Skoda Scala 1.0 G-Tec im Test

Skoda Scala mit Erdgasantrieb: Warum der Tscheche nicht für jeden die richtige Wahl ist

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Der Abschied vom Erdgasantrieb im VW-Konzern scheint besiegelt – der Skoda Scala unternimmt aber nochmal einen Versuch, Kunden davon zu überzeugen. Das dürfte nicht einfach werden.

  • Der Skoda Scala 1.0 G-Tec hat einen bivalenten Antrieb: er fährt mit Erdgas und Superbenzin
  • Von außen sieht man dem tschechischen Kompaktmodell die ungewöhnliche Antriebsart nicht an
  • Der verbaute 1,0-Liter-Dreizylinder-Motor ist nicht für jeden Kunden die richtige Wahl

Mladá Boleslav – Abgesehen von dem kleinen G-Tec-Schriftzug am Heck des Skoda deutet nichts auf den bivalenten Antrieb des im tschechischen Mladá Boleslav gebauten Kompaktklassemodells hin, denn die Tanks liegen versteckt im hinteren Unterboden. Bei genauerem Hinsehen ist in der rechten oberen Ecke der Heckscheibe noch ein CNG-Aufkleber zu erkennen, dessen nähere Bedeutung sich einem kaum erschließt. Und bei der Vielzahl an wirren Nomenklaturen muss man zunächst überlegen, was G-Tec im Detail bedeuten könnte. Doch während man allgemein dachte, die Erdgasära wäre auch im Hause Volkswagen und den verschiedenen Konzernmarken im Rahmen der gewaltigen Elektroinitiative beendet, irrt.

Skoda (Dramatisches Video: Führerloser Škoda Fabia rast auf Menschengruppe zu – dann passiert DAS) bietet seine beiden vergleichsweise neuen Modelle Skoda Scala und Skoda Kamiq ab dieser Saison nunmehr auch mit Erdgasantrieb an und verleiht ihnen hierfür die Bezeichnung G-Tec. An sich ist der Erdgasantrieb ein Relikt aus einer vergangenen Zeit der automobilen Fortbewegung. Von vielen insbesondere durch geringe Kosten und die günstige Umweltbilanz immer wieder als ernsthafte Alternative zu Benzinern und Diesel heraufbeschworen, bekamen die Erdgasantriebe weder bei Privatkunden noch im Flottengeschäft eine echte Chance. Opel versuchte es vor zwei Jahrzehnten, seine Erdgas-Zafiras bei den Taxlern unterzubringen. Doch selbst üppige Tankgutscheine brachten die Taxifahrer zwischen Kiel und Garmisch nicht dazu, langfristig vom Diesel auf Erdgas umzusteigen; von den Privatkunden ganz zu schweigen. Selbst BMW und Mercedes versuchten sich in kleinen Auflagen mit Erdgasmodellen – der Erfolg war kein solcher und so verabschiedete man sich obschon es in einigen südeuropäische Ländern bessere Marktdurchdringungen für die Gasmodelle gab.

Von außen deutet bis auf den Schriftzug am Heck nichts auf den bivalenten Antrieb des Skoda Scala G-Tec hin.

Skoda Scala G-Tec: der 1,0-Liter-Dreizylinder-Motor lässt sich mit Erdgas oder Superbenzin betreiben

Als einer der letzten war Volkswagen übrig und bot einzelne Modelle von VW, Seat, Skoda und Audi in kleinen Volumina mit Erdgasantrieb an. Die Fahrzeuge waren mit einem Benzin- und einem entsprechenden Gastank ausgestattet. Vorrangig fuhr man im Erdgasbetrieb durch die Lande und wenn dieser Kraftstoff verbrannt war und eine Erdgastankstelle fehlte, war man durch den normalen Benzintank weiterhin mobil. Ebenso sieht es beim neuen Skoda Scala aus. Auch dieser hat zwar nicht wie ein Hybridmodell die Kraft der zwei Herzen, aber zumindest die Möglichkeit, im Motor wahlweise Erdgas oder Superbenzin zu verbrennen.

Den Skoda Scala gibt es auch als Erdgas-Version – der Dreizylinder läuft allerdings recht rau.

Für den Antrieb sorgt der bekannte ein Liter große Dreizylinder, der im Skoda Scala G-Tec überschaubare 66 kW (90 PS) und ein maximales Drehmoment von 160 Nm leistet. Wer flott oder gar schnell auf längeren Strecken unterwegs ist, sollte vom Scala G-Tec daher die Finger lassen, denn der Dreizylinder ist insbesondere unter Lastanforderungen nicht nur laut, sondern auch deutlich zäher als vergleichbare Dieselmotoren. Zudem sind 90 PS das geringste der Gefühle mit was man in dieser Klasse unterwegs sein sollte. Weniger als 120 PS sollten es an sich nicht sein, denn der 4,36 Meter lange und knapp 1,4 Tonnen schwere Skoda Scala bietet mehr als genügend Platz für vier Insassen (notfalls auch fünf) und mit entsprechender Beladung möchte man mit dem rauhen Dreizylinder nicht unterwegs sein. Darüber hilft einem auch der sparsame Verbrauch von 3,5 Kilogramm auf 100 Kilometern nicht weg, was einem CO2-Ausstoß von 95 g auf 100 Kilometern entspricht. Die Höchstgeschwindigkeit: 182 km/h. Was kaum überraschen mag: ab 150 km/h wird es zäh. Die Tank im Unterboden schlucken 13,8 Kilogramm Erdgas und notfalls hilft der zusätzliche Benzintank, der jedoch nur neun Liter Rückfallreserve bietet.

Schluckt Erdgas und Benzin: der 1,0-Liter-Dreizylinder im Skoda Scala G-Tec.

Skoda Scala G-Tec: Warum das Auto nicht für jeden die richtige Wahl ist

Zudem hat man keine Wahlmöglichkeiten, wenn man beim Skoda Scala auf G-Tec setzt. Es gibt nur 90 müde PS und eine Sechsgang-Handschaltung. Mehr Leistung oder ein automatisiertes Getriebe wie die beliebte Siebengang-Doppelkupplung sucht man aufgrund der gering gehaltenen Varianz vergeblich und so sollte man sich sehr schnell darüber einig sein, dass ein sparsamer Benziner oder gar ein Diesel die bessere Wahl ist. Den gibt es wahlweise mit ebenfalls schmalen 90 PS oder deutlich besser mit 115 oder gar 150 PS. Und wer noch effizienter unterwegs sein will, kann sich auch für den Skoda Scala 1.6 TDI mit 85 kW (115 PS) entscheiden, der wahlweise mit Sechsgang-Handschaltung oder einem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe gerade einmal 4,0 Liter Diesel auf 100 Kilometern benötigt und deutlich mehr Durchzug und Drehmoment bietet.

Skoda Scala G-Tec: so viel kostet das Erdgasauto in der Basisausstattung

Wie seine Brüder mit Benzin- oder Dieselantrieb bietet der Skoda Scala ein gefälliges Äußeres, Platz für bis zu fünf Personen und ein Ladevolumen zwischen 467 und 1.410 Litern. Die vergleichsweise karge Serienausstattung des mindestens 22.200 Euro teuren Skoda Scala G-Tec lässt sich mit Ausstattungspaketen wie Dynamic und Emotion (489 bzw. 1.330 Euro) sowie verschiedenen Einzeloptionen aufwerten, sodass ein gut ausgestatteter Scala G-Tec sogar die 30.000-Euro-Marke durchbricht. Sinnvoll sind dabei allemal Details wie anklappbare Außenspiegel (180 Euro), elektrische Heckklappe (350 Euro), 17-Zoll-Alufelgen (190 Euro) oder die verschiedenen Fahrerassistenzsysteme, die es einem im Alltag sicherer und komfortabler machen. So kann es der Skoda Scala locker mit Kompaktklassemodellen der Konkurrenz wie dem Renault Mégane, Opel Astra oder selbst dem übermächtigen VW Golf aufnehmen, mit dem er sich Antrieb und Komponenten teilt. Doch ob es beim Skoda Scala unbedingt ein Gasantrieb sein muss, das sollte sich jeder Kunde gut überlegen.

Technische Daten Skoda Scala 1.0 G-Tec
Motor1,0-Liter-Dreizylinder mit Turboaufladung
Leistung / Drehmoment66 kW (90 PS) / 160 Nm ab 3.600 U/min
Höchstgeschwindigkeit182 km/h
Kofferraumvolumen467 bis 1.410 Liter
Leergewichtab 1.310 kg
Normverbrauch3,5 kg CNG pro 100 km
Basispreis22.200 Euro

Von Stefan Grundhoff (press-inform)

Rubriklistenbild: © Skoda

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