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Opel Grandland Hybrid4 im Test: Allradantrieb schaltet früh ab

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Von: Marcus Efler

Opel hat sein Mittelklasse-SUV Grandland überarbeitet. Bei der elektrischen Unterstützung stört allerdings eine technische Eigenheit.

Rüsselsheim – Manchmal machen auch die kleinen Sachen einen entscheidenden Unterschied: Beim Blick auf das Datenblatt fällt auf, dass der aufgefrischte Opel Grandland Hybrid4 jetzt offiziell eine rein elektrische Reichweite von 65 Kilometern hat. Das sind sechs Kilometer mehr als bisher – die auch künftig die Förderung des Plug-in-Hybrids in Höhe von 7.177,50 Euro sichern. Da Papier aber bekanntlich geduldig ist, haben wir in unseren Unterlagen gekramt und herausgefunden, dass wir mit dem Vorgänger in der Praxis 41 Kilometer weit stromern konnten. Diesmal waren es 44 Kilometer. Klingt wenig, kann aber bei der Suche nach einer Stromtankstelle einen Unterschied machen. (Opel Manta-e geht in Serie – aber komplett anders als erwartet)

Opel Grandland Hybrid4, fahrend
Ab sofort mit „Vizor“-Front: der Opel Grandland Hybrid4 © Dani Heyne/Opel

Opel Grandland Hybrid4 im Test: Allrad schaltet irgendwann ab

Auch darüber hinaus hat der Opel Grandland des Modelljahres 2022 den Namen Facelift wirklich verdient. Die Designer haben dem Crossover jetzt das neue Markengesicht „Vizor“ verpasst. Ob er dadurch optisch gewonnen hat, muss jeder selbst entscheiden. Wir finden: ja. Technisch ist das neue Visier definitiv ein Fortschritt, denn in den schmalen Scheinwerfern befinden sich jeweils 84 LED-Elemente, die in drei Reihen angeordnet sind, als adaptives Licht den Gegenverkehr „ausgrauen“ und in die Kurve leuchten. Kenner wissen: Diese Technologie stammt aus der Limousine Insignia. „Der Grandland ist unser zweites Flaggschiff“, strahlt denn auch Marketing-Direktor Albrecht Schäfer.

Opel Grandland Hybrid4, fahrend, von hinten
Am Heck wurde der Opel Grandland Hybrid4 nur leicht überarbeitet. © Dani Heyne/Opel

Beim Bereinigen der Front haben die Techniker auch gleich den Frontkollisionswarner erweitert und Helfer wie die automatische Gefahrenbremsung, die Fußgänger- und Verkehrsschilderkennung sowie den adaptiven Tempomaten (inklusive Stop-and-go-System) integriert. Allerdings ist dafür das Achtgang-Automatikgetriebe notwendig, das aber ohnehin empfehlenswert ist. Eine weitere Neuerung ist die „Night Vision“, die man schon aus anderen Modellen des Stellantis-Konzerns kennt und die neben Fußgängern auch kleinere Tiere wie etwa Kaninchen aus 100 Metern Entfernung erkennt. (Neuer Opel Astra: Wird er diesmal zum VW-Golf-Killer?)

Interieur des Opel Grandland Hybrid4
Wirkt jetzt moderner: das Cockpit des Opel Grandland © Dani Heyne/Opel

Opel Grandland Hybrid4 im Test: Innen mit „digitalem Detox“

Auch innen haben die Opel-Chirurgen das Skalpell angelegt und die Instrumententafel modernisiert. Jetzt blickt der Fahrer auf ein „Pure Panel Cockpit“, bestehend aus einer zwölf Zoll großen Instrumententafel und einem zehn Zoll messenden Touchscreen. Alle Grandland-Besteller, die sich nun auf das grandiose Cockpit des neuen Opel Astra freuen, müssen wir aber enttäuschen: Es handelt sich noch um die ältere Version, die im Opel Mokka verbaut ist. Ein Fortschritt gegenüber dem bisherigen Infotainment ist sie dennoch, auch wenn der Touchscreen einen recht breiten Rahmen hat und die Grafik der TomTom-Navigation auf dem zentralen Touchscreen etwas altbacken wirkt. Die Opel-Manager sprechen vom „Digital Detox“: „Wir wollen die Kunden nicht mit Informationen überfrachten“, erklärt Baureihenleiter Thomas Overhaus und meint damit, dass der Fahrer beim neuen Grandland in einem gewissen Rahmen selbst bestimmen kann, wo etwas angezeigt wird. So wirkt das Kombiinstrument in der Tat etwas aufgeräumter als bisher. Doch gegenüber Konkurrenten wie dem VW Tiguan wird die Luft für den Rüsselsheimer mit französischen Wurzeln dünn.

Opel Grandland Hybrid4
Motor/Getriebe/AntriebVierzylinder-Benziner + 2 Elektro / 8-Gang-Automatik / Allrad
Leistung/Drehmoment221 kW (300 PS) / 520 Nm
Vmax/0-100 km/h235 km/h / 6,1 s
Länge/Breite/Höhe4,48 / 1,91 / 1,61 m
Kofferraumvolumen390 – 1.528 l
Normverbrauch/CO2-Emission1,7 l/100 km / 39 g/km
Preis52.169 Euro

Beim Fahren schlägt sich der Opel-PHEV (Plug-in Hybrid Electric Vehicel) gut mit seiner Systemleistung von 300 PS, die aus den 200 PS des Verbrennungsmotors und zwei Elektromotoren mit 110 PS vorn und 113 PS hinten resultiert. Solange die 13,2 kWh große Batterie Saft hat, ist der Grandland einer der Chefs im Ring und beschleunigt geschmeidig. Dann sind aus dem Stand nach 6,1 Sekunden die 100 km/h erreicht und erst bei 235 km/h ist Schluss. Mit E-Power haben wir bei unserer Testfahrt 1,6 l/100 km verbraucht, 0,1 Liter weniger, als Opel angibt. Nachdem die Batterie leer war, stieg der Durchschnittsverbrauch auf 3,9 l/100 km. Dann tut sich der Opel zwar etwas schwerer, ist aber weiterhin ausreichend flott unterwegs.

Dass sich das Opel-SUV immer noch in den Kurven neigt, wird nur ausgesprochene Fahrdynamiker bremsen. Störender wirkt da schon, dass der Allradantrieb nur bis 135 km/h verfügbar ist – was dem maximalen rein elektrischen Speed entspricht. Vollelektrisch ist der Allradantrieb lediglich bis 80 km/h am Start. Der Onboard-Lader füllt die Energiespeicher mit dem Mode-3-Ladekabel und 7,4 kW Leistung in rund zwei Stunden. Damit können die meisten Fahrer von Plug-in-Hybriden gut leben. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

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