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VW ID.4 GTX im Test: So fährt sich der sportliche E-Crossover

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Von: Marcus Efler

GTI war gestern, in der Elektro-Ära tragen VWs sportlichere Modelle ein neues Kürzel. Bietet der 299 PS starke ID.4 GTX denselben Fahrspaß wie die Verbrenner mit GTI im Namen?

Wolfsburg – Soll bloß keiner sagen, sie wären nicht lernfähig bei VW: Nach dem Desaster mit dem Plastik-Innenraum des ID.3 haben die Wolfsburger im ID.4 GTX den Nicht-Kunststoff-Anteil deutlich erhöht. Ein klarer Schritt nach vorne, wenn auch Armaturenbrett und die Türinnenverkleidungen noch immer blau sind. Vermutlich wollen die VW-Dekorateure bei der GTX-Reihe ähnliche Traditionen installieren wie etwa die Karo-Sitzbezüge bei den GTI-Modellen. Zumal GTX ja auch die Fortsetzung der GTI-Saga mit elektrischen Mitteln werden soll. Warum allerdings die Felgen dann norwegische Namen wie „Ystad“ tragen, erschließt sich eher nicht. Vermutlich ist die Marketingabteilung der Ansicht, dass ein Schuss der skandinavischen Stromer-Hochburg dem ID.4 GTX gut bekommt. (Elektro-Crossover VW ID.6: Der große Bruder des VW ID.4 kommt – aber vorerst nicht bei uns)

VW ID.4 GTX im Test: So sportlich fährt sich der kompakte Strom-Crossover

Wir wollen aber nicht zu einem Fjord, sondern in den Harz. Hinter dem Volant ist alles, wie man es von den anderen ID-Modellen kennt: Kleines 5,3-Zoll-Cockpit, ein 12 Zoll großer zentraler Touchscreen und ein großes Head-up-Display. Das haben Sie bei VW besser hinbekommen als die Kollegen von Audi, vor allem die fliegenden Pfeile sind bei hellem Gegenlicht noch gut zu erkennen. Dafür ist die Bedienung des Ingolstädter Infotainment-Systems klarer. Und da der VW nur noch mit USB-C-Anschlüssen versehen ist, bedeutet für die meisten Smartphone-Besitzer, dass sie sich mit Adaptern oder neuen Ladekabeln ausrüsten müssen. (Power-Q4 von Audi im Test: Reichen 299 PS, um gegen Tesla zu bestehen?)

VW ID.4 GTX, fahrend
Zurückhaltend sportlich: der neue E-Crossover VW ID.4 GTX © Martin Meiners/VW

VW ID.4 GTX im Test: Sportpaket mit schön straffem Fahrwerk

Angenehm sind die bequemen Sitze. Unser Testwagen ist mit dem Sportpaket ausgestattet, was bedeutet, dass die Karosserie 15 Millimeter tiefer über den Asphalt flitzt und die Progressivlenkung die Richtungsbefehle umsetzt. Auch wenn der GTX sportlicher abgestimmt ist als der Normalo-ID.4, wird er nie unkomfortabel und lässt sich auch durch holprige Straßen nicht aus der Ruhe bringen. Die Spreizung der Haupt-Fahrmodi Eco, Komfort und Sport könnte allerdings ausgeprägter sein. Bei Sport ist das Fahrwerk straffer, die Rückstellkräfte der Lenkung wirken stärker. Wir kochen bei solchen Sachen ohnehin gerne unser eigenes Süppchen und nutzen daher den Individualmodus. Auch beim ID.4 GTX bedeutet das: Antrieb auf Sport und den Rest auf Komfort. Bei Bedarf kann man die adaptiven Dämpfer in 15 Stufen anpassen. (Škoda Enyaq iV Sportline 80x im Test: Das macht das E-SUV anders als VW und Co.)

VW ID.4 GTX im Test: Der Elektro-Crossover bietet Allradantrieb nach Bedarf

Der wichtigste Teil des VW-Agilitätsmenüs werkelt im Hintergrund: Der Fahrdynamik-Manager ist ein Dirigent, der die vorhandenen Regelsysteme koordiniert und so aufeinander abstimmt, dass das Fahrzeug möglichst behände durch die Kurven geht. Dieser Technikkollege, der dem Golf GTI bereits die Extraschippe Dynamik verpasst hat, funktioniert auch im ID.4 GTX, der sich für einen 2.149 Kilogramm schweren E-Crossover erstaunlich flott um die Ecken dirigieren lässt. Dabei agiert der Fahrdynamik-Manager auch mit rekuperierenden Bremseingriffen, um den zum Kurvenrand drängenden Vorderwagen im Zaum zu halten. Der Allradantrieb, bei dem sich die Vorderachse bei Bedarf blitzschnell zuschaltet, trägt ebenso wie die Mischbereifung (235er vorne und 255er hinten) zum guten Grip sowie dem neutralen Fahrverhalten bei. (Audi nur noch elektrisch – das steckt hinter dem Verbrenner-Aus)

VW ID.4 GTX, Interieur-Ansicht
Innen wirkt der VW ID.4 GTX hochwertiger als der ID.3. © Ingo Barenschee/VW

VW ID.4 GTX im Test: Eine realistische Reichweite von 330 Kilometern ist drin

Ja, der ID.4 GTX macht Spaß, ist aber kein Brutalo-Dynamiker. Die PS-Leistung von 220 kW / 299 PS verzeichneten einen spürbaren Zuschlag gegenüber den 109 bis 150 kW der Basisversion: Aus dem Stand erreicht der Stromsportler nach 6,2 Sekunden die 100-km/h-Marke und darf sogar bis zu 180 km/h schnell sein. Das kann ein Volvo XC40 Recharge auch. Da sollte VW mehr freischalten, um sich zu differenzieren. VW gibt als Durchschnittsverbrauch 16,3 Kilowattstunden/100 km an, das Display zeigte beim Start eine Reichweite von 330 Kilometern, also klar weniger als die offiziellen 480 Kilometer unter Idealbedingungen. Auch lag der Stromverbrauch auf der Testfahrt mit 23,7 kWh deutlich über dem Normwert.

Technische Daten VW ID.4 GTX
Motor/Antrieb2 Elektro / Allrad
Leistung/Drehmoment220 kW (299 PS) / 162 Nm + 310 Nm
Länge/Breite/Höhe458/1,85/1,62 m
Kofferraumvolumen543 – 1.575 l
Vmax/0–100 km/h180 km/h / 6,2 s
Normverbrauch/max. Reichweite16,3 kWh/100 km / 480 km
Basispreis50.415 Euro

Ein paar Schmankerl hält der VW ID.4 GTX dann noch bereit: Das Traction-Fahrprogramm stellt bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h einen permanenten Allradantrieb mit einer paritätischen Verteilung der Antriebskräfte her und wühlt den ID.4 GTX aus fast jedem Schlammloch. Außerdem kann der E-Crossover bis zu 1.400 Kilogramm ziehen. Zwar bietet er noch kein Anhänger-Hilfsprogramm, also muss man beim Rangieren des Gespanns umdenken. Aber Andocken und Bewegen eines Pferdeanhängers mithilfe der Rückfahrkamera und den Linien lässt ein bisschen PlayStation-Feeling aufkommen. Leider ist der VW ID.4 GTX mit einem Preis von mindestens 50.415 Euro deutlich teurer als die aktuell über Listenpreis gehandelte Spielkonsole. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

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