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Test Basismodell Porsche Taycan: Super Fahrleistungen – doch daran muss man sich gewöhnen

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Von: Sebastian Oppenheimer

Wenn ein Einstiegsmodell schon über 80.000 Euro kostet, weiß man sofort, in welcher Liga man unterwegs ist. Wir haben die Basisversion des Porsche Taycan getestet.

Stuttgart – Würde man die leistungsstärkeren Versionen Porsche Taycan 4S, Turbo und Turbo S nicht kennen – den meisten wäre wohl auch die Basisvariante stark und schnell genug: Sie kommt auch schon auf einen stattlichen Einstandspreis von über 83.000 Euro und kostet noch mal 6.521 Euro extra, wenn man das größere Akkupaket für die maximale Reichweite will. Und leider gibt es den Basis-Taycan nur mit Hinterradantrieb. Der bringt die bis zu 350 kW (476 PS) zwar bei trockenen Bedingungen bestens auf die Straße, lässt aber bei rutschiger Piste auf Nässe, Eis oder Schnee schnell Lust an einem Allradler aufkommen. Der kostet mit dem Porsche Taycan 4S jedoch über 20.000 Euro mehr. Anders als die stärkeren Modelle ist das Basispaket des Taycan nur mit dem kleinen Akkupaket unterwegs. Die Batterien liegen zwar auch hier in einem zweistöckigen Modul zwischen den Achsen verborgen, sind jedoch nur mit 28 Modulen bestückt, während die größeren Modelle ihre elektrische Energie obligatorisch aus dem 93,4 kWh großen Paket beziehen. (Porsche 911 hätte auch gereicht: Ferrari-Besitzer bleibt nach Unfall auf Mietkosten für Lamborghini sitzen)

Fahraufnahme eines Porsche Taycan
Die Basisversion des Porsche Taycan leistet 280 kW (380 PS) – im Overboost sind es sogar 350 kW (476 PS). © Porsche / Daniel Wollstein

Porsche Taycan im Test: Tolle Fahrleistungen – doch an eine Sache muss man sich gewöhnen

So müssen im Basis-Taycan 79,2 kWh reichen und die meisten Kunden dürften mit den 400 Kilometern Reichweite gut hinkommen. Da aber die Reichweitenangst angesichts von Benzin- oder gar Dieselantrieben allgegenwärtig bleibt, dürften die meisten Interessenten mit dem 6.521 Euro großen Akkupaket liebäugeln, das einen bis zu 480 Kilometer weit kommen lässt. Gleich ist bei beiden Batteriepaketen die Systemspannung von 800 Volt. Der Normverbrauch des Basismodells: knapp 26 kWh pro 100 Kilometer. (Porsche-Praktikant designt 916er – Netz total aus dem Häuschen: „Bitte baut dieses Auto“)

Porsche Taycan im Test: Den Standardsprint absolviert das E-Auto in 5,4 Sekunden

Auf den Leistungsnachschlag des Porsche Taycan 4S mit seinen bis zu 570 PS kann man durchaus verzichten, denn der stärkere der beiden Basis-Taycan mit 476 statt 408 PS lässt trotz des Leergewichts von mehr als 2,1 Tonnen keine Gedanken an ein Leistungsdefizit aufkommen. Im Gegenteil: Die schwäbische Elektrolimousine schiebt gerade aus unterem und mittlerem Tempo schamlos an, denn statt der Normalleistung von 280 kW (380 PS) stehen bei Vollgas im Overboost eben bis zu 476 PS zur Verfügung. Aus dem Stand geht es in allemal guten 5,4 Sekunden auf Tempo 100 und bei 230 km/h ist Schluss mit lustig. Etwas blasser wird alles oberhalb von 180 km/h, denn hier machen ihm das massige Gewicht und der Elektromotor im Heck zu schaffen, der den Taycan nicht mehr so imposant nach vorne donnern lässt wie ein vergleichbares Verbrennermodell, also z. B. den Porsche Panamera 4S. (Kuriose Bezeichnungen von Automodellen: Den Vogel schießt Porsche mit dem Panamera ab)

Blick in den Innenraum des Porsche Taycan
Mit der Einführung der Basisversion erhielt der Porsche Taycan einige Aufwertungen – etwa ein farbiges Head-up-Display. © Porsche / Daniel Wollstein

Gewöhnen muss man sich an die Bremse: Wie bei anderen Elektromodellen wird die größte Bremsleistung durch Rekuperation übernommen, um Energie zurückzugewinnen. Die Rekuperation kann maximal 265 Kilowatt betragen. Heißt, dass die Bremsscheiben aus Grauguss erst dann zupacken, wenn es wirklich brenzlig werden könnte und man eine starke Verzögerung benötigt, um den Koloss zum Stoppen zu bringen. Der Übergang von der Rekuperation zur Bremsscheibe lässt sich mit etwas Feingefühl im Fuß durchaus spüren und gerade bei sportlichem Fahren muss man sich im Vergleich zu einer reinen Bremsscheibe etwas umgewöhnen.

Fahraufnahme eines Porsche Taycan
Die Bremse im Porsche Taycan ist gewöhnungsbedürftig – besonders bei sportlicher Fahrweise. © Porsche / Daniel Wollstein

Porsche Taycan im Test: Neuer On-Board-Lader ermöglicht Ladeleistung von bis zu 22 kW

Das Platzangebot des immerhin 4,96 Meter langen Taycan geht in Ordnung, ist aber alles andere als opulent. Während es vorne bequem zugeht, hat man im Fond zu kämpfen und längere Strecken sind groß gewachsenen Personen kaum zuzumuten. Der Kofferraum fasst 407 Liter und vorne gibt es ein weiteres Fach mit 84 Litern für Kleinkram wie Ladeuntensilien. Mit der Einführung des neuen Basis-Taycan legt Porsche einige Aufwertungen für die Baureihe auf: So bietet der Taycan nunmehr ein farbiges Head-up-Display und das lang ersehnte On-Board-Ladegerät mit einer Ladeleistung von bis zu 22 kW. Praktisch: Die Plug-&-Charge-Funktion erlaubt bequemes Laden und Bezahlen ohne Karte oder App, denn sobald das Ladekabel eingesteckt ist, kommuniziert der Taycan verschlüsselt mit der Ladestation und startet das Nachladen automatisch. Geladen werden kann mit einer Geschwindigkeit von bis zu 270 Kilowatt, womit bis zu 80 Prozent der Batterieladung in weniger als einer halben Stunde möglich sind.

Technische Daten Porsche Taycan
Motor/Getriebe/AntriebZwei permanenterregte Synchronmaschinen, Zweiganggetriebe, Hinterradantrieb
Leistung/Drehmoment280 kW (380) PS / 357 Nm
Vmax/0–100 km/h230 km/h / 5,4 s
Länge/Breite/Höhe4.963 / 1.966 / 1.379 mm
Leergewicht2.130 kg
Normverbrauch28,7 kWh
Ladevolumen84 Liter (vorne) / 407 Liter (hinten)
Basispreis83.520 Euro

Porsche Taycan im Test: Einige Funktionen lassen sich per Update auch nachträglich ordern

Die adaptive Luftfederung verfügt jetzt über eine Liftfunktion für Hofeinfahrten oder anspruchsvolle Tiefgaragen. Wenn eine Sonderausstattung vergessen wurde, lässt sich diese teilweise nachträglich ordern. Da dies drahtlos funktioniert, muss man nicht mal in die Porsche-Werkstatt, sondern kann diese Komfort- und Assistenzfunktionen „Over the Air“ nachbuchen („Functions on Demand“). Noch ist das in einem überschaubaren Rahmen und umfasst Funktionen wie die optionale Servolenkung Plus oder die nicht einmal serienmäßige aktive Spurführung. Wer meint, dass es mit 83.520 Euro oder inklusive des großen Akkus mit rund 90.000 Euro getan ist, der irrt. Mit Annehmlichkeiten wie Vollledersitzen, Sitzheizung im Fond oder verstellbarer Luftfederung kostet auch dieser Porsche Taycan real mehr als 100.000 Euro – so viel zum Thema Basismodell. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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