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Volvo XC60 Recharge T8 im Test: Gelungene Modellpflege mit zwei kleinen Schwächen

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Von: Sebastian Oppenheimer

Volvo hat seinem Erfolgsmodell XC60 ein Facelift spendiert. Wir sind das Schweden-SUV in der Plug-in-Hybrid-Version Recharge T8 gefahren.

Göteborg – Volvo überarbeitet sein wichtigstes Modell, den XC60. Seit Jahren ist der schicke Schwede eines der erfolgreichsten Mittelklasse-SUV in der europäischen Premiumliga. Allerdings haben ihm die Volvo-Verantwortlichen noch die Flügel gestutzt, denn bei 180 km/h wird seit einige Zeit elektronisch abgeregelt. Doch da die Volvo-Kunden kaum für ihren besonders sportlichen Anspruch und eine entsprechende Fahrweise bekannt sind, hat das dem Erfolg der Modelle keinen Abbruch getan. Das wird sich mit der aktuellen Modellpflege des Volvo XC60 kaum ändern, denn abgesehen von der allzu frühen Einbremsung bei Tempo 180 und einem leicht angestrengten Motorklang bei hohen Drehzahlen ist dem Skandinavier kaum etwas vorzuwerfen. Wieso die Bezeichnung „Polestar Engineered“ als sportliche Topversion 15 PS und seinen Namen beisteuert, bleibt eher ein Geheimnis. (Tempolimit 180 km/h: Auch Renault will abregeln – deutscher Auto-Boss mit Ankündigung)

Ein Volvo XC60 Recharge T8 Polestar Edition
Trotz üppiger Leistung ist auch der Volvo XC60 Recharge T8 Polestar Edition bei 180 km/h abgeregelt. © press-inform

Volvo XC60 Recharge T8 im Test: Gelungenes Paket mit zwei kleinen Schwächen

Besonders auffälliges ist Modellpflege nicht. Wichtig ist jedoch die neue Elektronikplattform, mit der nach dem Volvo XC40 (hier geht’s zum Fahrbericht der Elektro-Version) nunmehr auch der große Bruder unterwegs ist. Optisch zeigen sich obendrein leichte Retuschen an Kühlergrill, Frontschürze, Heck und Alufelgen – innen geben neue Displays, eine einfachere Bedienung und die Einbindung von Android Automotive als Betriebssystem den Ton an. Der XC60 lässt sich damit so einfach bedienen wie das eigene Smartphone – kennt man bestens von Polestar 2 und dem XC40 – nun eben auch eine Nummer größer und allemal überzeugend. Navigation, Sprachbedienung und die noch etwas spärlichen Apps führen als kleine Hilfsprogramme durch den Alltag – klappt alles prima und einfacher als bei den meisten Wettbewerbern.

Ein Volvo XC60 Recharge T8 Polestar Edition
Der Volvo XC60 Recharge T8 Polestar Edition leistet 405 PS und üppige 670 Nm maximales Drehmoment. © press-inform

Volvo XC60 Recharge T8 im Test: Die Bedienung ist jetzt einfacher

Gewohnt wertig und schick ist der 4,69 Meter lange Volvo XC60 im Innern. Vielfältig verstellbare Ledersitze mit viel Kontur und jeder Menge Langstreckenkomfort lassen den Schweden auch auf langen Passagen bestens dastehen. Der Fahrer freut sich ebenso wie der Copilot nicht nur über die einfachere Bedienung, sondern auch darüber, dass der große dunkle Kunststoffklotz hinterm Innenspiegel zwei Nummern kleiner geworden ist, weil der Radarsensor sich wieder in den Kühlergrill verzogen hat. Dazu farblich abgesetzte Gurte in schickem Schweden-Gelb – sieht nicht nur in einem Sportwagen klasse aus, sondern passt auch in ein Mittelklasse-SUV. Das XC60-Platzangebot ist nicht opulent, aber in Ordnung für diese Liga. Das sieht mit der Zuladung nicht ganz so aus, denn aufgrund seines stattlichen Leergewichts von mehr als 2,2 Tonnen darf der schwedische Allradler gerade noch 435 Kilogramm mitnehmen. Das stört mehr als das Ladevolumen hinter der elektrischen Heckklappe, das mit 483 Litern für die meisten Transporte reicht. Und wer mehr braucht, klappt die Rücksitze um und lädt durch. (Polestar 2 im Test: Das unterscheidet das E-Auto von VW, Audi und Co.)

Ein Volvo XC60 Recharge T8 Polestar Edition
Auch nach der Modellpflege unverkennbar ein Volvo XC60 © press-inform

Volvo XC60 Recharge T8 im Test: Bei Tempo 180 ist Schluss

Der aufgeladene Zweiliter-Vierzylinder des Volvo XC60 Recharge T8 wird von einem 87 PS starken Elektromotor an der Hinterachse unterstützt und die Motorleistung steigt mit einer kleinen Vitaminspritze von Polestar auf 298 kW / 405 PS und üppige 670 Nm maximales Drehmoment. Da wäre eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h kaum ein Problem, doch allzu früh fährt der Volvo XC60 Recharge T8 auch mit dem Polestar-Paket bei knapp über 180 km/h in den Begrenzer. (Tempolimit 120 auf Autobahn: Wie die Chancen dafür wirklich stehen)

Das machen seine Wettbewerber Audi Q5, BMW X3, Mercedes GLC oder Jaguar F-Pace besser, werden als Hybridversion jedoch ebenfalls nur noch vier Zylindern befeuert. Die Abstimmung des Fahrwerks gefällt. Doppelquerlenker-Vorderradaufhängung und Integral-Hinterachse aus Verbundmaterial werden in der Topausstattung von einem adaptiven Luftfahrwerk mit aktiver Dämpfersteuerung unterstützt. Im Komfortbereich dürfte der Schwede gerade mit seinem 21-Zoll-Radsatz etwas feinfühliger und kommoder sein. Hier glänzt die Optik auf Kosten des Federniveaus. (Kein Scherz: Gebrauchter Volvo V70 für 17 Millionen Euro – wertvolles Detail ist der Grund)

Ein Blick auf den Infotainment-Bildschirm des Volvo XC60 Recharge T8 Polestar Edition
Die Bedienung im Volvo XC60 Recharge T8 Polestar Edition klappt problemlos. © Volvo

Volvo XC60 Recharge T8 im Test: Der Motor klingt unter Last angestrengt

Unter Last bleibt es dabei – der Motorklang ist angestrengt und mag nicht zu einem Premium-SUV passen. Denn fraglos ist genau das der Volvo XC60 T8, der in der Topausstattung über 80.000 Euro kostet und mit ein paar weiteren Annehmlichkeiten über 95.000 Euro teuer wird. Und selbst die schwächere T6-Variante startet gut ausgestattet bei 67.600 Euro. Doch der Schub, den der Turbovierzylinder und das Elektromodul mit seinen 65 kW / 87 PS und 240 Nm bieten, ist mächtig und im normalen Fahrbetrieb bekommt man vom angestrengt tönenden Zylinderquartett nichts mit. Auch deshalb nicht, weil gerade bei langsamen oder mittleren Tempi je nach angewähltem Fahrmodus der Elektromotor den Großteil der Antriebsleistung übernimmt und den Verbrenner oftmals arbeitslos macht. Der Normverbrauch: 3,3 Liter und in drei Stunden ist das Akkupaket mit seinen 11,6 kWh wieder erstarkt.

Technische Daten Volvo XC60 Recharge T8 Polestar Engineered
Motor/Getriebe/AntriebTurbovierzylinder + E-Motor / Achtgangautomatik / Allrad
Leistung/Drehmoment298 kW (405 PS) / 670 Nm
Vmax/0–100 km/h180 km/h / 5,2 s
Länge/Breite/Höhe4.688 / 1902 / 1653 mm
Leergewicht2.225 kg
Ladevolumen483 Liter
Normverbrauch3,3 l/100 km
CO2-Ausstoß73 g/km

Volvo XC60 Recharge T8 im Test: Förderung in Gefahr

Leider hapert es jedoch an der elektrischen Reichweite, denn die in Aussicht gestellten 45 bis 47 Kilometer reichen nur noch dieses Jahr, um gefördert zu werden. Die volle Förderung für einen Plug-in-Hybrid gibt es ab Anfang 2022 nur noch dann, wenn das im Unterboden verbaute Akkupaket mindestens eine elektrische Reichweite von 60 Kilometer schafft. Da müssen einige der aktuellen Modelle die Waffen strecken und dazu gehört ab Januar 2022 auch der Volvo XC60 Recharge in seinen drei Leistungsstufen. Daher besser noch in diesem Jahr zugreifen und hoffen, dass die anhaltende Halbleiterkrise, die die meisten Autohersteller im Griff hat, einer Auslieferung bis Jahresende nicht entgegensteht. Wäre schade drum, denn der Volvo XC60 ist nach der jüngsten Modellpflege das, was er schon immer war: eines der besten SUV der Premiumliga. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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