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VW T7 Multivan 1.4 eHybrid im Test: So fährt sich der elektrifizierte Bulli

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Von: Sebastian Oppenheimer

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Der neue VW Multivan überzeugt als Plug-in-Hybrid durch Komfort und moderne Technik. Allerdings könnte der gut 2,1 Tonnen schwere elektrifizierte Bulli ein paar PS mehr vertragen.

Wolfsburg – Schnittig steht er da, der neue Multivan. Schmale Scheinwerfer und eine im Windkanal geschärfte Karosserie, die mit einem Cw-Wert von 0,3 zu einem geringeren Luftwiderstand als bisher führt, was den Verbrauch senkt. Wichtig heutzutage, wo der Spritpreis explodiert und 100 Milliliter weniger Verbrauch sich positiv auf die Haushaltskasse auswirken. Zumal VW mit der siebten Generation des Multivan hauptsächlich Privatpersonen im Visier hat. Nicht der Diesel, der nächstes Frühjahr auf den Markt kommt, ist laut VW-Prognosen das Objekt der Begierde, sondern der Plug-in-Hybrid, den sich mehr als 40 Prozent der T7-Fahrer in die Garage stellen wollen. (Volkswagen leidet unter Chipmangel: „Es müsste schon ein Wunder geschehen“)

Fahraufnahme eines VW Multivan 1.4 l eHybrid
Der VW Multivan 1.4 l eHybrid bringt es mit 1,4-Liter-Vierzylinder und E-Motor auf eine Systemleistung von 160 kW / 218 PS. © Uli Sonntag/VW

VW T7 Multivan 1.4 eHybrid im Test: So fährt sich der elektrifizierte Bulli

Der Antriebsstrang ist unter anderem aus dem Arteon PHEV bekannt und kombiniert einen 110 kW/150 PS Benziner mit einem 86 kW/115 PS Elektromotor, was in einer Systemleistung von 160 kW/218 PS und einem maximalen Drehmoment von 350 Newtonmetern, das bereits ab 1.000 U/min anliegt, resultiert. Das ist angesichts eines Gewichts von gut 2,1 Tonnen auch keine Pferdestärke zu wenig. Beim Beschleunigen macht sich die Elektro-Unterstützung positiv bemerkbar. Die Sprintzeit von 11,6 Sekunden von null auf 100 km/h ist auch aller Ehren wert. Für das flotte Mitrollen auf Autobahnen und Landstraßen reicht die Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h mehr als aus. Sobald man aber etwas flotter unterwegs sein will, meldet sich der Verbrennungsmotor deutlich zu Wort. Die spür- und hörbare Anstrengung ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sich der neue Multivan so entspannt fahren lässt wie ein Pkw. (VW-Chef Herbert Diess: Ist er selbst der größte Fan von Elon Musk?)

Fahraufnahme eines VW Multivan 1.4 l eHybrid
Der VW Multivan 1.4 l eHybrid hat seinen Preis – er kostet mindestens 57.173,55 Euro. © Uli Sonntag/VW

VW T7 Multivan 1.4 eHybrid im Test: Gut abgestimmtes Fahrwerk

Johannes Raspe, technischer Projektleiter des Multivan, wehrt sich gegen die Vermutung, dass der neue Bulli ein Golf 8 mit einem anderen Hut sei. „Wir haben lediglich die Elektronikarchitektur und den Antriebsstrang übernommen, der Multivan steht auf einer eigenen Plattform.“ Deswegen wurde auch das Fahrwerk speziell für den T7 entwickelt und so konnten die Techniker mit Leichtbaukomponenten rund 80 Kilogramm Gewicht sparen und damit einen ordentlichen Teil zu den rund 200 Kilogramm beitragen, die der neue Multivan leichter als der Vorgänger ist. (VW-Chef Herbert Diess will Stellen streichen – Krach im Meeting)

Das Fahrwerk ist gut abgestimmt und kommt auch mit den gut 2,1 Tonnen Lebendgewicht des Multivan 1,4 l eHybrid gut klar. Selbst in der sportlichen Einstellung federt der Multivan nicht zu hart. Allerdings bedeutet Sport auch immer maximale Rekuperation und sobald man nur leicht vom Gas geht, verzögert der Kleinbus, was das Fortkommen für die Passagiere unharmonisch macht. Besser ist man mit Comfort oder Eco unterwegs.

VW T7 Multivan 1.4 eHybrid im Test: Cockpit erinnert an den Golf

Wie bei der MQB-Elektronikarchitektur üblich kann man seinen Bulli im 10 Zoll großen Touchscreen nach Wunsch konfigurieren. Das ansehnliche Cockpit erinnert an den Golf und kommt ohne klassischen Mitteltunnel aus, da der drahtlos funktionierende Automatikknubbel (Shift-by-Wire) des Doppelkupplungsgetriebes sowie der Hebel für die elektronische Parkbremse nach oben gewandert sind. Die Rundinstrumente werden virtuell auf einem 10,25 Zoll großen Monitor dargestellt. Das Head-up-Display lässt den Blick auf der Straße ruhen und mehr als 20 Assistenzsysteme helfen dem Steuermann, seinen Bulli sicher zu navigieren – darunter auch so exklusive Helfer wie der Abbiege- und der Ausstiegsassistent. (Volkswagen gegen Tesla: Akku-Test – dieses Modell zieht den Kürzeren)

Blick ins Cockpit eines VW Multivan
Das ansehnliche Cockpit des VW Multivan erinnert an den Golf. © Uli Sonntag/VW

VW T7 Multivan 1.4 eHybrid im Test: So lange dauert das Aufladen des Akkus

Laut Datenblatt begnügt sich der Multivan 1.4 eHybrid mit 1,5 Liter pro 100 Kilometer. Bei unserer Testfahrt, die mit vollen Akkus gestartet wurde, meldete das System 5,6 l/100 km. Rein elektrisch reicht die Energie der 13-Kilowattstunden-Batterie (10,4 kWh netto) laut Angabe für rund 50 Kilometer, wir schafften 39 Kilometer, wobei wir auch auf Landstraßen und Autobahnen unterwegs waren. Jedenfalls ist die rein elektrische Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h und der Antritt durchaus ausreichend. Allerdings sind die Energiespeicher an einer Wallbox mit 360 Volt und 3,6 kW erst nach 3 Stunden und 40 Minuten wieder gefüllt. An einer Haushaltssteckdose mit 230 Volt und 2,3 kW Wechselstrom dauert das Laden fünf Stunden. Für Privathaushalte, die den PHEV-Multivan für längere Zeit einstöpseln können, kein Problem, für Shuttle-Dienste dagegen schon eher.

Beim VW Bus geht es um Raum und Transportmöglichkeiten. Die siebte Bulli-Generation hat in der Länge um fast sieben Zentimeter (69 Millimeter) auf 4,973 Meter und in der Breite auf 1,941 Meter (plus 3,7 Zentimeter) gewonnen. Da der T7 mit 1,907 Meter um 4,7 Zentimeter niedriger ist, steht er jetzt stämmiger da. Die entscheidende Größe bei dieser Aufzählung ist der Radstand: Der hat nämlich deutlich zugelegt und beträgt jetzt 3,124 Meter. Das sind 12,4 Zentimeter mehr als bisher, die in der Kabine ankommen und für mehr Platz sorgen. Als Alternative steht die Langversion parat, die es auf immerhin 5,173 Meter bringt und damit um 13,1 Zentimeter kompakter ist als bisher, und das bei identischem Radstand. So wächst der Kofferraum von 469 Liter auf bis zu 4.053 Liter.

Technische Daten VW Multivan 1.4 eHybrid
Motor/Getriebe/AntriebVierzylinder-Benziner plus E-Motor / Sechsgang-Automatik / Front
Leistung/Drehmoment160 kW (218 PS) / 350 Nm bei 1.000 bis 4.100 U/min
Vmax/0–100 km/h190 km/h / 11,6 s
Länge/Breite/Höhe4.973 / 1.941 / 1.907 mm
Leergewicht2.120 kg
Normverbrauch1,5 l/100 km
CO2-Ausstoß34 g/km
Ladevolumen469 bis 4.053 Liter
Preis59.035,90 Euro (Basismodell: 44.829,20 Euro)

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VW T7 Multivan 1.4 eHybrid im Test: Sitze auf Schienensystem verschiebbar

Die Gäste sollen sich wie in einer Lounge fühlen. Die VW-Innenraumarchitekten haben die Sitzbank aus dem Bulli verbannt und durch Einzelsitze ersetzt. Dass sich die Stühle der zweiten Reihe wie bisher um 180 Grad drehen lassen, versteht sich von selbst. Das Gestühl ist bis 29 Kilogramm leichter geworden und kann auf einem Schienensystem in der Fahrgastzelle einfach hin und her geschoben werden. Durch das reduzierte Gewicht fällt auch der Ausbau leichter. So sind interessante Konfigurationen denkbar – etwa, dass man nur eine Reihe ausbaut, um sperrige Gegenstände zu transportieren.

Blick in den Innenraum eines Multivan, in dem ein Fahrrad steht
Durch die ausbaubaren Einzelsitze im VW Multivan ergeben sich praktische Transportkombinationen. © Uli Sonntag/VW

VW T7 Multivan 1.4 eHybrid im Test: Sitzheizung auf fast allen Plätzen

Im Winter hilft die Tatsache, dass Stromleitungen durch die Schienen führen und so auch eine Sitzheizung bei den äußeren Plätzen ermöglichen. Der mittlere Stuhl der dritten Reihe bleibt zwar kalt, kann aber bei Bedarf ganz nach vorne geschoben werden und als zusätzliche Mittelkonsole dienen. Das optionale Panoramaglasdach sorgt für wohlige, weil natürliche Lichtverhältnisse. Der Einstieg erfolgt durch zwei Schiebetüren und wenn man die Hände voll hat, lässt sich die Heckklappe mittels Fußkick öffnen. Allerdings hat der elektrifizierte Bulli mit mindestens 57.173,55 Euro ab Mitte November auch seinen Preis. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

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