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VW Arteon R Shooting Brake im Test: 270 km/h Spitze – doch der Spaß hat seinen Preis

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Von: Sebastian Oppenheimer

Mit der R-Sportversion kratzt der VW Arteon Shooting Brake endgültig an der Tür zur Premiumliga – leider auch in Sachen Preis.

Wolfsburg – An sich hatten es sich die Volkswagen-Techniker vor vier Jahren noch eine ganze Ecke bulliger vorgestellt, denn in der Entwicklung hatten die R-Varianten des VW Arteon nicht nur den bekannten Vierzylinder-Turbo vom Typ EA 888 aus Golf, Tiguan und Co., sondern ein bis zu 380 PS starkes Sechszylindertriebwerk mit Aufladung. Doch die Kosten waren angesichts der erwartet überschaubaren Absatzmenge zu groß und so wurde der sonor bollernde Sechszylinder doch noch gestrichen und der Arteon R ist als Limousine und Shooting Brake gleichermaßen mit dem Antrieb wie der VW Golf R unterwegs. Dabei ist es nicht so, dass der 4,87 Meter lange Arteon R an anhaltender Leistungsschwäche leiden würde, doch vier und sechs Zylinder fahren eben nicht in der gleichen Liga. Dabei hätte es dem Arteon schon aus Gründen der Abgrenzung zum technisch nahezu identischen Passat gutgetan, hier ein Plus an Antriebsleistung und Image verabreicht zu bekommen; auch um gekonnt gegen die Konkurrenz von Audi, BMW oder Mercedes antreten zu können.

Fahraufnahme eines VW Arteon Shooting Brake

Angedacht war beim VW Arteon R Shooting Brake ein Sechszylinder – am Ende wurden es zwei Töpfe weniger. © Volkswagen

VW Arteon R Shooting Brake im Test: Freie Fahrt bis 270 km/h – doch der Preis ist happig

So müssen bekannte 235 kW (320 PS) und 420 Nm maximales Drehmoment ab 2.000 Touren reichen, um für Angst und Schrecken auf der linken Spur der Autobahn zu sorgen. Der Vierzylinder trägt wie schon bei den Schwestermodellen Tiguan R und Golf R je nach angewähltem Fahrprogramm nicht allzu dick auf. Das gilt für die Technik ebenso wie für die Optik, denn die obligatorisch allradgetriebene R-Variante ist vom normalen Arteon mit dem begehrten R-Designpaket kaum zu unterscheiden – auch weil spezielle Karosserieteile wie ausgestellte Kotflügel oder Spoilerwerk fehlen. Dabei sollte man sich vom subjektiven Ersteindruck jedoch nicht allzu sehr täuschen lassen, denn so unspektakulär der Arteon Shooting Brake als Familienkombi unterwegs ist, so schnell ist er in Wirklichkeit. (Bevorstehendes Verbrenner-Verbot? Mehrheit der Deutschen lehnt Forderung der Grünen ab)

Fahraufnahme eines VW Arteon R Shooting Brake

Optisch lässt sich der VW Arteon Shooting Brake in der R-Version kaum vom R-Designpaket unterscheiden. © Volkswagen

VW Arteon R Shooting Brake im Test: Die Lenkung ist fein abgestimmt

Dabei ist die Lenkung gerade für ein frontantriebsgeneigtes Fahrzeug fein abgestimmt und das Paket aus Federn und Dämpfern passt ebenso gut zum sportlichen Anspruch des Arteon R. Im Normalbetrieb wird der Arteon nahezu komplett über die Vorderachse angetrieben und verteilt je nach Fahrprogramm und Untergrund bis zu 50 Prozent der allemal üppigen Motorleistung an die Hinterachse. Immerhin gibt es eine besonders fahraktive Hinterachse mit einem Torque-Splitter-Differenzial. Die macht sich im Fahrbetrieb und gerade am Steuer anwählbaren R-Sportmodus allemal positiv bemerkbar. Hier kann in engen Kehren bei Bedarf die komplette Leistung an das kurvenäußere Rad abgegeben werden. So fährt sich der 1,8 Tonnen schwere Allradler eine Klasse agiler, als man es erwarten würde. (VW-Diesel-Skandal: Volkswagen fordert Schadenersatz von Winterkorn und Stadler)

Technische Daten VW Arteon R Shooting Brake
Motor/Getriebe/Antrieb2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner,
Leistung/Drehmoment233 kW (320 PS) / 420 Nm ab 2.000 U/min
Vmax/0–100 km/h270 km/h / 4,9 s
Leergewicht1.793 kg
Laderaum565 Liter
Normverbrauch9,0 l/100 km
CO2-Ausstoß203 g/km
Basispreis63.980 Euro

VW Arteon R Shooting Brake im Test: Von 0 auf 100 km/h in 4,9 Sekunden

Der EA-888-Evo4-Motor ist wie bei den anderen Modellen aus dem Volkswagen-Konzern mit dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe kombiniert, dass gut zum munteren Zylinderquartett passt. Der Vierzylinder hängt gut am Gas und dreht willig hoch – kräftig ist er allemal, aber eben kein Triebwerk, das einen aus dem wohl anliegenden Sportsitz hauen würde. Wer mag, kann über die Schaltpedale am griffigen Sportlenkrad manuell in die Gangwechsel eingreifen. Laune macht dies jedoch allenfalls auf kurvigen Landstraßen, wenn man vor einer Kurve die Annehmlichkeiten einer frühzeitigen Motorbremse nutzen will und Spaß daran hat, den Motor beim Beschleunigen etwas höher als im Automatikmodus drehen zu lassen. Aus dem Stand geht es in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 und wer meint, dass bei 250 km/h Schluss mit lustig wäre, sieht sich angenehm getäuscht. Der VW Arteon R läuft über 270 km/h schnell. Dabei sorgt speziell die 18 Zoll große Bremse an der Vorderachse dafür, dass der Familienkombi mit dem R im Namen überaus kraftvoll verzögert. (VW Arteon Shooting Brake im Fahrbericht: „Gott sei Dank keine Regenrinne“)

Blick in den Innenraum eines VW Arteon R Shooting Brake

In der Basis kostet der VW Arteon R Shooting Brake 63.980 Euro. © Volkswagen

VW Arteon R Shooting Brake im Test: Das kostet der Wolfsburger Edel-Kombi in der Basis

Auch wenn sich der Arteon mit dem verklausulierten Begriff Shooting Brake umgibt, er ist ein Kombi und zwar einer, der im Alltagsbetrieb allemal praktisch ist. Sein Ladevolumen liegt zwischen 565 und 1.632 Litern und so kann der sportlichste aller Arteons einiges an Gepäck oder Freizeitgut mitnehmen.

Die Serienausstattung des VW Arteon R Shooting Brake ist mit LED-Licht, sportlichen Teilledersitzen sowie allerhand Sicherheits- und Komfortdetails umfangreich, doch der Preis präsentiert sich mit 63.980 Euro mehr als stattlich. Dafür gibt es auch schon ein BMW M 440i Gran Coupé xDrive mit einem prächtigen 326-PS-Reihensechszylinder und zugegeben etwas schlechterer Ausstattung. Selbst der 347 PS starke Audi S5 Sportback – ebenfalls mit sechs Zylindern, Allradantrieb und einem Powerdiesel unter der Haube – kostet nur 67.900 Euro. Da wird einem der Arteon R ganz schön teuer – nicht nur, wenn man an Image und Wiederverkauf denkt. (Stefan Grundhoff / press-inform)

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