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Porsche 911 GT3 Touring im Test: Ohne Spoiler und trotzdem richtig schnell

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Von: Marcus Efler

Der Porsche 911 GT3 ist der Traum vieler Sportwagen-Fans. Erfüllt die zivile Version ohne Riesenflügel trotzdem die großen dynamischen Ansprüche?

Stuttgart – Nach einem Autokauf hängt bisweilen der Haussegen schief. Der Porsche 911 GT3 mit seinem Monster-Spoiler ist so ein Kandidat, der für Zornesfalten auf der Stirn der Teuersten sorgte, da kann Mann noch so erklärend über das „Track Tool“ dozieren. Schon bei der letzten GT3-Generation haben die Strategen der sportlichen Volkswagen-Tochter Abtrieb gegen Understatement getauscht, das Ganze als „Touring Paket“ betitelt und sind gut damit gefahren. Neben dem fehlenden Heckspoiler signalisiert der erhöhte Leder-Anteil im Innenraum und auf Wunsch die Chromleiste um die Fenster, dass es sich hier um einen speziellen Porsche 911 handelt. (Mann baut Porsche Boxster zu 911 GT3 RS um – doch das Netz hat vor allem eine Frage)

Porsche 911 GT3 Touring im Test: Spoilerfei und trotzdem richtig schnell

Auch dieser GT3 bietet das volle Programm der Verbesserungen des heckbeplankten Bruders. Also die Leichtbau-Bremsscheiben mit 408 Millimeter Durchmesser, die dazugehörigen Aluschmiederäder mit Zentralverschluss, die Sport-Abgasanlage aus Edelstahl und Karosserieanbauteile aus kohlefaserverstärktem Kunststoff. Ganz wichtig ist die mit vom Le-Mans-Sieger 911 RSR abgeleitete Doppelquerlenker-Vorderachse, die beim Einfedern eine höhere Sturzfestigkeit aufweist und zusammen mit der breiteren Spur ein agileres Einlenken beschert. Komplettiert wird dieser Achsaufbau durch eine neue Feder-Dämpfer-Abstimmung. „Die Dämpfer sind ein Schritt nach vorne, durch das feinfühligere Ansprechen konnten wir die Federraten härter wählen“, erläutert Projektleiter Jörg Jünger. (Porsche knackt AMG-Rekord auf Nordschleife – so locker reagieren die Verlierer)

Porsche 911 GT3 mit Touring Paket, fahrend
Fast wie ein normaler Elfer: Porsche 911 GT3 mit Touring Paket © Porsche AG

Porsche 911 GT3 Touring im Test: Balance auch ohne Spoiler

Das Nutzen der verbesserten Bauteile mithilfe einer ausgetüftelten Software-Applikation ist eine Sache, aber das fehlende Brett hinten lässt sich bei der Aerodynamik und vor allem dem Abtrieb nicht wegprogrammieren. Schließlich generiert der Flügel des originalen GT3 rund fünf Mal mehr Abtrieb als das Touring-Heck. „Wir mussten eine perfekte Balance herstellen“, erklärt Jünger. Mit Hilfe der Lufteinlässe und anderen Kniffen reduzierten die Techniker die Geschwindigkeit, mit der die Luft am Unterboden entlang strömt. Damit wird auch der Vorderwagen weniger stark auf den Boden gezogen, und die Balance passt wieder. (Porsche Taycan bleiben einfach stehen – doch Tesla-Fahrer lästern über etwas anderes)

Porsche 911 GT3 mit Touring Paket, fahrend, von hinten
Der Touring-Variante bleibt nur der unauffällige, versenkte Spoiler im Heck. © Porsche AG

Porsche 911 GT3 Touring: Auf der Landstraße gibt es wenig Gegner

Dass der Flügel GT3 auf der Rennstrecke schneller ist, steht außer Frage, aber dieser GT3 ist für die Landstraße gemacht. Und auf der gibt es wenige Gegner. Der Elfer stürzt sich fast in jeder Kurve. Dazu kommt die Lenkung, die sportlich direkt, aber nicht nervös ist, sondern vielmehr sehr intuitiv. Dass man genau spürt, wie es um die Traktion der Vorderreifen bestellt ist, setzt man bei einem Porsche 911 fast schon voraus, das ist bei diesem GT3 natürlich nicht anders. Vertrauenserweckend ist es dennoch. (Frau führt Nachbarn im Netz vor, weil er Porsche Boxster verschimmeln lässt)

Interieur des Porsche 911 GT3 mit Touring Paket
Das Cockpit mit dem zentralen analogen Drehzahlmesser entspricht dem des normalen 911. © Porsche AG

Porsche 911 GT3 Touring im Test: Spoilerfei und trotzdem richtig schnell

Aber ein Hochleistungsathlet aus Zuffenhausen ist nur mit der entsprechenden Motorisierung komplett. Und da ist der 510 PS leistende Vierliter-Boxerhammer aus dem 911 Speedster einfach perfekt. Kein Turbo-Singen, kein Zischen, sondern hier arbeitet ein klassischer, frei atmender Sauger, bei dem der rote Drehzahlbereich erst bei 9.000 Umdrehungen beginnt. Der Sechszylinder-Kraftprotz schiebt zwar aus dem Drehzahlkeller ambitioniert an, aber so richtig geht es erst jenseits der 5.000 U/min zur Sache, das maximale Drehmoment von 470 Newtonmetern wird bei 6.100 U/min erreicht. Dann schaltet man am besten die Audio-Anlage aus und wechselt die Fahrstufe nach Gehör. Herrlich dieser satte Sound, dieses lineare Beschleunigen passend zur anschwellenden Klangkulisse. So ist aus dem Stand nach 3,4 Sekunden die 100 km/h-Marke erreicht, und der GT3 stürmt weiter bis 318 km/h.

Porsche 911 GT3 mit Touring Paket
Motor/Getriebe/AntriebSechszylinder-Boxer / 7-Gang-Doppelkupplung / Heck
Leistung/Drehmoment375 kW (510 PS) / 470 Nm bei 6.100 U/min
Länge/Breite/Höhe4,57/1,85,28 m
Gewicht1.435 kg
Kofferraumvolumen132 l
Vmax/0–100 km/h318 km/h / 3,4 s
Normverbrauch/CO2-Ausstoß12,9 l/100 km / 293 g/km
Preis170.969 Euro

Auch wenn die knackige Handschaltung die bevorzugte Wahl vieler GT3-Fahrer ist, haben wir uns für das zeitgemäße und schneller schaltende Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe entschieden, das zielsicher den richtigen Gang heraussucht. Noch mehr Spaß bringen die Schaltwippen am Lenkrad und die Tatsache, dass der schwungvolle 911 trotz der hochtourig jubelnden Kraft im Heck immer beherrschbar bleibt und das Nahen des Grenzbereichs höflich ankündigt – der elektronisch geregelten Hinterachs-Quersperre mit vollvariabler Momentenverteilung sei Dank. Unglaublich, wie entspannt man mit diesem Coupé brutal schnell um die Ecken pfeifen kann. Dazu kommt ein Fahrwerk, das zwar sportlich-straff, aber nicht bockhart ist. Angenehm ist, dass ein nerviges Nachwippen komplett ausbleibt. So lassen sich auch längere Touren entspannt bewältigen. Wer den GT3 noch feiner würzen will, konfiguriert sich die Fahrmodi Sport und Track nach Gusto. „So muss ein 911 sein“, wirbt Markenbotschafter und Rallye-Legende Walter Röhrl. Allerdings sind 171.000 Euro, die Porsche für den 911 GT3 inklusive Touring-Paket aufruft, auch eine Hausnummer. Understatement muss man sich halt leisten können. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

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