Teurer Lückenfüller

VW Golf GTI Clubsport: Lohnen sich die 3.000 Euro Aufpreis zum normalen GTI?

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Zwischen Golf GTI und Golf R presst Volkswagen mit dem Clubsport noch eine Zwischenvariante ins Portfolio. Im Alltag ist der Clubsport jedoch ein ganz normaler GTI – zumindest fast.

Wolfsburg – Bei Volkswagen hält so langsam das Porsche-Prinzip Einzug. Aus möglichst jeder Modellvariante wird das Beste und nicht zuletzt Ertragreichste herausgepresst und in Salamitaktik vorgestellt. Bestes Beispiel ist der neue VW Golf. Der ist nicht nur in den zahllosen bekannten Motorvarianten mit Diesel-, Benziner- oder Plug-in-Antrieb zu bekommen, sondern natürlich auch als Sportversion. Taten es hier lange Jahre ein bis zwei Versionen, so ist das Spektrum der Varianten mittlerweile deutlich breiter. Die Basis bildet der normale VW Golf GTI, der mit seinen 245 PS exzellente Fahrleistungen bei großem Alltagsnutzen bietet. Doch der GTI ist längst kein Einzelkämpfer mehr – selbst nicht beim noch jungen Golf der achten Generation. (VW-Boss Herbert Diess im Golf 8 GTI – Kritik im Netz: „Aus der Zeit gefallen“)

Denn es gibt als Topversion nicht nur den 320 PS starken VW Golf R, der als Vorteil den wirklich sinnvollen Allradantrieb in sich trägt, sondern auch den VW Golf GTI Clubsport. War der Namensannex bis vor wenigen Jahren markenübergreifend ein sicheres Anzeichen für echte Rennstreckengene, so ist das CS mittlerweile ein Ausrufezeichen hinten dem GTI-Signet, das selbst schon fast zur Submarke aufgestiegen ist. Der VW Golf GTI Clubsport ist ein nachgeschärfter GTI, dessen zwei Liter großer Turbovierzylinder eine nennenswerte Leistungsspritze auf 221 kW (300 PS) bekam. (VW Golf R: So schnell rennt die Topversion mit Performance-Paket)

VW Golf GTI Clubsport: Lohnen sich die 3.000 Euro Aufpreis zur Normalversion?

Damit kratzt er an der Tür zu den Allradversionen VW Golf R oder Audi S3 mit 320/310 PS und lockt die Interessenten mit einer Mischung aus Nachschlag und Imagegewinn. Statt der üblichen 370 Nm leistet der nachgeschärfte GTI Clubsport ein leicht erhöhtes Drehmoment von 400 Nm, das stetig zwischen 2.000 und 5.000 U/min zur Verfügung steht. Der stärkste aller Serien-GTIs ist er damit ganz nebenbei nicht. Die erste Clubsport-Version lockte 2016 mit 265 und einem kurzzeitigen Boost von 290 PS. Die auf 400 Fahrzeuge limitierte Sonderedition des GTI Clubsport S holte im gleichen Jahr mit ihren 228 kW (310 PS) seinerzeit den Rekord für frontgetriebene Fahrzeuge auf der Nordschleife des Nürburgrings mit einer Zeit von 7:49,21 Minuten. (Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic+: Nordschleifen-Rekord zurückgeholt – vorher hielt ihn ein ...)

Der VW Golf GTI Clubsport fährt in die Lücke zwischen normalem GTI und Golf R.

VW Golf GTI Clubsport: Der Zugewinn an Fahrspaß ist überschaubar

Spurtet der normale GTI mit seinen 245 PS und dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe aus dem Stand in 6,3 Sekunden auf Tempo 100 und wird bei 250 km/h eingebremst, so bietet der VW Golf GTI Clubsport nicht nur eine durchgehende LED-Lichtleiste vorn, rote GTI-Augenbrauen und einen vergrößerten Dachkantenspoiler nebst ovaler Endrohre, sondern auch etwas bessere Fahrleistungen. Da im Unterschied zum bis zu 270 km/h schnellen R-Golf jedoch beim Clubsport auch bei Tempo 250 abgeregelt wird und der Imagespurt mit 5,6 Sekunden zwar schneller, aber nahezu unbemerkt flotter stattfindet, ist der Zugewinn an Fahrspaß überschaubar. Das Fahrwerk ist straff bis hart – je nachdem, in welchem der Fahrprogramme man die Zügel lockerlässt. Dabei ist bereits die Gesamtabstimmung etwas straffer als beim GTI – auch weil der CS 15 Millimeter tiefer über dem Asphalt hängt. Wer besonders schnell unterwegs sein will, sollte sich seinen Individualmodul selbst kreieren: Motor, Getriebe und Lenkung spitz, Dämpfer weicher – das passt bestens. (VW ID.3 schlägt Golf 8 GTI im Sprint – Netz lästert über Werbevideo)

Wie beim normalen VW Golf GTI ist auch bei der Clubsport-Variante bei Tempo 250 Schluss.

VW Golf GTI Clubsport: Der Frontantrieb hat Mühe, die Leistung auf die Straße zu bringen

Die Rückmeldung der Vorderachse ist exzellent – die Lenkung nebst entsprechender Unterstützung ebenfalls. Doch die Antriebskräfte sind bei 300 PS und 400 Nm trotz elektronischer Quersperre eben noch etwas spürbarer. So hat der Clubsport – zugegeben auch wegen kühler Reifen und entsprechender Winterpneus – allemal Mühe, seine schäumende Leistung auch auf die Fahrbahn zu bannen. Klar dreht der Zweiliter-Turbo etwas williger, etwas bissiger nach oben. Aber muss es dafür ein Clubsport sein oder hätte es nicht auch ein normaler GTI getan? Der geneigte Kunde dürfte im Alltag Probleme haben, die Unterschiede abseits von optischen Dreingaben zu erfahren. Denn dazu ist die 245-PS-Version einfach zu gut, zu sportlich und zu hungrig, Kurven zu fressen und Kilometer zu verspeisen.

Die überschaubaren Unterschiede im Fahrbetrieb setzen sich im Innenraum fort. Die Sportsitze sind prächtig konturiert und bieten auch ohne die fehlende Oberschenkelauflage für groß gewachsene Insassen gute Langstreckenqualität. Wie schon beim normalen GTI bekommt der VW Golf GTI Clubsport jedoch deutliche Abzüge für die Bedienung. Die viel zu empfindlichen Sensortasten am Lenkrad sind nervig. Bei schneller Kurvenfahrt oder Unaufmerksamkeit rutscht man im frei konfigurierbaren Instrumentendisplay allzu schnell eine Menüstation zu weit, verpasst den Druckpunkt oder wechselt den Radiosender, wenn man das nicht will. Dass die Slider an der Unterseite des zentralen Multifunktionsbildschirms ebenso unbeleuchtet sind wie der für die Lautstärke, kann nur ein schlechter Witz sein. Und wenn das Bediensystem sich zum wiederholten Male mit einem schwarzen Bildschirm verabschiedet, wünscht man sich schneller als erwartet das alte System des Golf 7 zurück. (Mit 240 km/h: VW Golf 7 GTI haut vor Polizei ab – doch dann passiert das)

Schickes Interieur – doch die Bedienung im VW Golf GTI Clubsport macht Probleme.

VW Golf GTI Clubsport: Das Platzangebot ist für diese Klasse mehr als ausreichend

Das gilt aber nicht für das Platzangebot, denn im VW Golf GTI Clubsport haben allemal zwei Erwachsene und zwei Kinder Platz – mehr ist in dieser Klasse nicht zu machen. Der Laderaum – allemal praktikabel – und mit 380 Litern, die sich auf 1.270 Liter erweitern lassen, groß genug. Wie wäre es mit einer elektrischen Heckklappe? Die bieten selbst in der Kompaktklasse mittlerweile einige Wettbewerber an. Und wie bei einer Sitzheizung oder elektrischen Fensterhebern gilt: Wer diese einmal hatte, will eigentlich nicht mehr darauf verzichten.

Technische Daten VW Golf GTI Clubsport
Motor/Getriebe/Antrieb2,0-Liter-Vierzylinder, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb
Leistung/Drehmoment221 kW (300 PS) / 400 Nm ab 2.000 U/min
Vmax/0–100 km/h250 km/h / 5,6 Sekunden
Kofferraumvolumen380 / 1.270 Liter
CO2-Ausstoß151 g/km
Normverbrauch6,6 Liter / 100 km
Basispreis40.227 Euro

VW Golf GTI Clubsport: Eigentlich selbstverständliche Ausstattungsdetails kosten extra

Lohnt es nun, sich einen mindestens 40.227 Euro teuren VW Golf GTI Clubsport in die eigene Garage zu holen oder tut es auch der normale GTI? Die Wahl ist leichter, als man denken würde. Für alle, die einen kompakten Sportler mit dem GTI-Signet wollen, ist der 3.000 Euro günstigere Serien-GTI die bessere Wahl. Wer mehr will, sollte sich den VW Golf R gönnen, der nochmals 20 PS mehr bietet und zudem mit der obligatorischen Kombination aus Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb lockt. Preislich geht es jedoch von den rund 40.000 Euro noch ein gutes Stück nach oben. Denn so sinnvolle und für viele längst selbstverständliche Ausstattungsdetails wie Navigationssystem mit DAB und Smartphone-Ladeschale (1.033 Euro), Head-up-Display (682 Euro), Alarmanlage (341 Euro), Abstandstempomat (311 Euro), Einparkhilfe (565 Euro) oder die adaptive Fahrwerksregelung (1.018 Euro) kosten allesamt extra. Das meiste sollte bei einem derartigen Topmodell aber eigentlich serienmäßig sein. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

Rubriklistenbild: © VW

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