1. 24auto
  2. Tests
  3. Fahrbericht

Volvo XC60 T6 Recharge: Der Plug-in-Hybrid kann überzeugen – – aber nicht in jeder Disziplin

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sebastian Oppenheimer

Der Volvo XC60 muss die deutsche Konkurrenz im Premium-Segment nicht fürchten. Seine Plug-in-Hybrid-Variante bringt allerdings auch den ein oder anderen Nachteil mit sich.

Göteborg – Mit dem XC60 ist Volvo hierzulande tief in die Domäne von Audi und BMW vorgedrungen. Zumindest was die Zulassungszahlen angeht, fährt der Schwede mittlerweile in ähnlichen Sphären wie die beiden deutschen Platzhirsche. Zu den Gründen für den Erfolg dürfte ebenfalls das frühe und konsequente Setzen auf den Plug-in-Hybridantrieb gehören – obwohl die E-Technik auch bei dem Mittelklasse-SUV ihre Tücken zeigt. 

Volvo XC60 T6 Recharge: Der Plug-in-Hybrid-Antrieb überzeugt – aber nicht in jeder Disziplin

Der optische Auftritt gelingt dem Volvo zunächst einmal vollkommen überzeugend. Das aktuelle Karosseriedesign steht dem eleganten SUV ausgenommen gut und lässt es bei aller Größe nicht klotzig wirken. Innen setzt sich der elegante Eindruck fort: Klares Design trifft dort auf sehr gute Verarbeitung und wertige Materialien. Auch die Ergonomie und nicht zuletzt Zahl, Größe und Verteilung der Ablagen stimmen. Die Bedienbarkeit des Infotainmentsystems fällt da im Vergleich leicht ab – der per Wisch- und Tippbewegungen steuerbare Touchbildschirm benötigt häufig zu viel Aufmerksamkeit, die man besser dem Verkehr widmen sollte. (Volvo sauer: Heico bietet Aufhebung des 180-km/h-Limits an – „nicht dazu autorisiert“)

Fahraufnahme eines Volvo XC60 T6 Recharge

Der Volvo XC60 T6 Recharge kombiniert einen 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit einem Elektromotor. © Volvo

Volvo XC60 T6 Recharge: Viele Assistenzsysteme und jede Menge Platz im Innenraum

Immerhin fängt der Volvo viele mögliche Risiken weit im Vorfeld ab, wartet er doch mit einem sehr gut funktionierenden und vor allem meist unauffälligen Assistenten-Angebot auf. Viele Helfer sind dem Anspruch der Marke und der Preisklasse entsprechend schon im Basismodell an Bord, Aufpreis kosten Parksensoren und Rundumsicht-Kamera. Die allerdings kann man in dem fast 4,70 Meter langen und 2,13 Meter breiten Fünftürer wirklich gut gebrauchen. Auch weil die massiven Dachsäulen die Rundumsicht zusätzlich behindern. 

Platz bietet der Volvo XC60 in Hülle und Fülle. Dem Fünfsitzer kommt dabei zugute, dass er auf der üppigen Plattform der Businesslimousine S90 basiert, was vor allem die Fondpassagiere spüren. Beziehungsweise gerade nicht, denn für Knie, Schultern und Kopf steht viel mehr Raum zur Verfügung als ihn selbst hochgewachsene Skandinavier bräuchten. Der Kofferraum hält da mit: Bis zu 1.410 Liter bei umgeklappter Rückbank, sagt der Hersteller, passen theoretisch rein. Dem Nutzer fällt auch praktisch kaum eine Gelegenheit ein, für die der Kofferraum nicht dicke reichen sollte. (Volvo XC40 Recharge P8 AWD: Als E-SUV knackt es diese heftige PS-Zahl)

Blick in den Innenraum eines Volvo XC60

Innen bietet der Volvo XC60 jede Menge Platz. © Volvo

Volvo XC60 T6 Recharge: Strom tanken dauert wegen des Bordladers rund drei Stunden

Ein so großes Auto mit diesem Komfortniveau braucht Energie. Dank Vierzylindermotoren und zahlreichen Detail-Kniffen hat Volvo den Bedarf seiner Modelle in den vergangenen Jahren stark gedrückt – allerdings vor allem in der Theorie. In der Praxis lassen sich zwei Tonnen Gewicht und hoher Windwiderstand nicht wegrechnen. Das gilt auch bei den noch relativ neuen Plug-in-Hybriden. Auch weil Volvo sie, wie in dieser Klasse üblich, in den oberen Leistungs- und Preisregionen des Modellportfolios angesiedelt hat. Der getestete Volvo XC60 T6 Recharge AWD kommt auf üppige 251 kW (340 PS). 

Für den Verbrauch ergibt sich ein geteiltes Bild. Nutzt man wie vorgesehen für Kurzstrecken in der Stadt den reinen E-Antrieb an der Hinterachse, kommt man mit rund 24 kWh pro 100 Kilometer aus. Allerdings reicht der kleine Akku maximal für gut 40 Kilometer. Danach muss man laden, was allerdings ausschließlich an der Wechselstromdose geht und aufgrund des schwachen Bordladers (3,7 kW) auch rund drei Stunden dauert. Bei einem Einkauf oder einem Kaffeestopp kommen aber nur ein paar Kilometer zusammen – im Zweifel spart man sich das Kabel-Gefummel lieber.

Ein Volvo XC60 T6 Recharge

Das Laden Volvo XC60 T6 Recharge dauert wegen des schwachen Bordladers rund drei Stunden. © Volvo

Volvo XC60 T6 Recharge: Auf der Autobahn schießt der Verbrauch schnell in die Höhe

Alternativ fährt man im Benziner- beziehungsweise Hybridantrieb weiter, wo der Volvo dann im Stadt- und Landstraßenverkehr gute sieben Liter benötigt. Soll es jedoch auf die Autobahn gehen, steigt der Verbrauch schnell auf acht Liter und mehr. Schon wer sich leicht oberhalb der Richtgeschwindigkeit bewegt, muss mit zweistelligen Werten rechnen. Dabei sprechen wir aber nicht von Volllastfahrten, sondern von erhöhter Reisegeschwindigkeit, wie sie nicht unüblich ist. (Schwere SUV als Plug-in-Hybride – Reinfall oder günstiger Kompromiss?)

Unter Klima-Gesichtspunkten lohnt sich der Plug-in-Hybrid also nur bei regelmäßigem Laden – in der Praxis müsste er wohl an jedem Werktag mindestens einmal an den Strom, sodass eine Wallbox in der Garage oder auch am Arbeitsplatz nötig ist. Und zwar mit möglichst grünem Strom – denn der Bedarf ist selbst im Stadtverkehr relativ hoch. Hinsichtlich der Energiekosten wäre man aktuell mit einem Diesel wohl besser bedient.

Technische Daten Volvo XC60 T6 Recharge
Motor/Getriebe/Antrieb2,0-Liter-Vierzylinderbenziner plus Elektromotor, Achtgang-Automatik, Allradantrieb
Systemleistung / Systemdrehmoment251 kW (340 PS) / 590 Nm
Vmax/0–100 km/h180 km/h / 5,9 s
Länge/Breite/Höhe4,69 / 1,90 / 1,66 Meter
Ladevolumen505 – 1.432 Liter
Normverbrauch2,8 Liter / 100 km
CO2-Ausstoß64 g/km
AbgasnormEuro 6d
Basispreis67.600 Euro

Volvo XC60 T6 Recharge: Das kostet das schwedische Plug-in-Hybrid-SUV

Allerdings rechnet sich der Volvo XC60 T6 Recharge AWD dank des Umweltbonus und der Erleichterungen bei der Dienstwagen-Besteuerung in vielen Fällen doch. Dazu kommen sehr gute Fahrleistungen, selbst bei leerer Batterie spurtet der Volvo vehement los, bei vollem Akku bietet er gar sportwagenhafte Sprintzeiten. Gepaart mit dem komfortabel abgestimmten Fahrwerk und der leichtgängigen Lenkung ergibt das charakterlich einen souveränen Reise- und Familienwagen, der der deutschen Konkurrenz in nichts nachsteht. Der Preis für das große SUV ist allerdings ebenfalls groß: 67.600 Euro kostet die günstigste Variante des T6. Wer auf einen der konventionellen Antriebe setzt, muss gut 20.000 Euro weniger investieren. (Von Holger Holzer/SP-X)

Auch interessant