Leistung wie beim Vorgänger

VW Golf 8 GTI: Die Preise sind da und es gibt eine Überraschung

  • Jan Schmidt
    vonJan Schmidt
    schließen

VW bringt den neuen Golf 8 GTI und hat erstaunlicherweise nicht an der Leistungsschraube gedreht. Trotzdem macht der Kompaktsportler noch mal deutlich mehr Spaß. Jetzt sind auch die Preise bekannt.

  • Die achte Generation des Golf GTI steht ab Ende August beim VW-Händler
  • Unter der Haube des GTI steckt ein 245 PS starker 2,0-Liter-Turbo-Vierzylinder
  • Ein neuer Fahrdynamikmanager regelt Dämpfer und Differenzialsperre

Update vom 9. September 2020, 11:03 Uhr: Der neue Golf GTI ist ab sofort bestellbar. Aktuell ist er ab 37.607 Euro zu haben und kostet damit so viel wie der Vorgänger, was eine Überraschung ist. Aber: Die 37.607 Euro ergeben sich allerdings aus dem zurzeit niedrigeren Mehrwertsteuersatz. Ab 2021 sind statt 16 wieder 19 Prozent fällig. Der Preis steigt dann voraussichtlich auf 38.580 Euro. Vorerst gibt es den neuen GTI nur mit einem DSG. Ein Handschalter wird folgen. Dieser dürft dann um ca. 2.000 Euro günstiger sein.

Erstmeldung vom 6. August 2020: Wolfsburg – Kein Golf ohne GTI: Schon von der ersten Generation des Kompakten hatte VW 1976 eine Sportversion aufgelegt, die mit damals richtig starken 110 PS schnell zum Kundenliebling wurde. Statt der geplanten 5.000 wurden fast 500.000 Einheiten des Golf I GTI verkauft. Eine Erfolgsgeschichte, die sieben Generationen lang anhalten sollte – und die jetzt fortgeschrieben wird: Planmäßig steht ab Ende August der GTI 8 zum Preis von voraussichtlich rund 36.000 Euro beim Händler, den genauen Tarif will VW erst in den kommenden Wochen bekannt geben. (Neuer VW Caddy: Ist er der bessere Touran? Und billiger noch dazu)

Besonders markant sind die LED-Fünf-Punkt-Nebelscheinwerfer im Stoßfänger.

Wie gehabt setzt VW beim GTI auf eine leicht überarbeitete Optik. Neu ist der wabenförmige Lufteinlass in der Frontschürze, in den die Designer die LED-Fünf-Punkt-Nebelscheinwerfer integriert haben. Die sehen mit etwas Fantasie wie eine Zielflagge aus. Nicht fehlen darf der rote Akzentstreifen im breiten Kühlergrill, der jetzt von einer Lichtleiste flankiert wird, die die beiden LED-Scheinwerfer verbindet. Und natürlich gibt’s auch weiterhin das klassische GTI-Logo, dass jetzt allerdings etwas filigraner ausfällt. Der Schriftzug klebt wie gehabt auch am Kotflügel, am Heck ist er zukünftig prominent unter dem VW-Signet angebracht. Von hinten punktet der GTI mit zwei echten Endrohren und einem Spoiler. (Mann tauscht brandneuen Tesla gegen gebrauchten Golf – „Billigauto mit netter Technik“)

VW Golf GTI: Auch in der achten Generation nimmt man auf Karo-Sitzen Platz

Wie den normalen Golf gibt’s auch den knapp 4,30 Meter langen GTI nur noch als Fünftürer. Wer in Reihe eins einsteigt, betritt die neue VW-Welt mit kaum mehr echten Tasten, einem mindestens 8,25 Zoll großen Touchscreen-Infotainment inklusive Slider-Bedienung für Klimaanlage und Lautstärke, dem Sprachassistenten und digitalen Instrumenten. Für Letztere haben sich die Designer eine spezielle GTI-Grafik mit großem, mittigem Drehzahlmesser ausgedacht. Nicht fehlen dürfen selbstverständlich auch im Cockpit die roten Akzente und natürlich nimmt man auf klassischen Karo-Sitzen Platz. Vorne gibt es gut ausgeformte Sportsitze, aber auch hinten lässt es sich angenehm reisen. Der Kofferraum ist mit 380 bis 1.237 Litern genauso groß wie beim normalen Golf. (Test VW T-Roc Cabrio: Dieses 1000-Euro-Extra ist unnötig)

Auf dem digitalen Kombiinstrument ist der Drehzahlmesser mittig platziert.

Ein alter Bekannter steckt unter der Haube: VW vertraut beim neuen GTI auf den zwei Liter großen Vierzylinder-Turbobenziner, intern EA888 genannt, der schon dem Vorgänger Beine gemacht hat. Der wurde zwar in Sachen Abgasemission optimiert, an der Leistungsschraube haben die Niedersachsen aber nicht gedreht. Lediglich die ehemalige Performance-Variante wurde zum Standard: 180 kW/245 PS und 370 Newtonmeter Drehmoment liefert der Ottomotor im Idealfall ab und beschleunigt den Golf 8 GTI voraussichtlich wie den Vorgänger in 6,2 Sekunden auf Tempo 100. Auf Wunsch untermalt der direkt ansprechende Vierzylinder seine Arbeit mit kernigem Motorsound, der sich jedoch über die Fahrprofile beeinflussen lässt. (Škoda Octavia RS jetzt auch als Plug-in-Hybrid – doch die Elektrifizierung hat ihren Preis)

Der neue VW Golf GTI leistet 245 PS – wie der Vorgänger in der Performance-Version.

VW Golf GTI: Neuer Fahrdynamikmanager regelt Dämpfer und Differenzialsperre

Auch wenn der neue GTI Nr. 7 nicht davonfahren kann: Dass er im Fitnessstudio war, wird trotzdem deutlich. Die Ingenieure haben den Fahrdynamikmanager eingebaut, der das Zusammenspiel der adaptiven Dämpferregelung und der elektronischen Differenzialsperre XDS regelt, die einzelne Räder gezielt abbremst. Außerdem haben sie viel Fleiß in die Abstimmung des Unterbaus gesteckt und lange an Federn, Querlenkern und der Dämpferhydraulik gearbeitet. (VW Tiguan Facelift: Diese Extras sind ab jetzt immer serienmäßig)

Volkswagen
SitzWolfsburg
Gründung1937
ChefHerbert Diess
Bekannte ModellePolo, Golf, Tiguan, Passat
Verkaufte Fahrzeuge 20196,278 Millionen

Das Ergebnis ist ein beeindruckender Spagat: Bei hohem Tempo liegt der GTI deutlich stabiler auf der Straße als sein Vorgänger, bei niedriger Geschwindigkeit zeigt er sich agiler. Leichtfüßig tänzelt der Sport-Golf um die Kurve und lässt sich von der Progressivlenkung präzise dirigieren. Wer einen Vollkreis hinlegen will, muss nur 2,1 Umdrehungen am GTI-Sportlenkrad machen, um das Volant von Anschlag zu Anschlag zu zirkeln. Neben der direkten Lenkung unterstützt das elektrische Sperrdifferenzial an der Vorderachse die ambitionierte Kurvenhatz. (Volkswagen Arteon-Facelift: Neue Karosserievariante und Plug-in-Hybrid)

GTI-Erkennungszeichen am Heck ist die zweiflutige Abgasanlage.

Apropos Vorderachse: Die übernimmt auch weiterhin alleine die Kraftübertragung auf den Asphalt, Allradantrieb ist beim GTI tabu. Die Verwaltung der Kraft wiederum obliegt einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe oder einem Sechsgang-Handschalter. VW verspricht, dass die Automatik-Version die sportlichere ist – wer will, kann auch hier händisch über die Schaltpaddel in die Gangwechsel eingreifen. Auf den Verbrauch wirkt sich die Getriebewahl voraussichtlich nicht aus: Zwar gibt es noch keine konkreten Werte, doch dürften beide knapp unter dem Niveau des Vorgängers liegen, der sich im NEFZ-Test um die sechseinhalb Liter genehmigte. (Volkswagen strafft die Modellpalette: Welche Baureihen streicht Wolfsburg?)

Übrigens: Der GTI ist nur der erste von mehreren Sportmodellen. Schon bald reicht VW auch den Power-Diesel GTD und den Plug-in-Hybriden GTE nach. Und statt eines Performance-Modells steht eine voraussichtlich rund 300 PS starke GTI-TCR-Version in den Startlöchern. Und dann kommt ja auch noch der Golf R. Der fährt dann sicherlich wieder mit Allrad vor. (Von Michael Gebhardt/SP-X)

Rubriklistenbild: © Hersteller

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema