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Mazda MX-30 im Test: Dämpfen „Selbstmördertüren“ und geringe Reichweite den Spaß am Fahren?

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Von: Rudolf Bögel

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Mazda MX-30 weiß Front fahren
Unverwechselbares Gesicht: Der Mazda MX-30 ist ein Auto für Menschen, die kein gewöhnliches Auto haben wollen. © Mazda

E-Auto kurios: Im Test schaffte der Mazda MX-30 gerade mal 140 Kilometer. Eigenwillig sind auch die Türen. Sie öffnen sich in einer ganz anderen Richtung.

Mazda ist anders. Mazda setzt auf Wankelmotoren, baut immer noch Sauger und hat Benziner mit Diesel-Technik im Angebot. Ganz in dieser Tradition steht der Mazda MX-30 – ein in mehrfacher Hinsicht eigenwilliges Auto. Die geringe Reichweite von 200 Kilometern ist bei dem viersitzigen SUV nicht etwa ein technischer Mangel, sondern volle Absicht. Rightsizing nennt Mazda das und begründet die kleine Batterie damit, dass große Akkus bei der Herstellung auch ziemlich viel Energie verschlingen. Ein kleinerer Speicher würde im städtischen Umfeld auch genügen und sei deshalb ökologisch sinnvoller.

Mazda MX-30 Seite geöffnete Portaltüren
Portaltüren nennt man diese Art von Autotüren. Die hintere ist hinten angeschlagen, das heißt, sie öffnet sich gegenläufig. © Mazda

Warum die „Selbstmördertüren“ so heißen

Und dann sind da noch die Türen. Sie öffnen sich gegenläufig. Bei Fahrer und Beifahrer gehen sie ganz normal nach vorne auf, die hinteren Türen sind hinten angeschlagen und öffnen sich deshalb auch nach hinten. Vorteil, es gibt keine B-Säule, was das Einsteigen erleichtert. Nachteil: Fahrer und Beifahrer müssen erst aussteigen, damit die Gäste im Fonds das Auto verlassen können. Portaltüren nennt man sie im Fachjargon, Selbstmördertüren lautet der umgangssprachliche Ausdruck. Warum sie so heißen, hat folgenden (historischen) Grund. Beim Versuch, eine aus Versehen geöffnete Hintertür bei voller Fahrt wieder zu schließen, wurden nicht angeschnallte Passagiere (was damals erlaubt war) manchmal vom Sog des Fahrwindes aus dem Auto geschleudert. Diese Art von Türen wurden 1961 in Deutschland verboten, mittlerweile sind sie wieder erlaubt, aber nur dann, wenn sie automatisch verriegelt werden, sobald das Auto anfährt. Portaltüren gibt es bei Rolls Royce beispielsweise – und jetzt auch beim Mazda MX-30.

Marzda MX-30 Heckleuchten Detail
Scheinwerfer wie Kanonenrohröffnungen. Die Lichtsignatur des Mazda MX-30 ist vorne wie hinten extravagant. © Mazda

Der Mazda MX-30: ein Auto mit Hang zur Exzentrik

Ein Hingucker sind sie zumindest, wie wir bei der Testfahrt feststellen dürfen. Wie das Auto überhaupt die Blicke auf sich zieht – das Design ist nämlich ziemlich extrovertiert. Etwas für Liebhaber, die nicht nur einen fahrbaren Untersatz haben, sondern ein Statement abgeben wollen. Der Spiegel schreibt treffend: „Das erste reine Elektroauto von Mazda zeichnet sich durch einen Hang zur Exzentrik aus.“ Am auffälligsten sind Front- und Heckleuchten, die an Kanonenrohr-Öffnungen erinnern. Die Plastikbeplankung, die sich um das ganze Auto herumzieht, zeigt, dass es sich beim MX-30 eigentlich um ein SUV handelt. Die Geländefähigkeiten sind allerdings begrenzt, weil er nur über einen Frontantrieb verfügt. Das hat der Mazda zumindest mit den meisten seiner Mitbewerber gemeinsam: Gewöhnliche Feld- und Waldwege ja – ansonsten fühlt sich diese Art von SUV überwiegend auf dem Asphalt wohl. Voll in Mode ist die Karosserieform, die – wie soll es anders sein – als Coupé daherkommt. Sieht schön aus, führt aber zu dem unbequemen Umstand, dass hinten nur Menschen bis 1,70 Meter Größe einigermaßen sitzen können. Sofern es sie nicht stört, dass sie hinten zwar eine Tür haben, im Notfall aber nicht aussteigen können, weil erst der Vordermann raus muss. Portaltüren halt.

Mazda MX-30 Mittelkonsole Kork
Die Korkflächen auf der Mittelkonsole des elektrischen Mazdas stammen von ausrangierten Flaschenkorken. © Mazda

Neues Leben für alte Flaschenkorken

Innen leistet sich der MX-30 auch eine Extravaganz. Die Mittelkonsole ist auffällig mit Kork ausgekleidet, passend zum Nachhaltigkeitsansatz von Mazda. Das verwendete Material wird nämlich aus alten Flaschenkorken hergestellt. Auch bei den Türverkleidungen greift man auf Recycling zurück. Sie bestehen teilweise aus ausrangierten PET-Flaschen. Und selbstverständlich ist das Leder auch vegan. Die Bildschirme sind an drei Stellen im Cockpit verteilt. Hinter dem Lenkrad die klassischen, aber digitalen Rundinstrumente. Auf dem Armaturenbrett dann ein kleiner Infotainment-Bildschirm, der etwas umständlich über einen Drehknopf in der Mittelkonsole bedient wird. Die Nummer drei haben sie zwischen Gangwahlhebel und Cockpit geklemmt. Löblich, dass hier die Klimaanlage separat und direkt gesteuert werden kann, allerdings muss man schon eine gewisse Fingerfertigkeit haben, um die richtigen Kacheln hinter dem Hebel zu treffen. Eine mitunter fummelige Angelegenheit.

Mazda MX-30 Kofferraum geöffnet
Mit 366 Litern liegt der Kofferraum des Mazda MX-30 im üblichen Bereich. Leider hat er eine hohe Ladelippe. Das ist unpraktisch. © Mazda

Künstlicher Sound für die Tempo-Erkennung

Die Fortbewegung mit dem MX-30 sollte, wie bei allen anderen E-Autos auch, eigentlich in stiller Andacht erfolgen. Nicht so bei Mazda. Damit der Fahrer die Geschwindigkeit besser einschätzen kann, wird ein künstliches Geräusch erzeugt, das sich jede nach Tempo ändert, und das über die Lautsprecher eingespielt wird. Nicht laut – aber ohne Sound wäre es uns lieber gewesen. Die 145 PS starke Maschine sorgt für spritzige Fahrerlebnisse. Das Drehmoment von 271 Newtonmetern (Nm) wuchtet ordentlich los und hat trotz der 1,7 Tonnen Gewicht leichtes Spiel mit dem MX-30. Der einschlägige Spurtwert von 0 auf 100 mit 9,7 Sekunden klingt zwar nicht gut, ist aber dem Umstand geschuldet, dass es ab Tempo 80 dann nicht mehr ganz so zügig geht. Aber darunter kann das Mittelklasse-SUV, das mit einer Länge von 4,40 Metern gar nicht so klein ist, munter mithalten im Stadtverkehr.

Mazda MX-30 Aufladen
Je nach Füllstand und Säulenleistung braucht der MX-30 bis zu drei Stunden, bis er wieder aufgeladen ist. © Mazda

Im Winter kommt man keine 100 Kilometer weit

Ein echtes Problem hatten wir mit der Reichweite. Zwar werden 200 Kilometer versprochen, mehr als 140 waren aber auch bei voller Ladung nicht drin. Im Testzeitraum Ende März herrschte dazu noch laues Frühlingswetter, wir möchten uns nicht vorstellen, was im Winter noch von der Reichweite übrigbleibt. Unserer Erfahrung nach (wir haben selbst ein E-Auto) dürften dann gerade mal 100 Kilometer möglich sein. Dass die Batterie mit 35,5 kWh (netto 32) so klein ausfällt, ist wie gesagt Absicht, weil die Umweltbilanz des Autos über den ganzen Zyklus viel besser ist und weil Mazda nicht ganz zu Unrecht damit argumentiert, dass die meisten Menschen in aller Regel nicht mehr als zwischen 30 und 40 Kilometer am Tag fahren. Dann reichen auch 100 Kilometer Reichweite, vorausgesetzt, dass man zu Hause aufladen kann, sonst wird es lästig, wenn man andauernd eine Ladesäule suchen muss. Immerhin kann man den MX-30 mittlerweile auch dreiphasig aufladen, bei einer Leistung von 11 kW dauert es zweieinhalb Stunden, um den Akku von 20 auf 100 Prozent zu bringen. An der Wallbox zu Hause waren es beim Test vier Stunden, die Haushaltssteckdose dürfte über 10 Stunden brauchen.

Mazda MX-30 Armaturenbrett
Mit drei Bildschirmflächen ist das Cockpit des MX-30 bestückt. Gut, dass die Klimaanlage separat gesteuert werden kann. © Mazda

Unser Fazit zum Mazda MX-30 fällt gemischt aus

Extrovertiert, extravagant, exaltiert – der Mazda MX-30 ist kein Auto für alle. Und kein Auto für alles. Für den Pendelbetrieb Land-Stadt-Land ja. Für Alltagsaufgaben wie Einkaufen, Kinder in die Schule bringen und ähnliches taugt der Mazda auch. Wer damit allerdings häufig längere Strecken über 100 Kilometern bewältigen will, der wird sich nur ärgern. Aber dafür ist der MX-30 auch nicht konzipiert. Er ist ein Nischenprodukt für Individualisten - und der ein oder andere Exzentriker dürfte auch darunter sein.

Rudolf Bögel

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