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Toyota GR 86 im Test: Kompakter Spaßmacher mit Schwächen im Innenraum

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Von: Sebastian Oppenheimer

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Toyota will seine Modelle emotionaler und sportlicher machen: Wer puristischen Fahrspaß will, dem dürfte eine kurvenreiche Ausfahrt mit dem neuen GR 86 gefallen.

Toyota – In Europa oder den USA nahezu undenkbar, sind die Japaner ihren Modellbezeichnungen nicht sehr treu. So wurde aus dem Toyota GT 86 in der zweiten Generation kurzerhand der GR 86. Hört sich fast gleich an und soll auf die Verwandtschaft zu den anderen Sportmodellen des Hauses hindeuten, denn auch der grandiose Rallyezwerg des Yaris und der Supra tragen den Namensannex GR – für Gazoo Racing, die hauseigene Motorsportabteilung. Die zweite 86er-Generation ist optisch erwachsener geworden. Front und Heck mit den LED-Lichteinheiten präsentieren sich nicht mehr derart nett und lieblich, sondern sind nach dem Erfolg des Boxer-Erstlings größer und selbstbewusster geworden.

Das Basispaket ist jedoch geblieben. Mit einer Länge von 4,27 Metern ist der Nachfolger des Toyota GT 86 nach wie vor ein kompakter Spaßmacher mit langer Haube und kurzen Überhängen. Der Vorgänger feierte seine Premiere im Jahre 2012 und machte weniger durch seine beeindruckenden Fahrleistungen, sondern eher durch das betont dynamische Fahrverhalten auf sich aufmerksam. Das soll sich mit der zweiten Generation nicht ändern – und doch haben die Entwickler bei Toyota und Entwicklungspartner Subaru genau hingehört, was verbessert werden sollte. (Mann schützt Toyota Supra vor Hagel – und wird für selbstlose Aktion gefeiert)

Fahraufnahme eines Toyota GR 86
Der Toyota GR 86 ist der Nachfolger des GT 86 – das Kürzel GR steht für Gazoo Racing. © Toyota

Toyota GR 86 im Test: Kompakter Spaßmacher mit Schwächen im Innenraum

Das bekannte Coupé-Paket ist nicht nur optisch sein Erfolgsrezept, denn unter der langen Haube verbirgt sich flach und weit nach hinten eingebaut der Vierzylinder-Boxermotor, dem nach wie vor eine Turboaufladung fehlt. Immerhin gab es bei dem nur 1,31 Meter hohen Doppelsitzer einen Leistungsnachschlag auf 173 kW/235 PS. Der Motorenklang des nunmehr 2,4 Liter großen Saugers bleibt bekannt kernig und der Kunde kann zwischen Sechsgang-Handschaltung und einer deutlich unsportlicheren Getriebeautomatik wählen. Zum Paket aus Saugmotor vorn, Antrieb hinten und dem überschaubaren Gewicht von knapp 1,3 Tonnen zwingt einen förmlich in die Variante mit Handschalter. Der Normverbrauch: stattliche 11,2 Liter Superkraftstoff pro 100 Kilometer. (Neuer Toyota Aygo X: So SUV-artig wird die dritte Generation des Kleinwagens)

Toyota GR 86 im Test: Modell wird auch als Subaru BRZ angeboten

Einsteigen, Motor an und es geht los. Die leicht knochige Handschaltung passt gut zu dem japanischen Sportcoupé, der auch in seiner zweiten Generation weiterhin als Subaru BRZ angeboten wird. Von unten heraus bleibt es zunächst etwas zäh, denn 255 Nm Drehmoment bei 3.700 Touren sind angesichts der allseits verbreiteten Turbotriebwerke überschaubar eindrucksvoll und spät zudem. Dem Fahrspaß tut das jedoch keinerlei Abbruch – im Gegenteil, denn in dem neuen GR 86 hat man zumindest in Sachen Antrieb das Fahrgefühl, in einem modernen Klassiker unterwegs zu sein. Die einzelnen Gänge werden selbst innerorts einen Hauch zu lange ausgedreht, bevor es eine Fahrstufe weiter nach oben geht. Herunter wird ebenso leicht verzögert, ehe es vom vierten in den dritten oder vom dritten in den zweiten Gang geht. (Subaru Solterra: Das erste E-Auto der Marke ist der Technik-Bruder eines Toyota)

Ein Toyota GR 86
Beim Toyota GR 86 empfiehlt sich auf jeden Fall der Griff zur Sechsgang-Handschaltung. © Toyota

Toyota GR 86 im Test: Kleiner und leichter als ein VW Golf

Dass die Kupplung gerade bei langsamem Tempo nervös klackert, scheint eher dem einzelnen Modell geschuldet. Auch wenn der Turbomotor fehlt, der kompakte Toyota GR 86 hat ordentlich Biss. Kleiner als ein VW Golf, leichter als das Massenmodell aus der Kompaktklasse und dann noch angetriebene Hinterräder, die im Grenzbereich nach Haftung gieren – oh ja – das macht Laune. Und zwar nicht nur, wenn man an dem breiten Mitteltunnel die Traktionskontrolle ins entspannte Wochenende schickt. Auf leerer Piste geht es aus dem Stand in kaum mehr als sechs Sekunden auf Tempo 100. Auf den etwas lieblosen Instrumenten, die etwas an den großen Bruder Toyota Supra GR erinnern, kann man die einzelnen Gänge bis über die 7.000-Touren-Marke drücken, bis die Kupplung einen Tritt bekommt und der dritte Gang reinflutscht. Anbremsen – nächste Kurve und weiter.

Blick ins Cockpit des Toyota GR 86
Fahrtechnisch macht der Toyota GR 86 viel Spaß – der Innenraum ist aber nicht mehr auf der Höhe der Zeit. © Toyota

Toyota GR 86 im Test: Japaner patzt im Innenraum

Wie schon bisher glänzt das kleine Toyota Coupé im flotten Galopp und patzt im Innern. Die gut anliegenden Teilledersitze bieten guten Seitenhalt und eine angenehme Oberschenkenauflage. Die Verstellung über einen billigen Plastikarm ist jedoch Toyota nicht würdig und auch das Arrangement des acht Zoll großen Touchbildschirms im Stile der frühen 2000er-Jahre oder die silbernen Taster im Fisher-Price-Design dürften selbst bei ausgemachten Nippon-Fans für Kopfschütteln sorgen. Die beiden Sitzmulden im Fond eignen sich wie bei anderen Coupés allenfalls zum Transport von Gepäck und Kleidungsstücken. Immerhin kann die Rückbank für den Transport längerer Gegenstände umgeklappt werden. Doch wen interessiert das, wenn es hinauf in die Berge mit kurvigen Pisten und rauem Asphalt geht? Hier mutiert der GR 86 über das griffige Lenkrad zu einer agilen Fahrmaschine, die an sich nur eines vertragen könnte – noch mehr Leistung und breitere Schlappen, die sich noch gekonnter mit dem Untergrund verzahnen, denn die Michelin Pilot Sport 4 im Format 215/40 R 18 kommen schneller als gewünscht ans Limit.

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Technische Daten Toyota GR86
Motor/Getriebe/Antrieb2,4-Liter-Vierzylinder-Boxer-Saugmotor / Sechsgang-Handschaltung / Hinterradantrieb
Leistung/Drehmoment173 kW (235 PS) / 255 Nm ab 3.700 U/min
Vmax/0–100 km/h240 km/h / 6,3 s
Leergewicht1.287 kg
Normverbrauch11,2 l/100km
Basispreisunter 27.000 Euro (USA)

Toyota GR 86 im Test: Das kostet der sportliche Japaner in der Basis

Jedoch ist nicht nur der Fahrspaß groß, sondern auch das Gesamtpaket und insbesondere der Preis passen. In den USA, wo der Toyota GR 86 nunmehr startet, geht es bereits bei 30.300 US Dollar und somit umrechnet unter 27.000 Euro los. Und auch wenn es in Europa im kommenden Jahr wie bei allen Modellen einiges mehr wird, bietet der neue Toyota GR 86 noch immer jede Menge Auto und noch mehr Fahrspaß für sein Geld. Da dürfte selbst der ein oder andere Kunde des Toyota Supra Basismodells mit dem aufgeladenen BMW-Vierzylinder herüberschielen, denn der GR 86 ist eben insbesondere eines: ein echter Toyota, der in dieser Klasse kaum einen Wettbewerber hat. (Stefan Grundhoff/press-inform)

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