1. 24auto
  2. Tests
  3. Fahrbericht

Range Rover Velar P250 S im Test: Reicht beim Premium-SUV der Einstiegsbenziner?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sebastian Oppenheimer

Zum Start als Designikone gefeiert, bleibt der Range Rover Velar bisher hinter den Verkaufserwartungen zurück. Wir haben den Einstiegsbenziner getestet.

Coventry – Der Range Rover Velar ist ein schicker Crossover – und was für einer. Größer als der Evoque, kleiner als der exklusive Range Rover und mit jeder Menge Komfort- und Sicherheitsausstattung ist er für viele die ideale Lösung unter den Premium-SUV. Trotzdem bleibt der Velar seit seiner Premiere hinter den Verkaufserwartungen zurück. Am Design wird es kaum liegen und auch das Antriebsportfolio ist groß genug. Jedoch ist der Preis durchaus ein Thema, denn unter 60.000 Euro ist selbst bei der Basisversion kaum etwas zu machen. Während sich in Europa gerade die drehmomentstarken Diesel einer großen Nachfrage erfreuten, setzen die Amerikaner durchweg auf Benziner. Das Basismodell des Range Rover Velar P250 AWD ist jedoch auf beiden Märkten weitgehend identisch. (Range Rover Velar jetzt auch als Hybrid – das hat der Fahrer davon)

Ein Range Rover Velar P250 S
Unter der Haube des Range Rover Velar P250 S werkelt ein Zweiliter-Vierzylinder-Benziner mit 184 kW (250 PS). © press-inform

Range Rover Velar P250 S im Test: Reicht beim Premium-SUV der Einstiegsbenziner?

Angetrieben wird der zwei Tonnen schwere SUV von einem nur zwei Liter großen Vierzylinderturbo mit 184 kW / 250 PS. Aus dem Stand schiebt das Zylinderquartett den Allradler in 7,5 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 217 km/h. Der Normverbrauch ist keine Versuchung, sich für den Einstiegsbenziner zu entscheiden, denn 9,6 Liter Super sind nicht gerade wenig für die gebotenen Fahrleistungen. In der Realität sieht es je nach Fahrprofil und Belastung noch anders aus. In den Höhen von Colorado war unter 12,5 Litern Super nichts zu machen. Zu viel für 250 PS und insbesondere zu viel für einen Vierzylinder. Klasse: Der Tank fasst 82 Liter. (Mit Range Rover durch Fluss – geht dieser James-Bond-Versuch gut?)

An die Geräuschdämmung des Topmodells Range Rover kommt der 4,80 Meter lange Velar schon wegen der fehlenden Dämmglas-Ausstattung nicht heran und so tönt der aufgeladene Vierzylinder im Vorderwagen gerade unter Last alles andere als sonor. Im Teillastbetrieb arbeitet er leise und spricht direkt auf die Beschleunigungswünsche des Fahrers an. Jedoch setzt ihm nicht nur in den Bergen des US-Bundesstaates Colorado die Höhe zu. Bereits in Denver ist man 1.700 Meter hoch, um sich Richtung Vail und Grand Junction auf über 3.300 Metern zu bewegen – da gibt es für die Turboaufladung auch mit 365 Nm maximalem Drehmoment und einer sehr gut arbeitenden Achtgang-Automatik viel zu tun, damit der Velar weiter so souverän fährt, wie er aussieht. Schnell wird klar: Ein Sechszylinder wäre in dieser Liga die deutlich bessere Wahl, doch die zusätzlichen Brennkammern bietet der Velar nur als 400 PS starkes Topmodell. (Versicherungen langen zu: Diese Automodelle werden deutlich teurer)

Ein Range Rover Velar P250 S
Die Preise für den Range Rover Velar P250 S beginnen bei 64.455 Euro. © press-inform

Range Rover Velar P250 S im Test: Schicker Innenraum, zu hohe Sitzposition

Gewohnt schick ist der Innenraum des Briten. Die Sitzposition ist etwas zu hoch, doch die Ledersitze sind sehr bequem und lassen sich vielfältig verstellen. Das Arrangement der beiden Touch-Bildschirme in der Mittelkonsole gehört mit zum Besten, was derzeit in der Automobilbranche zu bekommen ist. Drehen, drücken, tasten und stellen – alles geschieht sehr intuitiv und sieht einfach gut aus. Die beiden Bildschirme sind komplementär zueinander: Wenn oben die Navigation läuft, können unten die Klimaanlage reguliert oder die Musikquelle ausgewählt werden. Lediglich die betagten Analoguhren hinterm Lenkrad stören. (Land Rover Defender V8 im Test: Souveräner Kraxler und Reise-SUV in einem)

Die Materialien sind schick, die Oberflächen edel und die Verarbeitung ist durchweg gut. Der Range Rover Velar ist dank seines Radstandes von 2,87 Metern nicht nur etwas für die erste Reihe. Auch im Fond lässt es sich bequem reisen und durch die US-Crashvorschriften sind die Fondkopfstützen deutlich größer und höher als in Europa. Die wollen wir gerne auch hier. Sehr angenehm: Die Neigung der Rückenlehne lässt sich elektrisch verstellen – das gefällt auch Kindern und Mitreisenden, die in der zweiten Reihe einmal die Augen schließen wollen. Der Laderaum fasst hinter der elektrischen Heckklappe stattliche 673 Liter, die sich durch Umklappen der Rückbank auf bis zu 1.731 Liter erweitern lassen.

Blick ins Cockpit eines Range Rover Velar
Die Materialien im Range Rover Velar sind schick, die Oberflächen edel und die Verarbeitung durchweg gut. © Nick Dimbleby/Range Rover

Range Rover Velar P250 S im Test: Digitale Instrumente erst ab SE-Ausstattung

In der Ausstattung S ist der Velar nicht üppig, jedoch auch nicht karg ausgestattet. So gibt es LED-Scheinwerfer, elektrische Ledersitze, abblendbare Spiegel, 19-Zoll-Aluräder und eine elektrische Heckklappe. Etwas überrascht blickt der Fahrer jedoch auf analoge Instrumente, die auch aus den späten 1980er-Jahren stammen könnten, denn das animierte Fahrerdisplay gibt es erst ab der zweiten Ausstattungsvariante SE. Gleiches gilt für einige der Fahrerassistenzsysteme, denn der mindestens 64.455 Euro teure Range Rover Velar S bietet nur einen Tempomaten sowie Totwinkel- und Spurhalteassistent. Der sinnvolle Abstandstempomat ist ebenfalls erst ab SE-Ausstattung an Bord. Bei den US-Modellen ebenfalls serienmäßig: 19-Zoll-Alufelgen, Navigationssystem und das große Panoramadach, das viel Licht in den Innenraum bringt.

Technische Daten Range Rover Velar P 250 S
Motor/Getriebe/AntriebVierzylinder-Benziner / 8-Gang-Automatik / Allrad
Leistung/Drehmoment184 kW (250 PS) / 365 Nm ab 1.300 U/min
Vmax/0–100 km/h217 km/h / 7,5 s
Länge/Breite/Höhe4.803 / 2.032 / 1.665 mm
Leergewicht1.950 kg
Ladevolumen673 bis 1.731 Liter
Normverbrauch9,6 l/100 km
CO2-Ausstoß215 g/km
Preis64.455 Euro

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Der Range Rover Velar teilt sich seine Architektur, die zu 80 Prozent aus Aluminium besteht, mit dem Konzernbruder Jaguar F-Pace. Sein Leergewicht von über zwei Tonnen lässt sich kaum überspielen und das macht sich gerade bei flotter Gangart oder in schnellen Kurven bemerkbar, in denen der Allradler spürbar nach außen drückt. Die Lenkung ist sehr leichtgängig, aber durchaus präzise. Das Aluminium-Fahrwerk hat eine Vorderachse mit Doppelquerlenkern und einer Integrallenker-Achse hinten. Der im Vergleich zum Range Rover niedrige Schwerpunkt macht sich in schnell gefahrenen Kurven angenehm bemerkbar.

Ein Blick in den Laderaum des Range Rover Velar
Der Laderaum im Range Rover Velar schluckt stattliche 673 Liter, mit umgeklappter Rückbank sind es sogar bis zu 1.731 Liter. © Nick Dimbleby/Range Rover

Range Rover Velar P250 S im Test: Torque Vectoring per Bremseingriff

Auf Wunsch gibt es für knapp 1.700 Euro eine variable Luftfederung, die jedoch nicht unbedingt sein muss. Wird es dynamisch, macht sich der niedrige Schwerpunkt zusammen mit dem intelligenten Allradantrieb bemerkbar. Der Velar ist mit einer variablen Drehmomentverteilung unterwegs. Das System verteilt das Drehmoment je nach Fahrsituation mit Hilfe eines Torsen-C-Differentials an die jeweilige Achse – bis zu 100 Prozent. Zum Beispiel wird auf der Autobahn die ganze Kraft nach hinten geleitet, wobei die Vorderachse nicht komplett abgekoppelt wird. Das Torque Vectoring realisiert der Velar über Bremseingriffe an den einzelnen Rädern. Wer will, kann den Velar daher durchaus dynamisch bewegen – egal auf welchem Untergrund – und von einem Sechszylinder träumen. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

Auch interessant

Kommentare