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VW ID.4 im Test: Viel Platz, sehr gutes Fahrverhalten – die Start-Versionen sind allerdings teuer

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Von: Sebastian Oppenheimer

Im Sommer startete Volkswagen seine elektrische ID-Familie mit dem kompakten ID.3-Modell – jetzt rollt schon der Elektro-Crossover ID.4 zum Händler.

Wolfsburg – Weltweit betrachtet ist der VW ID.4 deutlich wichtiger als der VW ID.3 – der elektrische Zwillingsbruder des konventionell angetriebenen VW Golf. Der ID.4 soll als Mittelklasse-Crossover der Einstieg in die neue, schöne Elektrowelt der Wolfsburger sein. Optisch ist er gerade an der Front eng mit dem kompakten VW ID.3 verwandt, wobei der treu-liebliche Blick aus den LED-Augen vielen, aber nicht allen gefallen dürfte. Etwas selbstbewusster dürfte der neue Hoffnungsträger aus dem sächsischen Zwickau, der parallel auch in China und bald auch im US-amerikanischen Chattanooga vom Band laufen soll, durchaus dreinblicken. Denn der VW ID.4 ist ein richtig gutes Auto mit viel Platz im Innenraum, deutlich besserer Materialanmutung als beim kleinen Bruder und exzellentem Fahrverhalten. Zwei seiner härtesten Wettbewerber kommen dabei aus dem eigenen Stall, denn nicht zuletzt Audi Q4 e-tron und Škoda Enyaq dürften dem VW ID.4 durchaus Kopfzerbrechen bereiten. Beide bieten die nahezu identische Technik, sehen aber besser aus. (VW ID.3 ab sofort mit „ID-Software 2.0“ – aber Bestandskunden schauen erst mal in die Röhre)

Fahraufnahme eines gelben VW ID.4
Den VW ID.4 gibt es mit zwei verschiedenen Akkupaketen – mit dem größeren sind bis zu 520 Kilometer Reichweiter drin. © Volkswagen / Uli Sonntag

VW ID.4 im Test: Viel Platz, exzellentes Fahrverhalten – doch die Start-Versionen sind leider teuer

Zum Marktstart muss der VW ID.4 ohne Allradantrieb auskommen. Die sportliche GTX-Variante mit 225 kW (306 PS) und elektrischer Allradpower kommt erst im Laufe des nächsten Jahres auf den Markt. Doch gerade die aktuelle Topversion mit 150 kW (204 PS) und obligatorischem Hinterradantrieb dürfte das Massenmodell werden. Sie ist bestenfalls mit einem 77 kWh großen Akkupaket verfügbar. Später wird es weitere ID.4-Modelle mit 109 kW (148 PS) sowie 125 kW (170 PS) geben. Keine Überraschung, dass sich die meisten Kunden für die größere der beiden Akkuvarianten entscheiden werden, um beim Gedanken an die unendlichen TDI-Reichweiten von mehr als 1.000 Kilometern ohne Nachtanken keine grauen Haare zu bekommen. Das 82-kWh-Paket, von dem 77 kWh genutzt werden können, ermöglicht Reichweiten von 520 Kilometern, während die kleine 52-kWh-Version nur 360 Kilometer schafft, ohne dass der ID.4 wieder an die Ladesäule muss, an der mit maximal 125 Kilowatt nachgetankt werden kann. Gerade für längere Strecken oder Fahrten in der kalten Jahreszeit führt am großen Akkupaket kaum ein Weg vorbei. Der Normverbrauch liegt bei guten 17,9 kWh. (VW erweitert ID-Reihe nach unten: Vorhaben lässt sogar Umweltschützer jubeln)

Fahraufnahme eines gelben VW ID.4
Allradantrieb wird für den VW ID.4 zum Marktstart zunächst nicht erhältlich sein. © Volkswagen / Uli Sonntag

VW ID.4 im Test: Viel Platz, exzellentes Fahrverhalten – Ledersitze sind nicht bestellbar

Während der VW ID.3 die Golf-Kunden auf den tugendhaften Pfad der Elektromobilität führen soll, greift der größere VW ID.4 die SUV-Fans beim Schopf und versucht, sie ins Stromlager zu ziehen. Ihnen gefallen wird der große und variable Innenraum mit reichlich Platz vorne und hinten. „Wir haben sechs Zentimeter mehr Innenraum als das Tesla Model Y, obwohl wir rund 19 Zentimeter kürzer sind“, erläutert VW-Markenchef Ralf Brandstätter und nimmt damit schon einen der direkten Wettbewerber ins Visier. Gestrichen wurden die Ledersitze – sie sind beim ID.4 nicht zu bekommen. Überaus variabel ist die Mittelkonsole, denn hier finden sich zwei Becherhalter, Handyplätze und weitere Ablagen. Das hintere Fach lässt sich mit Trennelementen aufteilen, die Handyschale ist beleuchtet und die Fondpassagiere freuen sich über zwei USB-C-Ladebuchsen zusätzlich zu den Anschlüssen vorn. Der Gepäckraum fasst je nach Stellung der Rücksitzlehnen 543 bis 1.575 Liter. Praktisch sind Details wie eine elektrische Heckklappe, Dachreling und auf Wunsch sogar eine Anhängerkupplung. (Hier fahren Herbert Diess und Elon Musk den neuen VW ID.3: „Keine Renn-Maschine“)

An das zentrale 12-Zoll-Display mit seinen nicht immer eingängigen Bedienfunktionen im Smartphone-Design gewöhnt man sich schnell. Die Instrumenteneinheit hinter dem Lenkrad ist jedoch viel zu klein geraten. Daran ändern auch die überschaubar dargestellten Informationen und das darüberliegende Head-up-Display nichts, denn auch das wirkt eher wie ein Mäusekino. Anders als beim Startmodell des VW ID.3 gibt es darüber einen sogenannten Augmented-Bereich, wo ähnlich wie bei den neuen Mercedes-Benz-Modellen Fahrsignale in den Bereich vorm Auto eingeblendet werden. Blaue Pfeile führen einen nahezu idiotensicher in die Straße, in die man abbiegen soll, oder weisen einen auf Gefahren hin.

Blick in den Innenraum des VW ID.4
Die Instrumenteneinheit hinter dem Lenkrad des VW ID.4 ist deutlich zu klein geraten. © Volkswagen / Uli Sonntag

VW ID.4 im Test: Viel Platz, exzellentes Fahrverhalten – Lenkung könnte mehr Rückmeldung bieten

Gefallen kann im VW ID.4 nicht nur das Platzangebot vorne wie hinten, sondern ganz abgesehen von seinem elektrischen Antrieb das ausgewogene Fahrwerk. Die Lenkung ist betont leichtgängig und etwas mehr Rückmeldung von der Fahrbahn wäre klasse. Dafür ist der Wendekreis – ermöglicht durch den Heckantrieb – mit 10,20 Metern ungewöhnlich klein für ein Auto, das 4,58 Meter in der Länge misst und einen 2,77 Meter langen Radstand hat. Das Gewicht von knapp zwei Tonnen ist insbesondere angesichts des fehlenden Allradantriebs üppig. Doch das Akkupaket zwischen den beiden Achsen sorgt immerhin für eine gute Gewichtsverteilung und einen gelungenen Schwerpunkt bei flotter bis sehr ambitionierter Gangart.

Angenehm: Am Steuer wirken keine Antriebskräfte und der ID.4 bringt seine 204 PS nebst 310 Nm maximalem Drehmoment artgerecht und (falls gewünscht) überaus dynamisch auf die Straße. Mit den verschiedenen Fahrmodi – unscheinbar über einen Taster im Armaturenbrett zu schalten – passt sich das Elektro-SUV bei Gasannahme und Fahrwerk den Wünschen des Fahrers und den Bedingungen auf der Straße an. Wird es schnell und kurvig, geht es in den Sportmodus, ansonsten ist man im Komfortprogramm besser bedient.

Technische Daten VW ID.4 (82-kWh-Batterie)
Motor/AntriebElektromotor/Hinterradantrieb
Leistung/Drehmoment150 kW (204 PS) / 310 Nm
Vmax / 0–100 km/h160 km/h / 8,5 s
Normverbrauch17,7 – 18,0 kWh
Reichweite520 km
Leergewicht2.000 kg
Ladevolumen543 –1.575 Liter
Basispreis36.950 Euro (Pure-Edition)

VW ID.4 im Test: Viel Platz, exzellentes Fahrverhalten – das kostet der Elektro-Crossover in der Basis

Aus dem Stand sprintet der Elektro-Crossover in 8,5 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit wird allzu früh bei 160 km/h abgeregelt. Auf längeren Autobahnpassagen wird es daher zäh – auch weil das Elektromodell ab 140 km/h etwas müde wird und nicht denselben Tatendrang wie bei Geschwindigkeiten unterhalb der 100 km/h an den Tag legt. Angenehm niedrig ist das Geräuschniveau. Dafür sorgen umfangreiche Dämmmaterialien und der gute cW-Wert von 0,28. Der Preisunterschied zum jeweils vergleichbaren VW ID.3 liegt bei rund 7.000 Euro – heißt, der VW ID.4 startet Anfang kommenden Jahres mit der Pure-Edition bei rund 36.950 Euro. Noch in diesem Jahr sind die ersten Modelle der Startversionen ID.4 First und ID.4 First Max verfügbar, die deutlich besser ausgestattet jedoch 49.000 bzw. sogar 59.000 Euro kosten. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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