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Porsche Taycan Cross Turismo im Test: E-Sportkombi praktischer als die Limousine

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Von: Christian Schulz

Der Porsche Taycan Cross Turismo ist Zuffenhausens Antwort auf den Audi e-tron GT. Er ist ähnlich dynamisch wie die hauseigene Taycan Limousine, aber viel praktischer.

Zuffenhausen – Die Verhältnisse zwischen Zuffenhausen und Ingolstadt sind wieder geradegerückt. Nachdem der Audi e-tron GT mit einer Kombination aus ansehnlicher Optik und ausgewogenen-sportlichen Fahrverhalten dem schwäbischen Technikspender den Rang abgelaufen hat, folgt jetzt der Zuffenhausener Konter. Und der sitzt. Der Cross Turismo ist der Taycan, den Porsche von Haus aus als erstes Modell herausbringen hätte sollen. Auch wenn die Scheinwerfer mit den Tränen, die aus dem Augenwinkel laufen, nicht jedermanns Sache sind, genauso wenig wie die um drei Zentimeter erhöhte Bodenfreiheit. Nicht Fisch und nicht Fleisch. Wenn dann gleich ein richtiges SUV, sagen die einen. Wir sagen: Der Cross Turismo trifft den Nerv der Zeit und dürfte bald der meistverkaufte Taycan sein. Zumal der Kombi nur knapp 1.500 Euro teurer ist als die Limousine. Wir sind ihn gefahren. (Porsche 911 GT3 (992) im Test: Der Motor ist so laut, dass man kein Soundsystem braucht)

Der Porsche Taycan Cross Turismo von rechts vorne
Der Porsche Taycan Cross Turismo steht der Limousine fahrdynamisch kaum nach. © Porsche

Porsche Taycan Cross Turismo im Test: E-Sportkombi praktischer als die Limousine

Das ist gut angelegtes Geld, vor allem, wenn man zu viert unterwegs ist. Die 47 Millimeter mehr Kopffreiheit im Fond aufgrund der Bauweise des Cross Turismo zahlen sich aus, im Gegensatz zur Taycan-Limousine fällt Menschen jenseits der 1,85 Meter Körpergröße nicht der Himmel auf den Kopf. Die Beinfreiheit ist dagegen nach wie vor gering und lange Fahrten sind nichts für Erwachsene, die hinten sitzen müssen. Hier hätten die Porsche-Techniker etwas vom Kofferraum Volumen abknapsen können, um den Passagieren etwa Komfort zu gönnen. So beträgt das Fassungsvermögen des Gepäckabteils 405 Liter, erhöht sich auf 1.171 Liter, wenn die Lehnen der Rückbank umgelegt sind. Zudem findet man unter der ehemaligen Motorhaube ein extra 84 Liter großes Staufach, in dem man die Ladekabel verstauen kann. Wenn das nicht reicht, bietet Porsche noch eine Dachbox und einen Fahrradträger am Heck an. (Neuer Audi RS e-tron GT: Überzeugender Tesla-Fighter fordert auch Porsche Taycan heraus)

Der Porsche Taycan Cross Turismo von rechts hinten
Dank des Hecks wird der Porsche Taycan Cross Turismo die Limousine bei den Verkaufszahlen vermutlich abhängen. © Porsche

Natürlich denken die Zuffenhausener auch an den Piloten. Die Sitzposition ist zwar etwas hoch, aber die Sportsitze sind wirklich bequem und geben Seitenhalt. Das ist gut so, da fahrdynamisch kaum ein Unterschied zur Limousine festzustellen ist. Damit auch höherbeinige Stromer freudig um die Ecken pfeift, haben sie an der Hinterachse extra einen sogenannten Torsionsring eingezogen, der vom Kofferraumboden über die Federdome bis durch das Dach reicht. Wie der Name schon vermuten lässt, ist damit eine höhere Verwindungssteifigkeit gewährleistet. „Durch das zwei Box Design fehlt dem Cross Turismo im Vergleich zur Limousine die Steifigkeit, wir haben da viel Energie reingesteckt“, erklärt Fahrwerksexperte Christian Wolfsried. Auch wenn der Cross Turismo bis zu B-Säule identisch mit der Taycan Limousine ist, sind damit die Anpassungen am Fahrwerk nicht erledigt. Da der Cross Turismo stämmiger dasteht als die Limousine und einen um zehn Millimeter längeren Federweg hat, änderten die Techniker sowohl den Radträger als auch die Achskinematik. (Porsche Taycan Cross Turismo: Macht Variabilität den Elektro-Sportkombi zum Verkaufshit?)

Porsche Taycan Cross Turismo Turbo S im Test: Kurvige Landstraßen sind sein bevorzugtes Revier

Die Arbeit hat sich gelohnt. Der Taycan Cross Turismo Turbo S erweist sich auch auf kurvigen Landstraßen als Meister seines Fachs. Kein Wunder bei 460 kW / 625 PS Dauerleistung und einem Drehmoment von 1.050 Newtonmetern (im Overboost sind es 560 kW / 761 PS). Die Dynamik-Unterschiede aufgrund des höheren Schwerpunkts fallen ohnehin nur Dynamikfetischisten mit extrem feinen Nervenbahnen im verlängerten Rücken auf. Wir hatten mit dem 4,97 Meter langen Kombi eine Menge Spaß und haben nur in verwinkelten Serpentinen das Gewicht von immerhin 2.320 Kilogramm bemerkt. Die Lenkung ist porschetypisch präzise und gibt stets zuverlässig Rückmeldung. Lediglich in den Attacke-Fahrmodi Sport und Sport plus könnten die Rückstellkräfte geringer sein. Um sich die besten Parameter aus den einzelnen Fahrprogramm-Komponenten zusammenzustellen, kann man im 10,9 Zoll großen Zentraldisplay den Individual-Modus konfigurieren. (Audi Q4 E-tron: Erste Ausfahrt im Elektro-SUV – so flott fährt sich der Zwilling des VW ID.4)

Das Cockpit des Porsche Taycan Cross Turismo
Der Porsche Taycan Cross Turismo von innen: Im Cockpit ändert sich im Vergleich zur Limousine nicht viel. © Porsche

Ein Bonus ist das Gravel-Fahrprogramm. Damit man es auf Schotter und abseits asphaltierter Straßen krachen lassen kann, werden die Systeme entsprechend konditioniert. Wir bezweifeln allerdings, dass jemand seinen teuren Elektro-Kombi mal eben so aus Spaß über Kieselsteine jagt, zumal der Allradantrieb bei der Traktion keine Nachteile hat. Für die Porsche-Techniker war das eine Frage der Ehre, dieses Fahrprogramm zu installieren. „Wenn wir ein Auto machen, das off-roadig daherkommt, dann muss es das auch können“, macht Taycan Cross Turismo Projektleiter Christopher Sachs klar. Wir waren dagegen oft mit dem Range Fahrprogramm unterwegs und damit immer noch als Alphatier unterwegs. Zwar wird nominell die Höchstgeschwindigkeit auf 150 km/h reduziert, aber man kann alles aus dem Taycan herausholen, indem man das Gaspedal durchdrückt. Dann ballert der Cross Turismo in 2,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und schafft maximal 250 km/h. Bei der Bremse wünschen wir uns eine etwas feinere Dosierbarkeit, aber das ist vor allem der Erhöhung der Rekuperationsleistung auf 290 kW geschuldet. (Porsche 911 von Fußball-Legende Diego Maradona (†) versteigert – Auktion übertrifft alle Erwartungen)

Der Kofferaum des Porsche Taycan Cross Turismo
Der Kofferraum des Porsche Taycan Cross Turismo fasst mindestens 405 Liter – bei umgeklappten Sitzen sind es 1.171 Liter. © Porsche

Porsche Taycan Cross Turismo Turbo S im Test: Wann er kommt – und was er kostet

Porsche gibt beim Taycan Cross Turismo Turbo S einen Durchschnittsverbrauch von 26,4 kWh/100 km an, wir benötigten im Schnitt 0,5 kWh/100 km mehr. Die Reichweite beträgt maximal 419 Kilometer nach dem WLTP-Zyklus. Die Effizienz des Fahrzeugs wurde bereits durch Updates bereits verbessert und das soll auch in Zukunft geschehen. Dennoch ist die Norm-Reichweite für eine 93,4 Kilowattstundenbatterie (83,7 kWh netto) überschaubar. Verbesserte Akkuzellen darf man wohl frühestens zur Modellpflege erwarten. Der Taycan Cross Turismo Turbo S rollt im Frühsommer zum Händler und kostet mindestens 187.764 Euro. Auch die von der Limousine bekannten Antriebsalternativen stehen parat. Bis auf den Hecktriebler, da es den Cross Turismo nur mit Allrad geben wird. Das vielsagende Motto beim Porsche Taycan Cross Turismo lautet: Vier gewinnt. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

Technische Daten Porsche Taycan Cross Turismo Turbo S
Motor/Getriebe/AntriebZwei E-Maschinen / 2-Gang-Getriebe / Allrad
Leistung/ Max. Drehmoment560 kW (761 PS) / 1.050 Nm
Länge/Breite/Höhe4.974 / 1.967 / 1.409 mm
Kofferraumvolumen405 Liter (umgeklappt 1.171 Liter)
Vmax/0–100 km/h250 km/h / 2,9 s
Normverbrauch26,4 kWh/100 km
CO2-Ausstoß0 g/km
Basispreis187.764 Euro

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