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Toyota Highlander Hybrid neu in Europa: Bemerkenswert geringer Normverbrauch – doch eine Sache stört

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Von: Sebastian Oppenheimer

In den USA wird der Toyota Highlander bereits seit zwei Jahrzehnten angeboten. Nun soll er auch in Europa Käufer finden. Die Basis stimmt – doch eine Sache stört.

Toyota (Japan) – Der Trend zu SUV sowie Geländewagen ist ungebrochen und anders als viele denken, betrifft das nicht allein kleine und mittlere Crossover. Besonders die Nachfrage nach großen Modellen mit bis zu sieben Sitzplätzen ist größer als je zuvor. Das ruft auch einige asiatische Hersteller auf den Plan, die großen und betont luxuriösen SUV, die bisher oftmals nur in den USA angeboten wurden, auch nach Europa zu bringen, um den Markt hier nicht allein den lokalen Anbietern zu überlassen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Highlander – ein Modell, das an sich niemand im Toyota-Portfolio vermisst hat, denn oberhalb des Massenmodells Toyota RAV4 rangieren noch der betont rustikale Toyota Land Cruiser sowie die noch edleren Lexus-Modelle. Und doch passt der in den USA bereits zum Jahrtausendwechsel vorgestellte Highlander auch in Europa exzellent ins Portfolio der Japaner. (Fahrbericht Toyota Mirai II: Trotz Elektromotor 650 Kilometer Reichweite)

Neuer Toyota Highlander Hybrid: Beeindruckend geringer Normverbrauch – nur eine Sache stört

Der Toyota Highlander bietet mit seinen 4,97 Metern Länge großzügige Platzverhältnisse für fünf Personen und gibt mit seiner dritten Sitzreihe die Möglichkeit, notfalls auch sieben Personen in einem Rutsch zu transportieren. Vorne wie hinten sitzt es sich sehr komfortabel und selbst bei voller 7er-Bestuhlung hat der Highlander noch einen Laderaum von 332 Litern. Legt man die beiden Sitzbänke im Fond um, kann man 865 oder sogar 1.909 Liter für den Transport jeglicher Gegenstände nutzen. Die Heckklappe: elektrisch und mit einem imaginären Kick unter die Heckschürze zu bedienen. So muss es sein. (E-Auto mit Feststoff-Akku von Toyota: Extrem kurzes Laden für hunderte Kilometer Reichweite)

Fahraufnahme eines Toyota Highlander
Der Toyota Highlander ist in Europa ein Neuling. © Toyota

Neuer Toyota Highlander Hybrid: 2,5-Liter-Vierzylinder mit elektrischer Unterstützung

Dazu bietet der Toyota Highlander eine umfangreiche Sicherheitsausstattung mit zahlreichen Assistenzsystemen, viel Reisekomfort, gefälliges Design und eine gewohnt gute Verarbeitung. Allein beim Antrieb lässt das neue Importmodell eine schmerzhafte Flanke offen, denn gerade als auch Toyota auf den Geschmack kommt, seine erfolgreiche Hybridtechnik mit einem Plug-in-Modul zu versehen und somit noch massentauglicher zu machen, patzt der Highlander. Denn er ist auf seinem Hauptmarkt USA nur mit einem 3,5 Liter großen V6-Benziner sowie als normales Hybridmodell zu bekommen. In Europa soll es nur die Hybridversion geben und schon angesichts von Dimensionen und Fahrzeugmasse ist der 2,5 Liter große Vierzylinder-Sauger mit seinen 140 kW (190 PS) nebst elektrischer Unterstützung an Vorder- sowie Hinterachse nicht gerade üppig, um dem 2,1 Tonnen schweren Koloss Beine zu machen. (SsangYong Rexton (Facelift): Das günstige XL-SUV legt bei den Assistenzsystemen nach)

Fahraufnahme eines Toyota Highlander
Toyota gibt für den Highlander einen beeindruckend niedrigen Normverbrauch von 5,1 Litern auf 100 Kilometer an. © Toyota

Neuer Toyota Highlander Hybrid: Der Japaner wird früh abgeregelt – aus Effizienzgründen

Denn auch wenn die beiden Elektromodule an der Vorderachse 134 kW (182 PS) und am Heck überschaubare 40 kW (54 PS) beisteuern, liegt die Systemleistung bei 182 kW (248 PS) – nicht viel für ein Luxusmodell mit einer Gesamtlänge von fast fünf Metern. Der Eindruck bewahrheitet sich hinter dem Steuer schnell, wobei der Japaner uns nicht als lahme Ente erscheint. Im Gegenteil. Doch wenn man ihm beim Beschleunigen dynamische Fahrleistungen abverlangt, macht sich sein eigentliches Problem bemerkbar: das ebenso effiziente wie stufenlose CVT-Getriebe. Das sorgt zusammen mit dem 2,5 Liter großen Saugbenziner nebst Elektroschub zwar wenigstens für einen beeindruckend geringen Normverbrauch von 5,1 Liter Super auf 100 Kilometer, aber auch dafür, dass der Motor trotz E-Unterstützung aufheult, wenn es schneller zur Sache geht. Dank des 65 Liter großen Tanks sind ohne Zapfsäulenstopp Reichweiten von mehr als 1.000 Kilometern drin. Verlockend.

Das CVT-Getriebe ist immerhin besser als das vergangener Generationen. Wer beispielsweise auf der Autobahn beschleunigt und voll aufs Gas geht, bekommt nicht nur angestrengten Motorklang, sondern auch eine ordentliche Beschleunigung. Ohne nennenswerte Verzögerung zieht der Teilzeit-Allradler durch, bis Tempo 150 an den meisten vorbei, ehe er nach Volvo-Art bei 180 km/h offiziell abgeregelt wird und der Tacho deutlich akzeptablere 195 km/h anzeigt. Trotzdem eine allzu früh einsetzende Leine, doch Toyota stellt die Effizienz seiner Hybridmodelle über alles und so wird der Koloss eingebremst, obwohl er schneller könnte.

Blick in den Innenraum eines Toyota Highlander
Im Innenraum des Toyota Highlander zeigt sich die gewohnt gute Verarbeitung der japanischen Marke. © Toyota

Neuer Toyota Highlander Hybrid: Fürs echte Gelände eignet sich das SUV nur bedingt

Das Fahrwerk ist komfortabel, aber nicht schwammig. Seine US-Gene und den hohen Schwerpunkt kann und will der Japaner jedoch nicht überspielen. Vorne arbeiten wohl abgestimmte McPherson-Federbeine und hinten ist eine Doppelquerlenkerachse verbaut, die für Komfort und eine Zuladung von bis zu 590 Kilogramm sorgt. Ins echte Gelände sollte man mit dem Highlander zumindest in der europäischen Hybridversion nicht unbedingt, denn der Allradantrieb ist ein rein elektrischer. Die Hinterachse wird nicht über eine Kardanwelle, sondern nur vom schmalen 40-kW-Elektromotor mit Energie versorgt, wenn die Elektronik dank Schlupf an der Vorderachse diese zu Hilfe ruft. Doch für den Ausflug in den leichten Schnee reicht das als Anfahrhilfe allemal.

Technische Daten Toyota Highlander Hybrid
Motor/Getriebe/AntriebVierzylinder-Saugmotor mit zwei Elektromotoren, stufenlose CVT-Automatik, Allradantrieb
Systemleistung/Drehmoment182 kW (248 PS) / 239 Nm ab 4.500 U/min
Vmax/0–100 km/h180 km/h / 8,3 s
Leergewicht2.130 kg
Normverbrauch5,1 Liter / 100 km
CO2-Ausstoß116 g/km
Laderaum332 – 1.909 Liter
Basispreis53.250 Euro

Neuer Toyota Highlander Hybrid: Das SUV kostet bei uns deutlich mehr als in den USA

Deutlich nachgelegt hat Toyota nicht nur bei der Größe, sondern auch bei der Ausstattung. So wird der neue Highlander in drei Ausstattungsvarianten zu Preisen ab 53.250 Euro angeboten. Viele dürften sich für das Topmodell mit klimatisierten Ledersitzen, LED-Scheinwerfern, digitalem Innenspiegel und Head-up-Display entscheiden, der 63.490 Euro kostet. Das ist zugegeben deutlich mehr als in den USA, wo das ähnlich ausgestattete Topmodell Toyota Highlander Hybrid XLE gerade einmal 41.210 US-Dollar zzgl. State Income Tax (je nach US-Bundesstaat) kostet. Macht in Kalifornien umgerechnet nur rund 36.500 Euro als Endpreis. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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