Der Diesel im Test

VW Golf 2.0 TDI: Wenig zu meckern, aber mit zweifelhaften „Modernisierungen“

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Der VW Golf bleibt sich auch in der achten Generation treu. Unser Test zeigt die Stärken, aber auch neue Schwächen des Bestsellers.

  • Der 2.0 TDI-Motor im Test leistet 110 kW/150 PS
  • Im Alltagstest konnte der Normverbrauch von 4,4 Litern fast geknackt werden
  • Gleich zwei AdBlue-Kats reinigen beim 2.0 TDI die Abgase

München – Deutschlands nach wie vor beliebtestes Modell ist im Konzern nicht mehr das wichtigste Auto. Vom technisch verwandten SUV Tiguan werden weltweit mehr Einheiten verkauft und in die Zukunft soll der elektrische ID.3 führen. Trotzdem bleibt der Golf natürlich der Volkswagen schlechthin. Und es gilt auch für den Golf 8, was für die allermeisten Generationen vorher auch richtig war: Mehr Auto braucht man nicht. Jedenfalls nicht, wenn man bei der Wahl des Fahrzeugs vornehmlich Vernunftgründe walten lässt, außerdem noch flexibel genug ist, um auf den erhöhten Einstieg eines SUV verzichten zu können, und keine Großfamilie hat. Zudem verfügt natürlich auch dieser Golf über die gefühlte oder echte „Klassenlosigkeit“, mit der man sich rein automobil betrachtet vor der Imbissbude genauso passend fühlt wie auf dem Parkplatz eines Sternerestaurants (VW Tiguan Facelift: Diese Extras sind ab jetzt immer serienmäßig).  

Letzteres gelingt VW immer wieder, weil die Designer den Golf zwar optisch mit jeder Generation erneuern, aber andererseits doch alles so lassen, dass er sofort als solcher erkannt wird. Der Verzicht auf allzu modischen Schnickschnack im Design mag zwar langweilig sein, zahlt sich aber durch lang anhaltende Seriosität aus.  

VW Golf 2.0 TDI: Motor, Getriebe und Ausstattung

Für unseren Alltagstest wählten wir den stärkeren von zwei möglichen Dieselantrieben (der andere hat 85 kW bzw. 115 PS). Unser 2.0 TDI leistet 110 kW/150 PS und ist damit im aktuellen Motorenportfolio des Wolfsburgers noch am oberen Rand angesiedelt. (Fahrbericht VW Golf 8 GTI: Dieses Ausstattungsmerkmal darf natürlich nicht fehlen).

Der Diesel ist mit dieser Leistung aber auch durch und durch Mittelklasse und deshalb gewissermaßen perfekt für den Golf, der ansonsten in der zweithöchsten Ausstattungsvariante „Style“ vorfuhr, die bei der aktuellen Mehrwehrsteuer mit dem TDI ab 34.425 Euro in der Liste steht. Im Preis enthalten sind LED-Scheinwerfer, 17-Zoll-Felgen, Klimaautomatik, Nettigkeiten wie Ambiente-Licht innen, Stopp&Go-Funktion, Car2X-Kommunikation, allerlei Assistenten und jede Menge Konnektivität bis hin zum induktiven Laden passender Smartphones und ein 7-Gang-DSG-Getriebe.

VW Golf 2.0 TDI: Weniger Drehregler, mehr Digitalisierung

Reinsetzen und losfahren gelingt im Prinzip genauso gut wie bei allen Gölfen vorher auch, zumal die Sitze nahezu perfekt sind. Allerdings muss man sich erst ein wenig mit den Optionen der Digitalisierung beschäftigen und auch mit den diesbezüglichen Eigenarten, die sich Techniker und Designer zwecks Modernisierung ausgedacht haben. Während sich iPhone und Android-Handy zügig anschließen lassen, erfordert die Auswahl der passenden digitalen Anzeigen im Cockpit ein wenig mehr Beschäftigung mit den Möglichkeiten, als wir grundsätzlich aufbringen wollen. Das fängt schon mit der passenden Auswahl der Anzeige des digitalen Cockpits an.

Im Cockpit gibt es weniger Schalter als zuvor.

Neben dem einigermaßen klassischen Zweiuhrendesign nebst Zusatzinfos gibt es diverse Individualisierungsoptionen, die wir meisten eher für mittelsinnvolle Spielereien erachten. Das ist aber kein Problem des Golfs, sondern insgesamt eine gerade um sich greifende Unsitte. Der Verzicht auf einen Drehregler zur Änderung der Radiolautstärke zugunsten schicker, aber umständlicher Slider gehört ebenfalls zu diesen zweifelhaften Fortschritten.

Das Soundsystem von Harman/Kardon lässt sich über das Display schön konfigurieren.

Unbestrittener Fortschritt steckt dagegen unter der Haube. Der 2.0 TDI ist ein Sahnemotor und dank der neuerdings üblichen ausgeklügelten Abgasreinigung mit zwei AdBlue-Kats zudem noch ein sehr sauberer. Nach alter NEFZ-Norm verbraucht dieser Golf 3,7 Liter, im realistischeren WLTP-Zyklus sind es 4,4 Liter, die wir mit einem Testverbrauch von 4,5 Litern fast bestätigten. Tatsächlich zeigte der Bordcomputer auch nach sehr flotten Etappen mit gelegentlichem Erreichend der Spitzengeschwindigkeit von rund 225 km/h kaum einmal 5 Liter an. Gleichmäßige Landstraßenfahrt zeigte sogar Werte mit einer 3 vor dem Komma. Dabei macht das Getriebe seine Sache ausgesprochen gut, wenngleich noch immer beim Rangieren zum Parken ein sanfter Gasfuß erforderlich ist, weil der Kraftschluss recht abrupt kommt.  

VW Golf 2.0 TDI: Die technischen Daten

  • Fünftüriges, fünfsitziges Schrägheckmodell der Kompaktklasse
  • Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel
  • Leistung: 110 kW/150 PS
  • Max. Drehmoment: 360 Nm/1600–2750
  • 0-100 km/h: 8,8 s
  • Vmax: 223 km/h
  • Normverbrauch: WLTP 4,4 Liter/100 Kilometer
  • CO2-Ausstoß: 117 g/km
  • Abgasnorm: EURO 6d-TEMP-EVAP-ISC
  • Effizienzklasse: A+
  • Testverbrauch: 4,5 Liter/100 Kilometer
  • Preis: ab 34.425 Euro (in der Variante „Style“)

Ohne Fehl und Tadel ist die Fahrwerksabstimmung. Einerseits werden die Nachlässigkeiten deutschen Straßenpflege lässig und ziemlich unauffällig weggebügelt, andererseits bieten Federn und Dämpfer auch in schnellen Kurven ein souveränes Gefühl von Sicherheit, ohne dies mit unnötiger Härte zu erkaufen. Besser kann man das in diesem Segment nicht wirklich machen (Seat Leon: Als Kombi, als Gebrauchtwagen oder mit Super-Motorisierung als ST).  

Den Golf gibt es ab knapp 20.000 Euro. Unser Testexemplar lag schon ohne Extras knapp 15.000 Euro über dem Einstiegspreis. Dass gut ausgestattete Kompaktklasse-Fahrzeuge im Jahr 2020 schnell mal rund 40.000 Euro kosten können – bei den Premiummarken sogar noch mehr –, ist zwar keine neue Erkenntnis, verwundert uns aber doch jedes Mal wieder. (Von Günter Weigel/SP-X)

Rubriklistenbild: © VW

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