1. 24auto
  2. Tests
  3. Fahrbericht

VW ID. Buzz im Test: Ist der elektrische Van ein echter Bulli?

Erstellt:

Von: Marcus Efler

Kommentare

Der VW ID. Buzz soll Familien ebenso elektrisieren wie Handwerker. Eine erste Testfahrt verrät, ob der große Stromer das Zeug dazu hat.

Hannover – Schon seltsam, dass das emotionalste Modell aus der Elektro-Familie von Volkswagen nicht aus Wolfsburg oder Zwickau kommt, sondern aus Hannover. Denn der VW ID. Buzz ist im Grunde ein Nutzfahrzeug, wenn auch ein sehr ansehnliches: Auf den konzernweiten modularen Elektrobaukasten (MEB), auf dem auch Pkw-Modelle wie der VW ID.5 basieren, stellt der elektrische VW-Bus den bisher lässigsten Karosseriehut. Er kommt ab Herbst als Normal- und Langversion sowie als Cargo-Variante für Handwerker auf die internationalen Märkte.

Das Design des Serienmodells mit der charakteristischen Zweifarblackierung ist beim Prototypen für die erste Testfahrt in Hamburg überklebt, und auch der Innenraum verhüllt sich hinter schwarzen Tarnmatten. Doch bereits so ist zu erkennen, dass das Design eine der großen Stärken sein wird. (VW-Boss Herbert Diess: „Autofahren für einen Euro“ – geht das wirklich?)

VW ID. Buzz im Test: Ist der elektrische Van ein echter Bulli?

Im südlichen Hamburger Hafengebiet geht es im Schatten von Containern und Spundwänden los, und über zerborstene Fahrbahnen und Kopfsteinpflaster hinaus in die reale Welt einer Großstadt. Bereits hier kann der 4,71 Meter lange Hannoveraner punkten, denn er ist mit einem Wendekreis von rund elf Metern kompakt zu bewegen, parkt munter aus und fährt ungewohnt komfortabel selbst über Brüche und Schläge im Asphalt.

VW ID. Buzz, getarnt
Mit bunter Tarn-Folierung: Der VW ID. Buzz auf erster Testfahrt. © VWN

Der elektrische Bulli ist bereits von unten heraus flott unterwegs. Keine Überraschung, denn der Elektromotor im Heck leistet 150 kW/204 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 310 Newtonmetern. Das 77-kWh-Akkupaket ist wie bei den anderen Modellen der ID-Familie zwischen den Achsen verbaut und soll Reichweiten von 400 Kilometern realisieren. Bei dieser einen Antriebsvariante wird es nicht bleiben, denn gerade für sparsame Gewerbetreibende soll es eine günstigere 50-kWh-Batterie geben. Später dürften weniger und mehr Leistung ebenso folgen wie eine Allradversion – MEB macht’s möglich. (VW T7 Multivan: Variabler und komfortabler – doch bei den Motoren hapert’s)

VW ID. Buzz im Test: 145 km/h müssen reichen

Trotz seines stattlichen Gewichts von rund zwei Tonnen zischt der ID. Buzz durch den turbulenten Innenstadtverkehr flott aus der Hafencity Richtung Sankt Pauli. Die Regenbogenlackierung ist auffällig, und so klicken bei den Ampelstopps immer wieder Handykameras. Kurzer Zwischenspurt zwischen den Kreuzungen: kein Problem, und wer das Fahrprogramm wechselt, kann im One-Pedal-Modus mit maximaler Verzögerung fast ohne Berühren des Bremspedals unterwegs sein.

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können

VW ID. Buzz, Cargo-Version, getarnt, von seitlich hinten
Auf Testfahrt: Die Cargo-Version des VW ID. Buzz. © VWN

Die Motorleistung ist üppig genug – die Höchstgeschwindigkeit mit 145 km/h noch überschaubarer als bei den anderen ID-Modellen. Dafür lässt sich der ID. Buzz nach den jüngsten technischen Überarbeitungen an der hauseigenen Elektroplattform mit bis zu 170 Kilowatt an der Schnellladesäule nachtanken. Noch wichtiger dürfte für einige Kunden sein, dass sie die Magnetkarte zukünftig in der Tasche lassen können, denn der ID Buzz arbeitet mit Plug-and-Charge à la Tesla: Einstecken in die Ladesäule reicht, und der Elektro-Bus lädt sofort nach. (VW T7 Multivan 1.4 eHybrid im Test: So fährt sich der elektrifizierte Bulli)

VW ID. Buzz
Motor/AntriebElektro/Heck
Leistung/Drehmoment150 kW (204 PS) / 310 Nm
Vmax145 km/h
Länge/Breite/Höhe4,71/1,99/1,94 m
Ladevolumen1.121 l
Reichweiteca. 400 km
Preis (Pkw-Version)ab ca. 40.000 Euro

Ob der VW ID. Buzz ein Erfolg wird, entscheidet sich gerade in Europa mit der Nutz-Variante Cargo, deren Preise bei rund 30.000 Euro beginnen dürften. Diese bietet eine Ladelänge von 2,21 Metern, kann zwei Europaletten schlucken und hat ein Ladevolumen von vier Kubikmetern. Die fünfsitzige PKW-Variante zu Preisen ab rund 40.000 Euro bietet nicht nur eine elektrische Kofferraumklappe und zwei mächtige Schiebetüren, sondern hinter den dem großzügig dimensionierten Fond auch noch 1.121 Liter Gepäckvolumen.

Die Sitze sind vorne wie hinten bequem, das Platzangebot ist klasse, und die Tarnmatten verhüllen nicht nur die bekannten Displays mit Diagonalen bis 12 Zoll, sondern auch die sieben USB-Ports in Cockpit, Mittelkonsole und in den Türen. Keine Frage: der VW ID. Buzz wird seine Fans finden und hat das Zeug dazu, die große Tradition des VW Bulli in die elektrische Zukunft zu führen. (Stefan Grundhoff/press-inform)

Auch interessant

Kommentare