Auch in Europa zu haben

Pick-up-Rambo RAM 1500 TRX im Test: Gewaltige Leistung für gewaltigen Preis

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Als ob ein US-amerikanischer Full-Size-Pick-up nicht schon Monster genug wäre, setzt RAM mit seinem Topmodell noch einen drauf. Der RAM 1500 TRX nötigt Respekt ab – auch in Europa.

München – Geht es über die Straßen von München, mag man seinen Augen kaum trauen. Dort wo sich sonst kein Mensch nach einem Lamborghini Huracán oder einem Porsche 911 Turbo umdreht, sorgt der RAM 1500 TRX für mächtig Aufsehen. Es wird nicht zuletzt an seinen gigantischen Dimensionen liegen, denn wenn er – 5,94 Meter lang und 2,09 Meter hoch – in die Straße einfährt, wird es in der näheren Umgebung dunkel. Wie ein gewaltiger Adler, der seine Flügel spreizt, nimmt der RAM die Umgebung umfänglich für sich ein. Die Leute gucken, staunen, recken den Daumen hoch oder schütteln erbost den Kopf. Wie kann man es wagen in der heutigen Zeit, in der der ökologische Fußabdruck den Rahmen des alltäglichen Lebens vorgibt, ein solch gewaltiges Ungetüm zu bewegen? Zu kaufen gibt es den Koloss auf vier Rädern nicht beim Fiat-Händler um die Ecke, sondern Importeur AEC holt das Kampfungetüm nach Europa. An Nachfrage dürfte es kaum fehlen.

Der RAM 1500 TRX ist ein wahrer Koloss – und spurtet mit seinen 711 PS dennoch in weniger als fünf Sekunden auf Tempo 100.

Pick-up-Rambo RAM 1500 TRX im Test: Gewaltige Leistung für gewaltigen Preis

Der RAM 1500 ist als direkter Wettbewerber von Ford F-150 und Chevrolet Silverado die Nummer drei auf dem wichtigsten Pick-up-Markt der Welt, den USA. Nachdem die Sportversion des Ford F-150 Raptor schon vor Jahren in Nordamerika prächtig eingeschlagen ist und selbst in der bissigen Rennversion mehr Verkäufe generiert als eine Corvette oder die gesamte Porsche-Palette in den USA, war Dodge als kräftigster Arm im neu erschaffenen Stellantis-Konzern unter Druck. Der RAM bekam mit dem TRX ebenfalls einen Bodybuilder – und was für einen. Wenn der RAM TRX irgendwo aufläuft, sind alle anderen leise. An der Ampel nebenan, hält eine Mittvierzigerin im blauen Range Rover den Daumen hoch. Ein paar Meter weiter muss ein Vater seinem Jungen erklären, dass er dem Monster-Pick-up bitte nicht nachschauen soll. Der eigene VW Sharan sei doch auch prima. (Ford F-150 Hybrid als Stromgenerator: Spontaner Trick rettet Texaner in Extrem-Kältewelle)

Der fast sechs Meter lange RAM TRX polarisiert – und wie. Dafür sorgen nicht allein 35-Zöller auf den Achsen mit martialischen Stollenreifen und die wilde Kriegsbemalung, die die Sportversion zur Schau trägt. Natürlich donnert der überdimensionale Lademeister beim Start aus den zwei Endrohren, dass es nur so kracht. Dem 6,2 Liter großen Achtzylinder wird durch einen Kompressor der Odem eines Urknalls eingehaucht – kein Wunder, dass das nicht bei allen auf Zuspruch stößt. Es gibt keinen Neid, wenn man durch die City fährt, sondern eher Empörung, völliges Unverständnis und man hat Angst um das eigene Fahrzeug, denn auf einer schmalen Abbiegespur scheint der RAM seinen Nachbar zu erdrücken. (Sleipnir: Diesen Offroad-Bus stoppen selbst Gletscher nicht – aber er braucht richtig Sprit (Video))

Im Innenraum zeigt der RAM 1500 TRX, dass er die Zeiten mäßiger Verarbeitung hinter sich gelassen hat.

Pick-up-Koloss RAM 1500 TRX im Test: 6,2-Liter-V8 aus der Dodge Challenger SRT Hellcat

Mehr Laune macht der US-Boy außerhalb der Stadt. Quer über die Dörfer und die Stimmung wird gleich besser. Hier wird geschaut, aufgeblickt, gestaunt und applaudiert. Obwohl man dem TRX kaum vorwerfen kann, etwas von einer Landmaschine zu haben, denn mit einem normalen Full-Size-Pick-up, in den USA nur Truck genannt, hat der Nordamerikaner kaum etwas gemein. Das 6,2 Liter große V8-Triebwerk stammt aus der legendären Dodge Challenger SRT Hellcat und so bollert der RAM 1500 TRX mit seinen 527 kW (711 PS) durch die Landschaft und lasst sich von kaum etwas aufhalten. Das liegt nicht zuletzt an einer Bodenfreiheit von stattlichen 30 Zentimetern und einer Wattiefe von gut 80 Zentimetern, mit der sich auch ein kleiner Fluss jederzeit ohne Angstschweiß durchqueren lässt. Die ein oder andere Isar-Durchfahrt wäre damit kein Problem. (Mercedes-Benz G-Klasse: Klon viel günstiger als Original – Force Motors Gurkha kostet nur Bruchteil)

Der 2,5 Tonnen schwere Allradgigant spurtet aus dem Stand in unter fünf Sekunden auf Tempo 100 und schafft eine Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h. Ohne die rustikalen Stollenreifen wären es fraglos noch einige km/h mehr. Der Durst pendelt sich je nach Fahrweise zwischen 19 und 23 Litern ein – kommt ganz darauf an, wie locker man es mit dem Gasfuß nimmt. Und so freut man sich nicht nur über ein bollerndes Triebwerk, das an der Ampel dank fehlender Start-Stopp-Automatik nicht ausgeht, sondern auch einen 125-Liter-Tank, der einen akzeptablen Aktionsradius garantiert. Solide im Hintergrund arbeitet dabei die Achtstufen-Automatik, die über eine manuelle Schaltebene und mächtige Schaltpedale am Lederlenkrad verfügt. Aufgrund des gigantischen Drehmoments von mehr als 800 Nm gibt es jedoch keinerlei Grund, manuell in die Gangwahl einzugreifen. (Neuer Jeep Grand Cherokee: Diese Ausstattung für Eltern von kleinen Kindern ist genial)

Der RAM 1500 TRX kommt mit mächtigen 35-Zoll-Stollenreifen zu den Kunden.

Pick-up-Koloss RAM 1500 TRX im Test: Sportfahrwerk von Bilstein

Das straffe Sportfahrwerk aus dem Hause Bilstein sorgt dafür, dass die Motorleistung auch artgerecht in Vortrieb umgewandelt werden kann. Adaptiv passen sich die Dämpfer genau wie die verschiedenen Fahrprogramme den Wünschen des Fahrers und den Gegebenheiten des Unterbodens an. Damit ist der TRX stramm, aber nicht allzu hart und fängt auch bei Bodenunebenheiten nicht vorschnell an zu hüpfen oder zu trampeln. Angenehmer Nebeneffekt: So halten sich trotz des hohen Schwerpunkts auch bei flotter Gangart Nick- und Wankbewegungen im Rahmen. Etwas mehr Biss würde man sich von den Bremsen wünschen, die gerade bei höheren Tempi kräftiger verzögern könnten.

Pick-up-Koloss RAM 1500 TRX im Test: Solide Verarbeitung im Innenraum

In seinem Innenraum zeigt der Edel-RAM, dass die Zeit billiger Verkleidungen und mäßiger Verarbeitung längst vorbei ist. Das ein oder andere Bedienelement ist sportlich-verspielt, aber solide verarbeitet. Die Sitze sind vorne wie hinten komplett klimatisiert und lassen sich vorne zudem elektrisch justieren. Das Platzangebot hinter dem Steuer ist durch die üppig dimensionierte Doppelkabine und 3,69 Meter Radstand dabei genau so groß wie in der zweiten Reihe. Die Ablagen sind ausreichend groß und zahlreich wobei unter der klappbare Mittelarmlehne vorne wohl auch ein kleiner Kasten Bier seinen Platz finden würde, wenn es mit den Jungs zum nächsten Wochenendtrip in die Berge geht. Nicht viel kleiner ist der zwölf Zoll große Hochkant-Touchscreen, über den sich alle wichtigen Funktionen problemlos bedienen lassen. Auf der Höhe der Zeit ist auch das Head-up-Display, das den Fahrer jederzeit über gigantische Hutzenhaube auf die Fahrbahn blicken lässt.

Technische Daten RAM 1500 TRX
Motor/Getriebe/Antrieb6,2-Liter-V8 mit Kompressoraufladung, Achtgangautomatik, Allradantrieb
Leistung/Drehmoment527 kW (711 PS) / 881 Nm
Vmax/0–100 km/h190 km/h / weniger als 5 Sekunden
Normvebrauch21 l/100 km
Basispreis119.000 Euro

Und wenn die Doppelkabine mit Personen oder Gepäck doch einmal prall gefüllt sein sollte, dann bleibt einem immer noch die mächtige Ladefläche, die sich über die 1,53 Meter breite Ladeklappe zwischen Ellenbogen- und Schulterhöhe mehr oder weniger bequem beladen lässt – wenn man nur groß genug ist. Ein zweiter Ersatzreifen schluckt viel von der Ladefläche, sieht aber scharf aus. Wer mehr Platz braucht, wuchtet ihn einfach runter. Alles eben etwas rustikaler bei diesem Traum-Pick-up. So gewaltig wie der RAM 1500 TRX bei Abmessungen und Motorleistung daherkommt – so gewaltig ist auch sein Preis: Los geht’s bei 119.000 Euro. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

Rubriklistenbild: © RAM

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