Kompakter Plug-in-Hybrid

Neuer VW Golf GTE: Ordentliche E-Reichweite – doch die Ladezeit ist einfach heftig

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Volkswagen elektrifiziert seine Modellpalette – und macht auch vor dem neuen Golf nicht Halt. Hier haben die Hybridfans zukünftig die Qual der Wahl zwischen GTE und eHybrid.

  • Im Golf GTE kombiniert Volkswagen einen 1,4-Liter-Vierzylinder-Benziner mit einem E-Motor
  • Die rein elektrische Reichweite gibt der Autobauer mit mehr als 60 Kilometern an
  • Für das Aufladen des 13-kWh-Akkus braucht der VW Golf GTE allerdings extrem lang

Wolfsburg – Die Leistungsdaten der beiden neuen Plug-In-Hybriden in der noch jungen Golf-Familie lesen sich erst mal beachtlich: Bereits der VW Golf eHybrid leistet 150 kW (204 PS) und ein maximales Drehmoment von 350 Nm. Das ist das Niveau des bisherigen Golf GTE. Der dreht in der achten Golf-Generation so richtig auf und lockt mit 180 kW (245 PS) und 400 Nm – Augenhöhe mit dem Basis-GTI. Und immer wieder weist Volkswagen mit einem Augenzwinkern auf die Nähe zu Ikone und Imageträger Golf GTI hin. (Fahrbericht VW Golf 8 GTI: Dieses Ausstattungsmerkmal darf natürlich nicht fehlen) Doch wer meint, dass er mit dem VW Golf GTE einen echten Sportler bewegt, der irrt sich, denn der Unterschied zum auf dem Papier identisch starken Golf GTI ist auf der Straße mächtiger denn je.

VW Golf GTE: 1,4-Liter-Vierzylinder mit zusätzlichem Elektromotor

Der Grund liegt in dem Verbrennertriebwerk des Kompaktwagens, denn während der Golf GTI vom bekannten Zweiliter-Turbo-Vierzylinder angetrieben wird, muss der Golf GTE seine Leistung aus einem 1,4 Liter großen Turbomotor schöpfen, der von einem 95 PS (kurzzeitig 110 PS) starken Elektromotor zugegeben stimmungsvoll unterstützt wird. Keine Frage, dass sich der neue VW Golf GTE allemal sportlich bewegen lässt. Er startet nach dem Druck auf den Taster an der Mittelkonsole elektrisch und lockt laut Datenblatt mit einer rein elektrischen Reichweite von knapp über 60 Kilometern.

Im Golf GTE kombiniert Volkswagen einen 1,4-Liter-Vierzylinder-Benziner mit einem E-Motor.

Wer Fahrspaß will, sollte den Elektromodus jedoch außen vorlassen und auf dem Touchscreen direkt den Hybridmodus ansteuern. Dann wird der Großteil der Arbeit von besagtem Vierzylinder-Turbo mit allerdings recht überschaubaren 1,4 Litern Brennraum erledigt. Auf dem Bildschirm lässt sich wie bei bekannten Plug-In-Hybriden verfolgen, wie der Kraftfluss sich seinen Weg zwischen Verbrenner, Doppelkupplungs-Getriebe mit Elektromotor und Vorderachse bahnt. Bei entsprechend fordernden Leistungsabfragen springen beide Motoren in Sekundenbruchteilen gemeinsam in die Bresche und pressen so die insgesamt 245 PS und 400 Nm aus dem Antriebsstrang, der aus einem 13-kWh-Akkupaket im Hinterwagen seine Zusatzleistung bekommt. (Volkswagen: Das meistverkaufte Modell ist kein Golf und kein Polo, sondern die ...)

Das Laden des VW Golf GTE dauert – über dreieinhalb Stunden für etwa 50 Kilometer Reichweite.

VW Golf GTE: 150 Kilogramm schwerer als ein GTI

Der 4,29 Meter lange VW Golf GTE spurtet, rennt und läuft – alles in Ordnung und alles wirklich flott. Doch von sportlich kann gerade dann keine Rede sein, wenn man mal den VW Golf GTI gefahren ist, der mit seinen 245 Basis-PS noch jede Menge Leistung nach oben bietet. Das zwei Liter große Turbotriebwerk mit der internen Bezeichnung EA888 ist mit seiner Leistung bei Weitem nicht am Limit – der kleine 1,4-Liter-Motor des Golf GTE mit seinen 150-Verbrenner-PS hat unter Last dagegen deutlich zu kämpfen.

Zudem tut sich die Vorderachse schwerer, die Leistung auf den Boden zu bringen und ganz nebenbei hat der 1.624 Kilogramm schwere Golf GTE mit dem zusätzlichen Elektromotor und dem Akkupaket zwar Vorteile bei der Gewichtsverteilung, aber schlicht und einfach mehr als 150 Kilogramm mehr auf den Rippen. Und das ist einfach Speck, der beim dynamischen Fahren allemal wehtut. Der Golf GTE ist eben kein Sportler und schon gar kein GTI mit Stecker. Daran ändert auch die elektronische Differenzialsperre nichts, die gerade für zusätzliche Traktion in Kurven und engen Kehren sorgt.

VW Golf GTE: Die Ladezeit ist länger als lang

Anders sieht es jedoch aus, wenn man den VW Golf GTE nicht allzu sportlich rannimmt und keinen Gedanken an den großen Schatten GTI verschwendet. Denn dann kann der 1,4 Liter große Turbobenziner mit Unterstützung des 70 Kilowatt starken Elektromotors, der winzig klein im Doppelkupplungsgetriebe versteckt ist, allemal überzeugen. Von null auf Tempo 100 in 6,7 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von immerhin 225 km/h sind dynamische Werte und ein Normverbrauch von 1,7 Litern Super auf 100 Kilometer ist allemal eine Versuchung. Eine Versuchung, wenn man das Akkupaket vor der Fahrt vollgeladen hat. Das dauert mit 3 Stunden und 40 Minuten (an Ladesäule oder Wallbox) jedoch länger als lang für eine Reichweite, die in der Realität kaum nennenswert über 50 Kilometern liegt. Eine Schnellladefunktion ist nicht vorhanden. Die Steckdose befindet sich vorne links im Kotflügel.

Technische Daten VW Golf GTE
Motor/Getriebe/Antrieb1,4-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit E-Motor, Sechsgang-DKG
Leistung/Drehmoment180 kW (245 PS) / 400 Nm
Vmax/0–100 km/h225 km/h / 6,7 s
Leergewicht1.624 kg
CO2-Ausstoß38 g/km
Basispreis41.667 Euro

VW Golf GTE: Das kostet der Wolfsburger Plug-in-Hybrid

Bleibt die Frage, ob es für die meisten Interessenten nicht doch der kleine Bruder VW Golf eHybrid tut, der zwar nicht den pseudosportlichen Namen GTE und die Insignien des GTI in Blau trägt. Denn seine Fahrleistungen sind allemal dynamisch genug und er schafft mit seinem ebenfalls 13-kWh-Akkupaket eine rein elektrische Fahrstrecke von guten 80 Kilometern. Die Gesamtreichweite liegt daher bei stattlichen 870 Kilometern – das ist Dieselniveau (VW Golf 2.0 TDI: Wenig zu meckern, aber mit zweifelhaften „Modernisierungen“). Das gilt auch für den Golf GTE, der immerhin 745 Kilometer weit fahren kann, ohne nachzutanken. Vielleicht macht am Ende doch der Preis die Musik. Während der VW Golf eHybrid bei 39.781 Euro startet, kostet der Golf GTE mindestens 41.667 Euro. (Stefan Grundhoff / press-inform)

Rubriklistenbild: © Volkswagen

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