1. 24auto
  2. Tests
  3. Fahrbericht

Škoda Octavia Combi RS Diesel: Er will sportlich sein, doch eine Sache passt nicht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marcus Efler

Škodas RS-Modelle gelten als bezahlbare Rennsemmeln. Beim Octavia mit Zweiliter-Dieselmotor stört allerdings eine Schwäche den sonst guten Gesamteindruck.

Mladá Boleslav (Tschechien) – Um mit dem Besten zu beginnen: der Škoda Octavia Combi RS 2.0 TDI im Farbton Race Blau Metallic und dem schwarzen Kühlergrill macht was her. Ein schickes Auto, bei dem auch der Fahrer eines BMW X5 sich neugierig aus dem Fenster lehnt. Die optionalen 19-Zoll-Walzen, das RS-Logo, der schwarze Kühlergrill und das Sportfahrwerk, dank dem die Karosserie des Octavia Combi 15 Millimeter tiefer über dem Asphalt kauert, signalisieren, dass hier kein gewöhnlicher Dienstwagen-Favorit steht. Auch sonst liefert das Auto alles, was man an den Fahrzeugen der tschechischen Volkswagen-Tochter schätzt: viel Platz, eine tadellose Verarbeitung, aktuelle VW-Technik. (Škoda Enyaq iV 80 im Test: Stromer kommt mit kraftvollem Auftritt und solidem Ambiente)

Beim Lupfen der Motorhaube relativiert sich der selbstbewusste Auftritt des Tschechen aber ein wenig: Anstelle eines trainierten Vierzylinder-Benziners, vielleicht sogar mit Hybridmodul, werkelt ein mit vier Töpfen bestückter Turbodiesel, der auch im Škoda Octavia Scout und verschiedenen anderen Modellen des VW-Konzerns zum Einsatz kommt.

Škoda Octavia Combi RS TDI von vorne seitlich, stehend
Macht was her: Der Škoda Octavia Combi RS TDI in Race Blau Metallic. © Wolfgang Gomoll

Škoda Octavia Combi RS Diesel: Er will sportlich sein – aber ein Detail passt nicht

Das Datenblatt verheißt trotzdem ansprechende, wenn auch nicht überragende Fahrleistungen. Der 200 PS starke, 1.684 Kilogramm schwere Octavia RS erreicht nach 6,8 Sekunden aus dem Stand 100 km/h, und ist bis zu 238 km/h schnell. Das maximale und durchaus ordentliche Drehmoment von 400 Newtonmetern liegt bereits bei 1.750 U/min an, und bleibt bis 3.500 U/min erhalten. Klingt nach souveränem Schub aus dem Drehzahlkeller. Nur ist dem leider nicht wirklich so: Unterhalb von etwa 2.200 Umdrehungen spürt man wenig von einem RS-Athleten. Dafür umso mehr von der als Turboloch bekannten Antrittsschwäche. Vor allem in den Fahrmodi Eco, Comfort und Normal gönnt sich der Octavia Combi RS 2.0 TDI eine merkliche Atempause, ehe sich der Antriebsstrang zum Vortrieb entschließt. Am besten kaschiert das Sport-Programm im Zusammenspiel mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe den Malus – oder man nimmt das Schalten per Lenkrad-Wippen selbst in die Hand. (E-Autos überholen Diesel-Zulassungen – diese zwei Kundengruppen wechseln am liebsten)

Škoda Octavia Combi RS TDI von vorn
Ganz schön sportlich: Schwarzer Grill mit RS-Logo © Wolfgang Gomoll

Der Škoda Octavia Combi RS Diesel klingt nach mehr

Allerdings gaukelt einem der Sound einen Sechszylinder vor. Wir haben den Pseudo-Klang lieber deaktiviert und uns über die gute Dämmung des Diesel-Aggregates gefreut. Das ausgewogene Fahrwerk verkraftet eine etwas forciertere Fahrweise und gehört zu den Pluspunkten des Octavias. Mit den individuell verstellbaren Dämpfern kann man sich den Komfort nach Belieben konfigurieren, aber selbst im Sportmodus wird der familienfreundliche Kombi nicht zum brettharten Steißbeinkiller. (Škoda Octavia plötzlich ein Feuerball – 34-Jährige entkommt Flammen-Hölle durch richtige Reaktion)

In Kurven bleibt er lange neutral und empfiehlt dem Fahrer mit einem Scharen der Vorderräder freundlich, entweder den Lenkwinkel zu ändern oder Tempo rauszunehmen. Die Lenkung lässt den Fahrer zwar am Geschehen zwischen Fahrbahnoberfläche und Reifengummi teilhaben, aber könnte das noch deutlicher tun. In den bequemen Sportsitzen absolviert man auch lange Strecken problemlos, und wenn es mal engagierter um die Ecken geht, stützen die Wangen den Oberkörper ausreichend. (Audi Q4 e-tron: Der Edel-Zwilling von VW ID.4 und Škoda Enyaq – das macht er anders)

Innenraum des Škoda Octavia
Wertiges Interieur mit dem Digital-Cockpit aus dem VW-Regal. © Skoda Auto
Technische Daten Škoda Octavia Combi RS 2.0 TDI
Motor/Getriebe/Antrieb2,0l-Vierzylinder-Diesel, 7-Gang-Automatik, Front-oder Allrad
Leistung/Drehmoment147 kW (200 PS) / 400 Nm bei 3.500 U/min
Länge/Breite/Höhe4.702 / 1.829 / 1.454 mm
Vmax/0–100 km/h238 km/h / 6,8 s
Ladevolumen640 Liter (umgeklappt 1.700 Liter)
Normverbrauch5,0 l/100 km
CO2-Ausstoß133 g/km
Basispreis39.639 Euro

Der Škoda Octavia Combi RS Diesel hat einen Preis, der manchen überraschen dürfte

Ansonsten spielt der Škoda Octavia auch in der Diesel-RS-Variante die bekannten Stärken der Marke aus. Das Infotainment ist klar bedienbar, die Einbindung des Smartphones via Apple CarPlay oder Android Auto funktioniert reibungslos. Das Head-up-Display ist Teil des Infotainmentpakets Columbus Plus für 2.490 Euro (in dem interessanterweise auch die elektrische Heckklappe enthalten ist). Es verzichtet auf die große Show, verrichtet seine Arbeit zuverlässig und beschränkt die Anzeigen auf das Wesentliche. Allerdings hatte der Testwagen mit 52.199 Euro auch einen Preis, der nicht so ganz zu Škodas Schnäppchen-Image passt. (Neuer Škoda Fabia vorgestellt: Verpassen die Tschechen einen Trend?)

Als Allrad kostet das Modell mindestens 43.010 Euro; wem Frontantrieb reicht, bekommt das Basismodell für unter 40.000 Euro. Unterm Strich ist der Škoda Octavia Combi RS 2.0 TDI ein grundsolides Auto, in dem man auch lange Strecken entspannt absolvieren kann, und der gerade bei den Dienstwagenfahrern seine Freunde finden wird. Allerdings verwenden viele Automarken das Sportlichkeits-Attribut fast schon inflationär. Auch bei diesem Modell, zu dem das Kürzel RS eben nur bedingt passt. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

Auch interessant

Kommentare