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Volvo V90 Recharge T6 im Test: Wird er den deutschen Business-Kombis gefährlich?

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Von: Sebastian Oppenheimer

Volvo will elektrisch werden und ersetzt seine Dieselmodelle sukzessive durch Plug-in-Hybride. Das gilt natürlich auch für den Business-Kombi Volvo V90.

Göteborg – Ja, es gibt sie bei Volvo noch, die Dieselmodelle. Auch der V90 – Konkurrent von Audi A6, BMW 5er oder Mercedes E-Klasse – ist nach wie vor als Diesel im Programm. Deutlich wichtiger werden für die Schweden jedoch Plug-in-Hybride, die wie bei den meisten anderen Herstellern auch eine Übergangslösung sind, bis man das Modellportfolio komplett elektrifiziert hat. Hier ist für Geschäftskunden insbesondere der Volvo V90 Recharge T6 interessant, dessen zwei Liter großer Vierzylinder-Benziner mit 186 kW/253 PS/350 Nm von einem Elektromotor unterstützt wird, der weitere 65 kW/87 PS/240 Nm beisteuert, sodass die Gesamtleistung bei 250 kW/340 PS und 590 Nm maximalem Drehmoment liegt. (Volvo XC60 Recharge T8 im Test: Gelungene Modellpflege mit zwei kleinen Schwächen)

Fahraufnahme eines Volvo V90 Recharge T6 AWD
Der Volvo V90 Recharge T6 AWD ist ein Plug-in-Hybrid mit einer Gesamtleistung von 250 kW / 340 PS. © Volvo

Volvo V90 Recharge T6 im Test: Wird er den deutschen Business-Kombis gefährlich?

Aktuell noch ausreichend ist die rein elektrische Reichweite von 57 Kilometern, die ab 2022 jedoch Probleme bereitet, denn ab 1. Januar gibt es den vollen Hybridzuschuss nur dann, wenn das Fahrzeug rein elektrisch mehr als 60 Kilometer ohne Nachladung zurücklegen kann. 2024 wird der Wert auf eine Mindestdistanz von 80 Kilometern erhöht. Hierfür reicht das aktuelle 11,6-kWh-Akkupaket jedoch nicht aus. Der Normverbrauch: 2,2 Liter oder 14,8 kWh pro 100 Kilometer.

Verbrenner und Elektromotor sorgen im gemischten Doppel jedoch dafür, dass man mit dem 2,1 Tonnen schweren Oberklasse-Kombi gut motorisiert ist. Je nach angewähltem Fahrprogramm geht es in der Innenstadt rein elektrisch los, um bei flotterem Tempo in den Hybridmodus zu wechseln. Im Teillastbetrieb weiter elektrisch, fährt der 4,94 Meter lange Allradler bei flotter Gangart mit dem Vierzylinder-Verbrenner und lässt sich bei starkem Beschleunigen elektrisch unterstützen. Dabei hält sich der Zweiliter-Turbo akustisch im Hintergrund, klingt aber bei starkem Beschleunigen leicht angestrengt. Hier fährt ein Fünf- oder gar Sechszylinder schon akustisch in einer anderen Liga. (Kein Scherz: Gebrauchter Volvo V70 für 17 Millionen Euro – wertvolles Detail ist der Grund)

Ein Volvo V90 Recharge T6 AWD
Wie alle neuen Volvo ist auch der V90 Recharge T6 AWD bei Tempo 180 abgeregelt. © Volvo

Volvo V90 Recharge T6 im Test: Bei Tempo 180 ist der Kombi abgeregelt

Zudem fehlt der bullige Durchzug eines drehmomentstarken Diesels. Das ändert aber nichts daran, dass das Zusammenspiel aus Verbrenner und Elektromotor über das Automatikgetriebe sehr gut funktioniert und die Fahrleistungen wenig vermissen lassen. Das gilt leider nicht für die abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h, denn das ist im Konkurrenzumfeld deutlich weniger, als alle Konkurrenten fahren können, die zumeist erst bei 250 km/h eingebremst werden. Wie viele der potenziellen Volvo-Kunden das stört, bleibt ein Geheimnis. Wirklich viele werden es kaum sein, denn die Fans der schwedischen Traditionsmarke, seit 2010 zum chinesischen Geely-Konzern gehörig, gelten kaum als echte Schnellfahrer.

Technische Daten Volvo V90 Recharge T6 AWD
Motor/Getriebe/AntriebVierzylinder-Benziner plus E-Motor / 8-Gang-Automatik / Allrad
Leistung/Drehmoment250 kW (340 PS) / 590 Nm
Vmax/0–100 km/h180 km/h / 5,9 s
Länge/Breite/Höhe4.936 / 1.879 / 1.475 mm
Leergewicht2.100 kg
Laderaum551 Liter
Normverbrauch2,2 l/100 km
CO2-Ausstoß50 g/km
Basispreis69.400 Euro

Volvo V90 Recharge T6 im Test: Der Komfort steht im Vordergrund

Zum eingebremsten Schaum der Höchstgeschwindigkeit passt die Fahrwerksabstimmung, denn der Familienkombi V90 Recharge T6 AWD hat, abgesehen von den sehenswerten 19-Zöllern mit 255er-Reifen, kaum Sportliches zu bieten. Hier steht der Komfort im Vordergrund. Abgesehen vom leicht strammen Anfedern an der Vorderachse, insbesondere bedingt durch die 19-Zöller und das erhöhte Batteriegewicht, ist man lässig und kommod unterwegs. Vorne gibt es eine Doppelquerlenker-Aufhängung, hinten eine Integralachse mit Querblattfeder aus Verbundwerkstoff. Eine gute Wahl ist die optionale Luftfederung für die Hinterachse mit entsprechender Verstelldämpfung. (Audi nur noch elektrisch – das steckt hinter dem Verbrenner-Aus)

Ein Ladekabel steckt in einem Volvo V90 Recharge T6 AWD
Der Volvo V90 Recharge T6 AWD hat eine rein elektrische Reichweite von bis zu 57 Kilometern. © Volvo

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Volvo V90 Recharge T6 im Test: Lenkung könnte mehr Rückmeldung geben

Im Fahrmodus AWD („All Wheel Drive“) oder bei entsprechendem Schlupf vorne wird der Volvo V90 zum Allradler, weil dann die elektrische Hinterachse dauerhaft angetrieben wird. Die Lenkung könnte etwas mehr Rückmeldung von der Fahrbahnoberfläche geben und auch die Rückstellkräfte sind geringer als bei manchem Wettbewerber. Doch man ist eben in einem Familienkombi mit Business-Ambitionen unterwegs – und so passt das Paket ebenso wie die gute Geräuschdämmung.

Blick ins Cockpit eines Volvo V90
Im Innenraum überzeugt der Volvo V90 mit seiner Verarbeitung. © Volvo

Volvo V90 Recharge T6 im Test: Das kostet der schwedische Business-Kombi

Exzellent ist und bleibt der Innenraum des mindestens 69.400 Euro teuren Volvo V90, denn auch wenn die neu gestalteten Digitalinstrumente etwas blass sind, gefällt das aufgeräumte Paket im Innern und die gute Verarbeitung. Die vollelektrischen Ledersitze lassen sich vorbildlich verstellen und das Platzangebot ist vorne ebenso gut wie im Fond. Die Bedienung über das aus dem Polestar 2 bekannte Google-System Android Automotive klappt gut, auch wenn es bei der Zielsuche bei der ein oder anderen Sonderziel einmal hapert. Der Hochkant-Touchscreen ist dabei ebenso puristisch wie der Rest des Innenraums. Die Google-Bedienung lässt ein paar Apps vermissen, die es bei dem ein oder anderen Konkurrenten gibt. Hier sollte mit zunehmender Zeit jedoch Besserung eintreten. Der Weg, nicht alles selbst entwickeln zu wollen und sich eines IT-Profis wie Google zu bedienen, erscheint auch für einen Premiumhersteller wie Volvo gerade der rechte Weg. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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