Elektro-SUV

Tesla Model Y: Ist das SUV schneller als ein Taycan?

Tesla Model Y fahrend auf einer Landstraße.
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Als SUV tritt das Model Y optisch eher dezent auf. Weniger zurückhaltend sind die Fahrdaten: So schafft es die Performance-Variante in 3,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100.
  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Bei Image und Börsenwert hat Tesla die etablierte Autowelt längst überholt. Doch gemessen an VW und Co ist der Elektro-Pionier noch immer ein Nischenhersteller. Mit dem Model Y will Firmenchefs Elon Musk das ändern - und setzt dabei mehr denn je auf Deutschland.

  • Das Model Y basiert auf dem Model 3
  • Die Fahrzeuge für den europäischen Markt sollen in Deutschland gebaut werden
  • Der Marktstart ist für 2021 geplant

München – Elon Musk ist auf dem Höhenflug - nicht nur, weil der Tesla-Chef mit seinen Weltraum-Missionen den Mars immer näherkommt. Sondern vor allem, weil er hier unten auf der Erde einen rasanten Aufstiegskurs fährt. In kaum mehr als zehn Jahren hat er der PS-Welt seinen Glauben an die Elektromobilität aufgezwungen und Tesla von einer visionären Bastelbude zu einem veritablen Automobilhersteller gemacht - nicht umsonst hat die Gesamtproduktion gerade die erste Million erreicht .Nun kommt auch das Model Y zum Laufen, das zum meistverkauften Tesla werden soll. Bei uns kommt der Hoffnungsträger erst im nächsten Sommer in den Handel, das Basismodell für geschätzte 45.000 Euro gibt es ebenfalls nicht vor 2021.

Tesla: Das neue Werk in Brandenburg soll das Model Y bauen

Weil Tesla die Autos für Europa in der Fabrik in Brandenburg bauen will, kommt der Hoffnungsträger frühestens Mitte nächsten Jahres über den Atlantik. Und damit das klappt, müssten sie in Grünheide so langsam mal die Betonmischer anwerfen. Wenn alles klappt, wie geplant, kann das Model Y zum Shooting Star auf der Electric Avenue werden und sich besser verkaufen als Model S, X und 3 zusammen.

Tesla
SitzPalo Alto, USA
Gründung2003
ChefElon Musk (CEO)
ModelleModel S, Model 3, Model X, Model Y
Verkaufte Fahrzeuge 2019368.000

Tesla Model Y: ordentlich Platz

Seine Größe zeigt das Model Y im direkten Vergleich mit dem Model 3. Sechs Zentimeter länger, sieben Zentimeter breiter und vor allem 18 Zentimeter höher. Bei etwa 4,75 Metern Länge und 1,63 Metern Höhe ist reichlich Platz in Immenraum. Auch in der zweiten Reihe haben Erwachsene deshalb genügend Knie- und Kopffreiheit, und mit der verstellbaren Rücklehne findet jeder eine bequeme Sitzposition. Zudem macht der Kofferraum seinem Namen diesmal alle Ehre: Die Klappe ist am Dach angeschlagen und entsprechend groß. und wenn man die Sitze flachlegt, passen über 1700 Liter hinter die Luke, den «Frunk» im Bug nicht mitgerechnet.

Technische Basis für das Model Y ist das Model 3, Von ihm übernimmt das SUV auch das ganz besonders aufgeräumte Ambiente mit dem riesigen Tabletcomputer als einzigem Anzeige- und Bedienelement, hinter dem man sich fast verloren fühlt. Aber um so besser ist der Ausblick - erst recht, weil man höher sitzt und durch größere Scheiben schaut. Und das Ein- und Aussteigen ist natürlich auch bequemer. Für beste Sicht nach allen Seiten sorgen zusätzlich Kameras.

Tesla Mode Y: Fahrleistungen wie ein Sportwagen

Auch der Antrieb wird vom Model 3 übernommen. Hier wie dort gibt es deshalb ein «Long Range»- und ein «Performance»-Model und später eine «Standard»-Version. Während letztere nur einen Motor an der Hinterachse bekommt und wohl keine 400 Kilometer Reichweite bieten wird, gibt es für die Modelle in der Startaufstellung pro Achse einen Motor und größere Akkus: Für den 58.620 Euro teuren Long Range verspricht Tesla deshalb bis zu 505 Kilometer WLTP-Reichweite und für das noch einmal 7.000 Euro teurere Performance-Modell einen Sprint von 0 auf Tempo 100 in 3,7 Sekunden sowie eine Spitzengeschwindigkeit von 241 km/h, mit der man allen anderen Elektroautos aus europäischer Produktion – abgesehen vom Porsche Taycan – locker und lässig davonfährt. Dafür sind aber nur 480 Kilometer drin. In der Beschleunigung kann aber zumindest das Performance-Modell den Basis-Taycan (4S) schlagen, der 4,0 Sekunden braucht, um Tempo 100 zu erreichen. Die Taycan-Versionen Turbo und Turbo ziehen aber mit 3,2 respektive 2,8 Sekunden davon.

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2020 Tesla Model Y ❤️

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Zwar spürt man das stolze Gewicht und den etwas höheren Schwerpunkt. Doch ist das Model Y nicht nur schneller als kommende Konkurrenten wie der BMW iX4 sowie der VW ID4 und seine Plattformbrüder bei Audi, Škoda und Seat. Sondern er ist auch überraschend sportlich abgestimmt. Die Lenkung direkt, das Fahrwerk straff - so sorgt auch E-Mobilität für jede Menge Fahrspaß.

Abzug bekommt das Model Y allerdings in der B-Note. Denn für ein Auto dieser Preisklasse wirken die Materialien etwas unzulänglich. Der Lack hat unterschiedliche Farbtöne und die Fugen im Blech oder an den Kunststoffkonsolen einen bisweilen eher willkürlichen Verlauf. Aber auch das soll sich bald ändern - mit deutscher Hilfe. Nicht umsonst kann Tesla das Auto, bei Berlin gebaut, mit dem Gütesiegel «Made in Germany» schmücken.

Sein nüchternes Ambiente hat das Model Y vom Model 3 übernommen.

Tesla Model Y: Hoffnungsträger mit Hindernissen

Auf Reichweite optimiert, schafft das Model Y bis zu 505 Kilometer, braucht für den Standardsprint 5,1 Sekunden und kommt auf bis zu 217 km/h. Wer mehr Wert auf Perfomance legt, fährt schneller, aber dafür nicht so weit: 480 Kilometer stehen dann auf dem arg lückenhaften Datenblatt, das Tesla sich entlocken lässt. Und tiefer in die Tasche greifen muss man obendrein: Aktuell ruft Tesla 58.620 und 65.620 Euro auf – von denen aber erstmal nur 2.000 Euro angezahlt werden müssen. Wirklich spannend wird es aber erst 2022 mit dem Standardmodell. Das hat zwar nur noch einen Motor und eine WLTP-Reichweite von knapp 400 Kilometern, wird aber nur noch rund 45.000 Euro kosten. Selbst wenn dann ein paar Details aus der langen Optionsliste auf der Strecke bleiben dürften, könnte dieser Tarif – erst recht mit der neuen Kaufprämie für Elektrofahrzeuge Förderung – zum einen starken Argument für das Model Y werden.

Dass die Amerikaner das Auto in Deutschland produzieren wollen, könnte ihnen zudem einen Vorteil auf dem europäischen Markt verschaffen. Doch hat die Sache einen Haken: Weil die Fabrik erst im nächsten Jahr fertig wird, sind die Konkurrenten zum ersten Mal vor Tesla auf dem Markt und der Vorreiter muss das Feld von hinten aufrollen. Und dass VW und Co statt halbherziger Umbauten jetzt auch dezidierte E-Autos ins Rennen schicken, wird die Sache nicht leichter machen.

Mit Material von Benjamin Bessinger (SP-X) und dpa

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