichlich Bewegung in die Kompaktklasse. Denn kaum hat die Mutter den neuen Golf lanciert, schicken die Töchter in diesem Frühjahr ebenfalls die Neuauflagen ihrer Schwestermodelle ins Rennen. Alle aus dem sogenannten Modularen Querbaukasten (MQB) konstruiert, nutzen sie zwar die gleiche Plattform und ganz ähnliche Technik. Doch gehen Audi, Seat und Škoda bei Form, Format und vor allem beim Charakter sehr eigene Wege. Der neue A3 Sportback, der für Preise ab 26.800 Euro startet, will vor allem vornehm sein und orientiert sich am BMW 1er und der Mercedes A-Klasse. Der mindestens 20.000 Euro teure Seat Leon gibt den feurigen Verführer, der nicht nur transportieren, sondern buchstäblich bewegen will. Und der Octavia, der als Kombi startet und mindestens 28.060 Euro kostet, will wieder mit viel Platz und noch mehr pfiffigen Ideen punkten.

Golf, A3, Leon und Octavia: ein praller Baukasten für alle

Basis aller drei Modelle ist ein Baukasten, der prall gefüllt ist mit den neuesten Technologien für Antrieb, Assistenz und Unterhaltung. So rühmen sich alle Golf-Ableger mit den aktuell saubersten Diesel-Motoren, weil sie auf einen neuen Stickoxid-Katalysator mit doppelter AdBlue-Einspritzung setzen.

Die Benziner werden schrittweise elektrifiziert und wandeln sich dank neuem Starter-Generator und 48 Volt-Netz zu Mildhybriden, die beim Beschleunigen einen elektrischen Boost bekommen und beim Bremsen mehr Energie zurück gewinnen können. Für die nächste Etappe der Elektrifizierung gibt es in allen Modellen mehrere Plug-in-Hybride. Sie sind mal sportlicher, mal sparsamer Ausprägung, können aber immer mehr als 50 Kilometer rein elektrisch fahren. Und wer mit konventioneller Technik seinen CO2-Fußabdruck reduzieren will, bekommt jedes dieser MQB-Fahrzeuge auch mit Erdgas-Antrieb.

Audi A3, Seat Leon und Škoda Octavia: vernetztes Fahren und ein Auto-Pilot

Bei den Assistenzsystemen steht die neue Kompakt-Generation vor allem für einen erweiterten Auto-Piloten, der dem Fahrer jetzt bis zu Geschwindigkeiten von 210 km/h so viel Arbeit abnimmt, wie es der Gesetzgeber erlaubt. Während man die Hände nur noch pro forma am Steuer hat, bremst und beschleunigt er alleine, hält im Stau automatisch an und fährt danach von selbst wieder los, hält die Spur und den Abstand und braucht sogar zum Überholen nur noch den Blinker als Kommando.

Außerdem gibt es einen erweiterten Toter-Winkel-Assistenten, der beim Öffnen der Türen etwa vor passierenden Radfahrern warnt und intelligente LED-Scheinwerfer auf breiter Flur. Erstmals besteht auch eine Vernetzung mit anderen Autos: Über eine automatische Datenverbindung machen sich die MQB-Modelle die Sensoren anderer Fahrzeuge mit entsprechender Technik zunutze und können so vor drohenden Gefahren außerhalb des eigenen Sichtbereichs warnen.

Am augenscheinlichsten sind die Fortschritte bei Anzeige und Bedienung: Zwar machen die einzelnen Marken dort auch ein paar deutliche Unterschiede, doch allen Geschwistern gemein sind animierte Anzeigen, ein großer Touchscreen in der Mittelkonsole, eine Online-Navigation und der Kampf gegen allzu viele Knöpfe. Mal mehr und mal weniger gründlich, ersetzen die VW-Marken Taster und Schalter zusehends durch berührungsempfindliche Felder, so genannte Slider, über die man mit den Fingerkuppen streicht, Näherungssensoren oder Sprachsteuerung.

Audi A3: vom Streber zum Sportler

Zwar sind die Komponenten alle identisch, doch haben die einzelnen VW-Marken daraus ganz unterschiedliche Fahrzeuge konstruiert. Den größten Sprung macht dabei der Audi A3, der vom zurückhaltenden Musterknaben zum vornehmen Sportler wird. Denn obwohl er in Länge und Breite nur um jeweils drei Zentimeter wächst und der Radstand sogar gleich bleibt, sieht er mit stark eingezogenen Flanken sehr viel dynamischer aus.

Sportlich im Aussehen, souverän beim Fahren und viel Komfort - mit diesen Stärken setzt sich der A3 an die Spitze der Golf-Ableger

Und damit man ihn auch bei schlechter Sicht auf Anhieb erkennt, gibt es erstmals ein digitales Tagfahrlicht, mit individuellen Signaturen für jede Ausstattung. Vornehm gibt sich das Interieur, das im Familienvergleich die hochwertigsten Materialien und die gründlichste Verarbeitung zeigt und damit auch den höchsten Preis rechtfertigt. Solange man nicht im Fond sitzt und die Knie anziehen muss, fehlt da nicht mehr viel zum A4.

Los geht es bei den Bayern mit dem Sportback genannten Fünftürer, den es anfangs mit einem 1.5-Liter-TFSI mit 110 kW/150 PS sowie einem 2.0 TDI gibt, der 85 kW/116 PS oder 110 kW/150 PS leistet. Später folgen neben weiteren Motorvarianten auch die Modelle mit Allradantrieb und ein Stufenheck. Dreitürer und Cabrio dagegen sind gestrichen.

Seat Leon: mediterraner Verführer

Während der Audi eher dezent auftritt, gibt der Seat den mediterranen Verführer. Er hat das leidenschaftlichste Design in der Familie und das einnehmendste Interieur. Selbst wenn man nicht im sportlichsten Modell unterwegs ist, stellt man die Lehne wie von selbst etwas steiler, greift fester ins Lenkrad und fährt beherzt um die Kurven. Treibende Kraft sind dabei zunächst Drei- und Vierzylinder für Diesel und Benzin, die ein Spektrum von 66 kW/90 PS bis 150 kW/204 PS abdecken. Später gibt es mehr Auswahl - bis hin zum Sportmodell des Werkstuners Cupra, der im besten Fall 228 kW/310 PS in Aussicht stellt.

Der Seat Leon fällt vor allem durch sein leidenschaftliches Design und den geräumigen Fond auf. Foto

Aber Seat weiß, dass Lust und Leidenschaft allein für eine lange Liebe nicht reichen. Deshalb schaffen die Spanier außerdem spürbar mehr Platz. Mit einer um neun Zentimeter gewachsenen Länge von 4,37 Metern und einem um fünf Zentimeter gestreckten Radstand passen nun auch Kinder auf die Rückbank, die längst aus dem Vorschulalter heraus sind. Nur der Kofferraum fasst unverändert 380 Liter. Wem das nicht genügt, der bekommt den Leon für etwa 1000 Euro vom Start weg auch als Kombimodell «ST» mit dann 620 statt bislang 590 Litern Stauraum.

Škoda Octavia: der praktische Riese in der Golf-Familie

War schon der aktuelle Octavia der größte in der Familie, legt die vierte Generation noch einmal zu und streckt sich in Radstand und Länge um weitere drei Zentimeter. Damit sind die Tschechen mit 2,69 und 4,69 Metern ganz vorn, und in keiner anderen MQB-Neuheit sitzt man hinten so bequem wie bei ihnen.

Viel Platz im Innenraum und praktische Details machen den Skoda Octavia Kombi zu einem alltagstauglichen Familienauto

Aber Platz ist nur ein Argument für den Škoda. Mindestens genauso wichtig sind die vielen Petitessen aus der Rubrik «Simply Clever», mit denen sich Škoda seit Jahren von der Konkurrenz abhebt. Und auch wenn es mittlerweile bald zwei Dutzend solcher Details gibt, fällt den Tschechen immer wieder etwas Neues ein - diesmal zum Beispiel spezielle Taschen für Smartphones und Tablets in den Rücklehnen der Vordersitze, ein AdBlue-Tank für die Dieselmodelle, in den auch die Zapfpistolen für Lkw passen, und ein Schneebesen, der in der Vordertür verschwindet.

Zwar gibt sich der Octavia in den Top-Versionen überraschend luxuriös, und das neue Zweispeichenlenkrad zeugt von Detailsinn, doch Lust und Leidenschaft wollen beim Fahren weniger aufkommen: Zumindest diesseits der RS-Modelle geht es im Octavia nur darum, möglichst bequem und unaufgeregt anzukommen.

Auch Škoda zelebriert den Modellwechsel übrigens in Etappen. Das gilt für die Motoren, bei denen es mit einem 1,5 Liter großen Benziner mit 110 kW/150 PS sowie einem 2,0-Liter-Diesel mit 85 kW/115 PS oder 110 kW/150 PS losgeht. Später sollen der zum Plug-in-Hybriden aufgestiegene Sportler RS und viele weitere Leistungsstufen folgen. Und das gilt für die Karosserievarianten: Kurz nach dem Kombi wird es auch wieder eine Limousine geben und schließlich den Abenteuer-Kombi Scout.

Audi A3, Seat Leon und Škoda Octavia: es muss eben nicht immer ein Golf sein

Edel, verführerisch oder praktisch: aus dem gemeinsamen Baukasten haben die VW-Töchter Audi, Seat und Škoda drei sehr verschiedene Autos gebaut. Überzeugend sind sie alle drei, weil sie sparsame und saubere Motoren nutzen, schlaue Assistenten haben und bei der Digitalisierung einen großen Sprung machen. Und dazu bietet jeder für sich noch ganz eigene Qualitäten: Viel Finesse beim Audi A3, viel Leidenschaft beim Seat Leon und viel Platz beim Škoda Octavia. Aber so unterschiedlich sie auch sind, die gemeinsame Botschaft ist unmissverständlich: Es muss nicht immer Golf sein.

Basispreise
Audi A3 (30 TFSI)26.800 Euro
Seat Leon (1.5 TSI)20.900 Euro
Skoda Octavia (1.5 TSI)28.060 Euro

Mit Material der dpa

Rubriklistenbild: © Audi AG

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