1. 24auto
  2. Tests
  3. Fahrbericht

Toyota GR Yaris im Test: Der Rennzwerg hat mehr PS als gedacht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marcus Efler

Toyota kann nur brav mit Hybrid? Weit gefehlt: Der GR Yaris ist so stark wie klein. Das macht Laune, bringt aber auch ein paar Nachteile mit sich.

Köln – Kleinwagen in Deutschland warten im Schnitt mit Motoren von 75 PS bis 130 PS auf. Hin und wieder gibt’s auch Ausreißer nach oben: VW Polo GTI und Ford Fiesta ST mit je 200 PS oder Hyundai i20N mit 204 PS sind Beispiele dafür. Neuerdings mischt aber ein Japaner die Liga der potenten Kleinwagen auf. Der Toyota GR Yaris leistet 192 kW/261 PS. In Worten, damit niemand an einen Tippfehler glaubt: zweihunderteinundsechzig! Und noch eine große Zahl gleich hinterher: Mindestens 33.200 Euro kostet der Kleine, mit dem Performance-Paket sind es 37.700 Euro. (Ford Fiesta ST Edition im Test: Macht richtig Spaß, doch der Innenraum zeigt Schwächen)

Toyota GR Yaris im Test: Der Rennzwerg hat mehr PS als gedacht

Auf unseren Testwagen gab es eigentlich nur zwei Reaktionen: Die einen nutzten die Scheibenwischer-Geste, um ihr Unverständnis zu kommentieren. Die anderen bekamen große Augen, feuchte Hände und fragten nach weiteren technischen Daten. Gerne: Das Triebwerk des Dreitürers ist ein 1,6-Liter-Dreizylinder (ja, wieder richtig gelesen: drei Zylinder), den Toyotas Rennsport-Abteilung Gazoo Racing auf Leistung getrimmt hat. Permanenter Allradantrieb ist serienmäßig – in der von uns gefahrenen Performance-Variante verteilt ein Torsen-Sperrdifferenzial das Drehmoment von bis zu 360 Nm zwischen den Rädern. Geschaltet wird manuell. Den Standardsprint absolviert der Rennzwerg in 5,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei Tempo 230 abgeregelt. (Toyota bringt 1.000-PS-Renner: So happig wird der Preis des Supersportlers)

Toyota GR Yaris auf Rennstrecke

Drift mit Allrad: nicht unmöglich im Toyota GR Yaris © Toyota

Toyota GR Yaris im Test: Der Rennzwerg kann Kurven

So weit die beeindruckenden Daten. Bevor es jetzt ans Fahren geht, steht jedoch zunächst Gymnastik an: Da die Sportsitze vergleichsweise hoch montiert sind, gilt es, mit gebeugtem Kopf und geschmeidigem Oberkörper einzusteigen. Ob diese an eine Demutshaltung erinnernde Einstiegspose gewollt ist? Eins ist klar: Das Fahrzeug ist nichts für Fahranfänger oder Gelegenheitsfahrer. Mit dem ersten leichten Druck aufs Gaspedal vermittelt der kleine Sportwagen Fahrfreude, ja sogar: Fahrlust. Natürlich kann er geradeaus schnell fahren, auf einer freien Autobahn ist die Marke 200 km/h nach wenigen Augenblicken erreicht. Die Paradedisziplin des GR Yaris sind aber Kurven: Die Lenkung agiert sehr präzise, die Bremsen packen ordentlich zu, die knackige Schaltung ist eine wahre Freude und das Fahrzeug liegt wie ein Brett auf der Straße. (Toyota GR 86: GT-86-Nachfolger kommt mit neuem Design und weniger Gewicht)

Toyota GR Yaris, fahrend, Heckansicht

Mit breiten Backen: der Sport-Yaris nach dem Überholen © Toyota

Toyota GR Yaris im Test: Der Rennzwerg eignet sich nicht für jeden

Stichwort Brett: Der Fahrkomfort ist entsprechend eingeschränkt. Das liegt zum einen an den großen 18-Zoll-Rädern, zum anderen an dem für das Fahren auf Rundstrecken abgestimmte Fahrwerk. Jede Unebenheit geht direkt an Gesäß und Rücken. Egal, weiter mit breitem Grinsen im Gesicht. Einzig der Blick auf den Tacho bremst die Fahrfreude ein. Und das Wetter. Bei regennassen und verschmutzen Fahrbahnen sollte man die Grenzen der Physik nicht ausreizen – trotz Allrad. Auch der Blick auf die Verbrauchsanzeige ernüchtert: Dass der offizielle Durchschnittsverbrauch von 8,2 Litern nicht zu halten ist, war ja zu erwarten. Dass der Kleine bei gemäßigter Fahrt gute elf Liter zieht, nicht unbedingt. 14 bis 15 Liter sind es, wenn man ihm ein wenig die Sporen gibt, bei Bewegung auf einem Rundkurs dürfte der Verbrauch noch weiter steigen.

Cockpit des Toyota GR Yaris

Nicht mehr ganz zeitgemäß: analoges Cockpit © Toyota

Auch optisch hält sich die Gazoo-Version nicht zurück: Breite Schweller, große Lufteinlässe, rote Bremssättel und Doppelend-Auspuffrohre erzeugen Aufmerksamkeit. Innen geht es dezenter zu. Hier haben wir aber eine digitale Tachoanzeige oder ein Head-up-Display für die Geschwindigkeitsanzeige vermisst. Dass der GR nicht unbedingt als Alltagsauto konzipiert wurde, zeigt sich am kleinen Kofferraum (174 Liter) und am Zugang in den Fond. Die im Vergleich zum normalen Yaris um fast zehn Zentimeter abfallende Dachlinie erschwert den Einstieg auf die zwei hinteren Plätze zusätzlich. Immerhin gibt’s Zweizonen-Klimaanlage, Sportpedale, Rückfahrkamera und eine klassische Handbremse (mit der Option zum Wenden auf der Stelle) serienmäßig. Das Performance-Paket wartet neben dem Torsen-Sperrdifferenzial und den rot lackierten Bremssätteln noch mit Michelin-Pilot-Sport-Reifen auf. Trotzdem: Der kleine Racer ist aus der Zeit gefallen. Fahrspaß gehört nur bedingt zu gesellschaftlich akzeptierten Kaufgründen. Im normalen Straßenverkehr lässt sich zudem sein Potenzial aufgrund der Verkehrsdichte und aus Achtung vor Verkehrsregeln nicht „erfahren“. Er sollte seinen Besitzern in der Freizeit auf der Rennstrecke zum Vergnügen dienen. Für den Alltag ist die ökologisch korrekte Hybridvariante (hier geht‘s zum Test) die bessere Wahl. (Von Elfriede Munsch/SP-X)

Technische Daten Toyta GR Yaris
Motor / Getriebe / Antrieb3-Zylinder-Benziner / 6-Gang-Handschaltung / Allrad
Leistung / Max. Drehmoment / Hubraum192 kW (261 PS) / 360 Nm bei 3.000 – 4.600 U/min / 1.618 cm³
Länge / Breite / Höhe4,00 / 1,81 / 1,46 m
Vmax / 0–100 km/h230 km/h / 5,5 s
Normverbrauch8,2 Liter/100 km
CO2-Ausstoß186 g/km
Max. Ladevolumen141 Liter
Basis-Preis33.200 Euro

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Auch interessant