Wasserstoff-Auto im Alltagstest

Toyota Mirai: Umweltfreundlich ist das Brennstoffzellen-Fahrzeug nur, wenn ...

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Während die meisten Autobauer aktuell auf E-Autos setzen, versucht sich Toyota weiter an der Brennstoffzelle. Wir waren mit dem Wasserstoff-Auto Mirai unterwegs, um zu sehen, wie es sich im Alltag schlägt.

  • Der Toyota Mirai ist eines der wenigen Serien-Brennstoffzellen-Autos auf dem Markt
  • Im Herbst dieses Jahres soll bereits die zweite Generation des Wasserstoff-Fahrzeugs vorgestellt werden
  • Umweltfreundlich ist der Toyota Mirai allerdings nur unter eine Voraussetzung

Toyota – Es gibt Autos, die gehören zu den echten Raritäten im täglichen Straßenverkehr – eines davon ist sicherlich der Toyota Mirai. Der Japaner entpuppt sich jedoch, mal abgesehen vom viel zu kleinen Kofferraum mit seinen eher schmalen 340 Litern, als voll alltagstaugliches Auto. Zwar nicht vom Aussehen her – denn das eigenwillige Design ist sicher nicht jedermanns Geschmack. Technisch ist die viertürige und -sitzige Mittelklasse-Limousine des japanischen Autobauers aber einfach zu bedienen.

Toyota Mirai: Die Betankung mit Wasserstoff dauert rund fünf Minuten

Schließlich ist der Toyota Mirai nichts anderes als ein Elektroauto. Allerdings eines, das die Energie an Bord selbst erzeugt. Dabei reagieren Wasserstoff und Sauerstoff in der Brennstoffzelle. Der entstehende Strom treibt den E-Motor an. Power an der Vorderachse, hinten kommt Wasser heraus. Und das ganze zu einem vernünftigen Preis. Ein Kilo Wasserstoff kostet 9,50 Euro und reicht für rund 100 Kilometer. Aufgetankt wird in rund fünf Minuten, der Mechanismus an der Zapfsäule ist in etwa so einfach wie an einer Gas-Tanke.

Toyota gibt für den Mirai eine Reichweite von bis zu 480 Kilometern an – im Test zeigte sich das als realistisch.

Wie sich im Test gezeigt hat, ist die Reichweite (bis zu 480 Kilometer) realistisch und auch stabil. Ganz im Gegensatz zu den Reichweiten von aufladbaren Elektroautos (E-Autos: Mit welchen Überraschungen Sie bei der ersten Fahrt rechnen müssen), die je nach Beanspruchung der Batterie durch Klimaanlage oder eine besonders schnittige Fahrweise gelegentlich wie Schnee in der Sonne schmelzen.

Toyota Mirai: Kein echter Sprinter

Beim Antrieb legt der Toyota Mirai auf dem Papier zumindest keine nennenswerten Spurtqualitäten an den Tag. Die 155 PS reichen für einen Sprint von 0 auf 100 km/h in 9,6 Sekunden. Das bei E-Autos (Elektroautos erleben echte Preisschlacht – diese Rabatte sind drin) immer sofort voll anliegende Drehmoment von 335 Newtonmetern (Nm) birgt hingegen Funfaktor. So mancher Verbrenner wundert sich, wie schnell er das Mirai-Heck beim Ampelstart sehen kann.

Das Design des Toyota Mirai? Für die meisten wohl ziemlich gewöhnungsbedürftig.

Toyota Mirai: Umweltfreundlich ist das Wasserstoff-Auto nur, wenn...

Ansonsten fährt sich der Toyota Mirai wie ein ganz normales E-Auto (Reif für ein Elektroauto? Mit diesen fünf Fragen finden Sie es heraus) – gepaart mit dem guten Gefühl, das richtige Auto zur richtigen Zeit zu haben. Allerdings nur unter einer Bedingung: Brennstoffzellen-Autos sind nur so umweltfreundlich wie die Herstellung ihres Treibstoffs. Nämlich nur dann, wenn Wasserstoff rein mit erneuerbarer Energie produziert wird. Idealerweise, wenn am Strommarkt ein Überangebot herrscht und Windkraftwerke kostenpflichtig für den deutschen Steuerzahler abgestellt werden müssen, weil Speicherkapazitäten fehlen.

Die Marke Toyota
HauptsitzToyota (Japan)
Gründungsjahr1937
ChefAkio Toyoda
Bekannteste ModelleYaris, Supra, Hilux, Land Cruiser, RAV4, Corolla, Camry
Ausgelieferte Fahrzeuge 20199,71 Millionen

War die erste Generation des Toyota Mirai (ab 2015) mehr oder weniger ein Technologieträger, der sich weniger als 10.000 Mal verkauft hat, soll der neue Mirai die Schlagzahl deutlich erhöhen. Zumindest verspricht Toyota, dass jährlich immerhin rund 30.000 Modelle produziert werden können. Vermutlich zum gleichen Preis wie heutzutage. Etwa 80.000 Euro dürfte der bei der Tokio Motorshow Ende 2019 vorgestellte Nachfolger vermutlich kosten.

Der Tacho sitzt beim Toyota Mirai nicht hinter dem Lenkrad, sondern mittig unterhalb der Windschutzscheibe.

Toyota Mirai: Der Nachfolger wird deutlich dynamischer aussehen

Um die Ziele zu erreichen, haben die Toyota-Designer schwer Hand angelegt. Aus dem eher hässlichen Entlein ist zumindest beim Concept Car, das allerdings als recht seriennah gilt, ein stolzer Sportwagen geworden. Länger, breiter, flacher – so lautete hier die Devise. Den mächtigen und stolzen Kühlergrill kann man jetzt schon im aktuellen Toyota Camry (Toyota Camry: Wieder in Europa erhältlich, aber ein Detail nervt) bewundern.

Und auch bei der Instrumentierung im Innenraum geht es mehr Richtung konventionelles Auto. Bei der ersten Generation gab es kein klassisches Cockpit mehr mit Fahr-Infos hinter dem Lenkrad, sondern nur kleine Screens in der Instrumentenspange direkt unter der Windschutzscheibe oder im großen Bildschirm, der ebenfalls mitten auf der Konsole thronte. Ziemlich gewöhnungsbedürftig. Mirai Nummer 2 glänzt mit einem 12,3 Zoll großen zentralen Screen und einem echten (digitalen) Tacho.

Toyota Mirai: Bei der Reichweite soll der Nachfolger deutlich zulegen

Ebenfalls neu: In der knapp fünf Meter langen Limousine haben künftig fünf Personen Platz, und der Antrieb wandert von vorne nach hinten. Zusammen mit dem niedrigeren Schwerpunkt dürfte das Fahrverhalten somit deutlich agiler sein als beim aktuellen Modell.

Bei der Reichweite will Toyota zulegen. Knapp 700 Kilometer soll man mit dem Mirai schaffen. Dann fehlt nur noch ein ordentliches Tankstellen-Netz – und schon öffnet sich das Tor der (automobilen) Zukunft ein Stück weiter. Damit der Toyota Mirai auch seinem Namen gerecht wird. Denn „Mirai“ heißt auf Deutsch „Zukunft“ (Rudolf Bögel / mid).

Rubriklistenbild: © Toyota

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