Rüsselsheimer Hoffnungsträger

Opel Mokka-e im Test: Ein absoluter Hingucker – doch der Antrieb des kleinen SUV enttäuscht

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Das wohl wichtigste Auto für Opel im Jahr 2021 ist der neue Mokka – ein Drittel aller Exemplare soll mit Elektroantrieb ausgeliefert werden. Wir sind den Mokka-e bereits gefahren.

Rüsselsheim – Ein kompakter Crossover und dann noch als Basisvariante für mehr als 33.000 Euro? Noch vor zwei Jahren hätten den meisten Kunden dabei die Ohren geklingelt und sie hätten einfach nur den Kopf geschüttelt. Doch das Elektrozeitalter sorgt nicht nur für lokal emissionsfreie Fahrzeuge, sondern auch für Kaufpreise, dass einem Hören und Sehen gleichermaßen vergehen. In Betracht kommen die Fahrzeuge für die meisten Kunden überhaupt nur durch niedrige Leasinggebühren und die stattlichen Subventionen von bis zu 10.000 Euro. Für viele dürfte der Opel Mokka mit einem 130-PS-Benziner trotzdem die bessere Wahl sein. Er startet ohne Bezuschussung immerhin bei knapp über 22.000 Euro.

Opel Mokka-e im Test: Schicke Optik – doch der Antrieb des kleinen SUV enttäuscht

Der neue Opel Mokka, wahlweise mit Benziner, Diesel oder Elektroantrieb zu bekommen, sieht ohne Frage klasse aus. Die Front mit dem nebulös kreierten Vizor-Design, einer schwarzen Kühlermaske im Stile von Zorro oder den historischen Seat Boca-Negra-Modellen, ist markant und ebenso sehenswert wie das knackige Heck, die kurzen Überhänge und die großen Räder. „Klar und mutig – so sieht das Opel-Design der Zukunft aus. Der neue Mokka zeigt athletische Proportionen kombiniert mit präzise strukturierten, fließenden Oberflächen“, sagt Opel-Designchef Mark Adams. (Citroën ë-C4: Diese beachtliche Reichweite holen die Franzosen aus den Akkus)

Kein Allradantrieb: Der Opel Mokka-e ist ausschließlich mit Frontantrieb erhältlich.

Opel Mokka-e im Test: Vier Ausstattungsvarianten – die günstigste beginnt bei 33.250 Euro

Keine Frage, der Opel Mokka sorgt optisch für Aufsehen, egal ob Elektroauto oder nicht. Unter dem schicken Dress gibt es die bekannte Technik aus dem PSA-Konzern. CMP-Plattform und Antrieb kennt man bereits von Modellen wie dem Opel Corsa, dem Peugeot 208 oder dem technischen Zwillingsbruder DS3 Crossback E-Tense. Daher wird auch nur schmale Kost bei der Antriebstechnik angeboten, denn der 4,15 Meter lange Opel Mokka-e ist zwar in vier Ausstattungsvarianten zwischen 33.250 und mehr als stattlichen 40.180 Euro zu bekommen, aber beim Elektroantrieb gibt es keine Alternative und das gesamte Antriebsspektrum ist mit Leistungen zwischen 100 und 136 PS dünn. (VW ID.4 im Test: Viel Platz, sehr gutes Fahrverhalten – die Start-Versionen sind allerdings teuer)

Die Reichweite des Opel Mokka-e geht mit maximal 310 Kilometern gerade noch in Ordnung.

Opel Mokka-e im Test: Bei Tempo 150 ist schon Schluss

Anders als der bisherige Opel Mokka gibt es die zweite Generation – 120 Kilogramm leichter – nur noch mit Frontantrieb. Die Franzosen haben die Allradoption bei der CMP-Plattform einfach gestrichen. Das wird nicht allein in Österreich und der Schweiz viele Käufer kosten. Zudem sind 100 kW (136 PS) nicht gerade viel für einen sportlich gezeichneten Crossover, der der Konkurrenz gerade auch in Köln und Wolfsburg Angst machen soll und zu so manchem Premiummodell rüberschielt. Das bestätigt sich im Fahrbetrieb, denn der immerhin 1,6 Tonnen schwere Klein-SUV ist ab dem Start zwar flott unterwegs, doch Bäume lassen sich mit ihm nicht ausreißen. Dafür sind 260 Nm einfach zu wenig und der Motor einfach zu schlapp. Immerhin geht es aus dem Stand in 9,0 Sekunden auf Tempo 100, doch abgeregelte 150 km/h Höchstgeschwindigkeit sind in deutschem Autobahntempo eine Verzichtserklärung, die so manchem Elektromodell die Kunden vergrault. Gerade bei höheren Geschwindigkeiten ab Tempo 100 oder 120 wird es mit der Beschleunigung oder einem kleinen Zwischenspurt auf Autobahn und Bundesstraße zäher, als einem lieb ist. (Facelift Hyundai Kona Electric: Endlich gibt’s diese überfälligen Sicherheitssysteme)

Technische Daten Opel Mokka-e
Motor/AntriebElektromotor, Vorderradantrieb
Leistung/Drehmoment100 KW (136 PS) / 260 Nm
Vmax/0–100 km/h150 km/h / 9,0 s
Leergewicht1.598 kg
Batteriekapazität50 kWh
Normverbrauch17,4 kWh / 100 km
Ladevolumen310 – 1.060 Liter
Basispreis33.250 Euro

Opel Mokka-e im Test: Die maximale Reichweite von 310 Kilometern geht gerade noch in Ordnung

Dabei würde das stramm abgestimmte Fahrwerk durchaus einiges mehr an Engagement und Leistung vertragen. Die Lenkung ist leichtgängig, könnte jedoch etwas mehr Rückmeldung über die Beschaffenheit der Fahrbahn geben. Dabei bringt der Opel Mokka-e seine Leistung schon aufgrund des niedrigen Schwerpunktes gut auf den Boden und ist auch bei schnellen Wechselkurven kaum aus der Ruhe zu bringen. Doch es ist, wie es ist: 100 kW (136 PS) und 260 Nm sind in dieser Gewichtsklasse eben nicht viel. Bei der Reichweite sortiert sich der Mokka-e im unteren Mittelfeld ein, maximal 310 Kilometer gehen in Ordnung. Viel weniger darf es mit Blick auf die üblichen Verbraucher oder niedrige Außentemperaturen aber nicht sein, zumal ein zweites größeres Akkupaket aktuell nicht in Planung ist. Die Kapazität der Batterie liegt bei 50 kWh, wobei der Normverbrauch des Mokka-e knapp 18 kWh pro 100 Kilometer betragen soll. Im Gegensatz zum Opel Corsa-e gibt es serienmäßig das mehr als empfehlenswerte dreiphasige Laden. An der normalen Wallbox dauert das Nachtanken jedoch über fünf Stunden. Deutlich akzeptabler sind die rund 30 Minuten, in denen der Akku an einer öffentlichen DC-Ladestation mit 100 kW auf immerhin 80 Prozent erstarkt. (Mercedes EQA: Vieles besser als beim EQC – doch hier muss der Stromer Abstriche machen)

Der Innenraum des nicht gerade günstigen Opel Mokka-e wirkt durch viel Hartplastik nicht besonders wertig.

Opel Mokka-e im Test: Die zahlreichen Hartplastikelemente im Innenraum wirken nicht gerade wertig

So gefällig wie das schicke Äußere ist auch der Innenraum des Opel Mokka-e – zumindest auf den ersten Blick. Die animierten Instrumente und das zentrale Multifunktionsdisplay mit zehn beziehungsweise zwölf Zoll Diagonale gefallen. Die weithin sichtbaren Applikationen, die einem beim Topmodell Ultimate einen Carbon-Look vergaukeln, wirken dagegen genauso preiswert wie die zahlreichen Hartplastikelemente in Armaturenbrett und Türtafeln. Dafür sitzt es sich bequem und wohlkonturiert. Jedoch lassen sich die Sitze nur vorne beheizen und eine elektrische Heckklappe gibt es nicht mal gegen Aufpreis. So muss man selbst Hand anlegen, die Klappe zu öffnen und den 310 bis 1.060 Liter großen Laderaum nutzen zu können. Dabei können die Finger schon einmal schmutzig werden. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

Rubriklistenbild: © Opel / Christian Bittmann

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