Dreizylinder mit 110 PS

VW Golf 1.0 eTSI im Test: So happig ist der Aufpreis für das 48-Volt-Bordnetz

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Der 1,0-Liter-Dreizylinder ist die kleinste für den Golf erhältliche Motorisierung. Für die 110-PS-Variante bietet VW auch eine Mild-Hybrid-Version an – die kostet aber einen üppigen Aufpreis.

  • Die kleinste Motorisierung des VW Golf ist ein 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner
  • Für die 110-PS-Version bieten die Wolfsburger auch eine Mild-Hybrid-Variante an
  • Der Aufschlag für das 48-Volt-Bordnetz im VW Golf 1.0 eTSI ist allerdings ziemlich üppig

Wolfsburg – Volkswagen ist Golf und Golf ist Volkswagen – das Herz der Marke und der Dreh- und Angelpunkt aller internen Entwicklungen. Das hat sich selbst seit dem Ausrufen der Wolfsburger Elektrorepublik und dem Hissen der ID-Flaggen nicht geändert und gilt daher mehr denn je auch für die achte Generation des Golf. Das Kompaktklassemodell sieht nicht mehr ganz so markig und maskulin aus wie sein Vorgänger des Golf 7, doch in Sachen Technik geht Volkswagen einmal mehr die Vollen. Die zunächst fünf erhältlichen Motorvarianten mit Elektrifizierung sollen gleichermaßen Fahrfreude bereiten und mit niedrigen Verbräuchen Kunden locken. Bestes Beispiel: der VW Golf 1.0 eTSI mit 110 PS. Denselben Dreizylinder-Motor gibt es auch ohne Mild-Hybridisierung ebenfalls mit 110 PS und zusätzlich in einer schwächeren Version mit 90 PS.

VW Golf 1.0 eTSI im Test: So happig ist der Aufpreis für das 48-Volt-Bordnetz

Die 81 kW (110 PS) im VW Golf 1.0 eTSI entsprechen exakt jener Motorleistung, die in den 70er Jahren ein VW Golf GTI bot. Seither ist der Golf in sieben weiteren Generationen mächtig gewachsen, deutlich schwerer geworden und bietet mittlerweile eine Komfort- und Sicherheitsausstattung, von der man noch vor Jahren nur träumen konnte. Doch einst reichten die 110 PS und kaum mehr als 180 km/h Höchstgeschwindigkeit zum automobilen Glück. Und heute? (Neuer VW Golf GTE: Ordentliche E-Reichweite – doch die Ladezeit ist einfach heftig)

Den VW Golf 1.0 eTSI gibt es in zwei Leistungsstufen: mit 90 und mit 110 PS.

Wer richtig beim Verbrauch sparen will, kommt auf längeren Strecken um einen Dieselmotor nach wie vor nur schwer herum und erhält mit dem VW Golf GTD die ideale Symbiose aus Fahrspaß, Dynamik und Knauserdurst. Wer elektrisch kurze Strecken zurücklegen will, entscheidet sich für eine der beiden Plug-in-Hybridvarianten VW Golf eHybrid oder VW Golf GTE mit stattlichen 204 oder 245 PS. Das Basismodell des VW Golf 1.0 eTSI kommt dagegen ohne Stecker aus und verfügt über ein 48-Volt-Bordnetz, das den kleinen Turbomotor beim Start und geringen Geschwindigkeiten mit einem elektrischen Boost unterstützt. Besonders auffällig ist, dass der akustisch sehr präsente Dreizylinder im Segelbetrieb – somit bei geringen und mittleren Geschwindigkeiten ohne Druck auf das Gaspedal – ausgeht und der Drehzahlmesser ein kurzzeitiges Nickerchen des Verbrenners anzeigt. Wird das Gaspedal wieder getreten oder verzögert, kuppelt sich der Motor in Sekundenbruchteilen durch den Startergenerator wieder ein, ohne dass der Fahrer davon etwas merkt. (VW Golf 2.0 TDI: Wenig zu meckern, aber mit zweifelhaften „Modernisierungen“)

Der Dreizylinder im VW Golf 1.0 eTSI ist akustisch sehr präsent.

VW Golf 1.0 eTSI im Test: Der Standardsprint gelingt in knapp zehn Sekunden

Der ein Liter große Turbomotor stellt seinem Fahrer immerhin ein maximales Drehmoment von 200 Nm zur Verfügung, das zwischen 2.000 und 3.000 U/min anliegt. Aus dem Stand geht es damit in knapp zehn Sekunden auf Tempo 100 und der Fronttriebler erreicht eine stattliche Höchstgeschwindigkeit von 202 km/h. Davon konnte der einstige VW Golf I GTI mit seinen 81 kW (110 PS) selbst als Sportversion nur träumen. Das sieht beim Verbrauch nicht anders aus, denn die zahlreichen Energiesparmaßnahmen sorgen dafür, dass sich der VW Golf 1.0 eTSI auf 100 Kilometern mit 5,3 Litern Super zufriedengibt. Und das obwohl sich der Wolfsburger im Laufe der Jahre mächtig Speck angefuttert hat. Statt der einstigen rund 900 Kilogramm bringt der Golf 8 als Basismodell schon aufgrund seiner deutlich gewachsenen Abmessungen (4,28 Meter Länge), serienmäßigen fünf Türen sowie Komfort- und Sicherheitsausstattung knapp 1,3 Tonnen auf die Waage. (Fahrbericht VW Golf 8 GTI: Dieses Ausstattungsmerkmal darf natürlich nicht fehlen)

VW Golf 1.0 eTSI im Test: So viel Aufpreis kostet das 48-Volt-Bordnetz

Dafür gibt es aber auch im Innenraum jede Menge Platz für ein Modell der Kompaktklasse. Der 2,62 Meter lange Radstand sorgt dafür, dass zumindest zwei Erwachsene und zwei Kinder bequem in dem Viertürer sitzen können und im 380 Liter großen Laderaum immerhin noch einiges Gepäck unterkommt. Serienmäßig sind LED-Scheinwerfer, animierte Instrumente, Klimaanlage und allerhand Sicherheitsdetails. Beim Golf 1.0 eTSI ist zudem das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe serienmäßig an Bord, das gelungen auf den kleinen Benziner abgestimmt ist und für niedrige Drehzahlen sowie schnelles Schalten unter Lastanforderungen sorgt. Der Aufpreis für das 48-Volt-Bordnetz, das obligatorisch an das Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt ist, fällt mit mehr als 2.600 Euro daher üppig aus, denn selbst in der kargen Ausstattungsvariante Style kostet der VW Golf 1.0 eTSI dann 26.972 Euro. (Mann tauscht brandneuen Tesla gegen gebrauchten Golf – „Billigauto mit teurer Batterie“)

Technische Daten VW Golf 1.0 eTSI (110 PS, 48-Volt-Bordnetz)
Motor/Antrieb/Getriebe1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner, Siebengang-DKG, Frontantrieb
Leistung/Drehmoment81 kW (110 PS) / 200 Nm bei 2.000–3.000 U/min
Leergewicht1.284 kg
Vmax202 km/h
Normverbrauch5,3 Liter Super
Preis26.972 Euro

VW Golf 1.0 eTSI im Test: Ist der Vierzylinder die bessere Wahl?

Wer sich für den ebenfalls 110 PS starken Basis-Golf ohne 48-Volt-Technik entscheidet, bezahlt mit weniger Ausstattung dann sogar nur 22.050 Euro oder 19.881 Euro für die 90-PS-Variante, die ohnehin ausschließlich als Sparversion verfügbar ist. Bleibt die Frage, ob einem das 48-Volt-Bordnetz den Hightech-Aufpreis wert ist. Besser ist man angesichts der Fahrzeugklasse ohnehin eine Leistungsstufe höher unterwegs und hier bietet Volkswagen seinen Golf als 1.5 eTSI ab Herbst nicht nur mit 150 PS, sondern auch mit 130 PS an. Einer von beiden dürfte ganz nach Kundengusto der Favorit sein. Dann kommt man auch um den Dreizylinder herum und hat mit 1,5 Litern Hubraum und vier Brennkammern mehr Fahrspaß und einen unverändert niedrigen Realverbrauch – auch ohne Stecker und ohne Diesel. Allerdings werden dafür auch mindestens rund 28.000 Euro beim Händler fällig. (Stefan Grundhoff / press-inform)

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