Sportlicher Selbstzünder

Neuer VW Golf 8 GTD: Lohnt sich der Power-Diesel lediglich für Vielfahrer?

Fahraufnahme eines VW Golf GTD von schräg vorn
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Der Golf GTD von Volkswagen verfügt über rot lackierte Bremssättel.
  • Jan Schmidt
    vonJan Schmidt
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Der Golf GTD war schon immer ein gutes Auto – doch der Schatten des übermächtigen GTI macht ihm seit jeher zu schaffen. Das ist auch bei der achten Generation so.

Wolfsburg – Schade, dass die Diesel in den vergangenen fünf Jahren derart in Verruf geraten sind. Denn der Golf war gerade in seiner leistungsstärksten Selbstzünderversion schon immer eine gute Wahl. Da machte der erste Golf GTD, der statt der 54 PS des Saugers mit aufgeladenen 51 kW/70 PS lockte, keinerlei Unterschied zum neuen Modell. Der jüngste Golf 8 bekam als GTD einen Nachschlag auf 147 kW/200 PS. Der sportlichste aller Diesel-Gölfe macht Laune, auch wenn er nicht so kraftvoll, bullig und bissig am Gas hängt wie der GTI, der aktuell mit 245 bis 300 PS verfügbar ist. Doch die 200 PS sind zusammen mit maximalen 400 Newtonmeter Drehmoment gerade in der Dieselversion eine echte Versuchung, denn der Wolfsburger schiebt bullig an und hat gerade aus dem Drehzahlkeller einiges auf dem Kasten. Mann kann freilich darüber streiten, ob es in der Kompaktklasse ein Diesel sein muss, denn gerade bei Fahrleistungen von unter 15.000 Kilometern pro Jahr ist der GTI-Benziner wohl eindeutig die bessere Wahl. (VW Golf GTI Clubsport: Lohnen sich die 3.000 Euro Aufpreis zum normalen GTI?)

Hinter der Heckklappe des VW Golf GTD verbirgt sich ein Laderaum von 374 bis 1.230 Liter.

VW Golf GTD: Lohnt sich der Power-Diesel nur für Vielfahrer?

Doch wer einmal auf einer langen Autobahnpassage mit dem GTD-Golf unterwegs war, wird kaum einen Škoda Octavia oder gar den deutlich größeren Passat mit ähnlichem Leistungsangebot vermissen. Gerade die Kombination mit dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe, einem fein abgestimmten Fahrwerk und einer perfekten Sitzposition gefällt Fahrern jeder Couleur. Der VW Golf GTD hat keine echte Schwäche, denn er kann beinahe alles: sportlich, lässig, ambitioniert, kurz in die City oder länger auf der Autobahn. Passt für ein bis zwei Personen und entsprechendes Gepäck, denn ein 4,29 Meter langer Golf ist trotz des ordentlichen Platzangebots im Fond nichts für vier oder gar fünf Passagiere. Doch die feine Rückmeldung von der Lenkung, der sparsame Realverbrauch und eine exzellente Vernetzung sind Vorteile, die den Niedersachsen allemal begehrlich werden lassen. Da schaut man über die wenig eingängige Bedienung oder die allzu empfindlichen Tasten des Touch-Lenkrades gerne hinweg. Dabei dürfte er dem deutlich sportlicheren und bissigeren Golf GTI mit seinem nennenswerten Leistungsplus kaum Kunden abluchsen. Aber wer einen exzellenten Kompromiss aus Spaß und Komfort in der Kompaktklasse sucht, sollte sich einmal in den Golf GTD setzen, wenn er 20.000 oder mehr Kilometer im Jahr zurücklegen will. (VW Golf R: So schnell rennt die Topversion mit Performance-Paket)

Der 2,0-Liter-Diesel ist im Golf GTD immer mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe verbunden.

VW Golf GTD: Für den Standardsprint genügen dem GTD 7,1 Sekunden

Dabei fährt der kompakte GTD kraftvoller und bulliger als die Plug-in-Hybriden mit dem zusätzlichen Elektromotor, die wahlweise 150 kW/204 PS (eHybrid) oder 180 kW/245 PS (GTE) leisten. Der sehr deutlich spürbare Unterschied ist der zwei Liter große Commonrail-Diesel, der prächtig passt und willig dreht. Aus dem Stand beschleunigt der nur als Fronttriebler erhältliche Golf GTD in 7,1 Sekunden auf Tempo 100 und schafft 245 km/h Spitze – ein klasse Wert. Die beeindruckende Höchstgeschwindigkeit ist beinahe ebenso imposant wie der sparsame Normverbrauch, denn die 4,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer lassen sich durchaus erreichen und selbst bei flottem Tempo steht noch eine Fünf vor dem Komma. (Neuer VW Golf GTE: Ordentliche E-Reichweite – doch die Ladezeit ist einfach heftig)

VW Golf GTD – Technische Daten
Länge/Breite/Höhe4,29/1,79/1,49 Meter
Hubraum1.968 ccm
Leistung147 kW/200 PS
Drehmoment400 Newtonmeter
Beschleunigung von 0 bis 100 km/h7,1 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit245 km/h
Normverbrauch4,4 Liter/100 km
Grundpreis38.114 Euro

Für den Basispreis von stattlichen 38.114 Euro gibt es allerdings nicht mehr als eine solide Ausstattung mit Sportsitzen, 17-Zoll-Alufelgen und LED-Scheinwerfern. Doch drücken Navigationssystem, Head-up-Display, Komfort-/Winterpaket, adaptive Dämpfer, Fahrerassistenzmodule oder die optisch sinnvollen 19-Zöller den Preis des 200-PS-Golf problemlos an oder über die 45.000-Euro-Marke. Und das ist dann doch etwas happig für den Spaßdiesel. Da ist der nahezu identisch ausgestattete VW Golf GTI sogar noch 2.500 Euro günstiger und das Mehr an zu erwartender Laufleistung muss das Minder an Fahrspaß ausgleichen. So wird es der exzellente VW Golf GTD gerade im Schatten des Golf GTI im Markt nicht leicht haben. Doch besser schnell noch zuschlagen, denn wer weiß, ob es den Golf langfristig noch als derart leistungsstarken Selbstzünder geben wird. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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