Deutschland gegen Frankreich

Opel Corsa-e gegen Peugeot e-208: Bei einem fehlt was wirklich Nützliches

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
    schließen

Technisch sind die beiden Stromer Opel Corsa-e und Peugeot e-208 eng miteinander verwandt. Im direkten Vergleich offenbaren sich jedoch Unterschiede.

  • Die beiden Stromer Peugeot e-208 und Opel Corsa-e basieren auf der gleichen PSA-Konzern-Plattform
  • Trotz der engen technischen Verwandschaft zeigen sich in vielen Bereichen Unterschiede
  • Beim Opel kostet eine wichtige Technik Aufpreis, die im Peugeot schon in der Basis enthalten ist

Rüsselsheim/Rueil-Malmaison – Das Duell Deutschland gegen Frankreich ist so alt wie die Fußballgeschichte. Die Bilanz gegen die Grande Nation fällt für das DFB-Team ernüchternd aus: 31-mal standen sich die beiden Mannschaften gegenüber, davon gewann Deutschland neunmal und Frankreich 14-mal, achtmal kam es zu einem Unentschieden. Jetzt treffen die beiden Kontrahenten erneut aufeinander, aber diesmal nicht auf dem Rasen, sondern dem Asphalt, und eigentlich ist es ein Bruder-Duell. Denn die PSA-Gruppe hat Opel geschluckt. Daher stehen der Peugeot e-208 und der Opel Corsa-e auf der konzerneigenen CMP-Architektur (Common Modular Platform). Gleicher Rohbau, gleiche Technik, aber wie sieht es im Alltag aus?

Opel Corsa-e gegen Peugeot e-208: Design

Die Optik ist Geschmacksache, aber beide sind definitiv tageslichttauglich. Der Peugeot mit seiner markanten Front und dem ansehnlichen Heck kommt vielleicht noch eine Idee schnittiger daher als der schmucke Rüsselsheimer. Die Abmessungen der beiden sind übrigens bis auf wenige Millimeter identisch. Hier trennen sich die beiden unentschieden 1:1.

Der Peugeot e-208 kommt auffälliger „Säbelzahn“-Optik an der Front

Opel Corsa-e gegen Peugeot e-208: Platz

Angesichts der gleichen Abmessungen sollte das ebenfalls ein totes Rennen sein. Mitnichten. In der Raumökonomie offenbaren sich Unterschiede. Am deutlichsten sind diese beim maximalen Ladevolumen: Der Kofferraum des Opel Corsa-e fasst zwischen 267 und 1.042 Liter, der des Peugeot e-208 dagegen 265 Liter und bei umgeklappten Rücksitzlehnen bis zu 960 Liter. Im Fond herrschen bei beiden alles andere als fürstliche Platzverhältnisse, aber auch hier nutzt der Rüsselsheimer die Tiefe des Raums besser als der Löwen-Stromer. Aber jenseits der 1,85 Meter wird es auch beim Opel (Opel Corsa: Dieses Extra aus der Oberklasse ist ein echtes Highlight) um den Kopf herum sehr eng! Trotzdem gewinnt die deutsche Raumtaktik dieses Kapitel: 2:1.

Opel Corsa-e gegen Peugeot e-208: Innenraum

Auch hier trifft deutsche Effizienz auf französische Verspieltheit. Der Opel Corsa-e tritt mit einem traditionellen Cockpit an. Die digitalen Instrumente befinden sich hinter dem Lenkrad und der zehn Zoll Touchscreen ist in die Armaturen integriert. Peugeot geht einen anderen Weg. Das oben und unten abgeflachte Lenkrad muss nach unten gestellt werden, damit der Fahrer freie Sicht auf die darüber liegenden Instrumente hat. Auf gleicher Sichtebene befindet sich das Zehn-Zoll-Display, sodass der Pilot seinen Blick nicht zu weit von der Straße nehmen muss. Opel (Video: Opel Kadett E schlägt Audi RS 6 – mit spektakulärer Endgeschwindigkeit) hat natürlich die AGR-Sitze („Aktion Gesunder Rücken“) in petto, aber auch das französische Gestühl ist bequem und bei der Verarbeitung geben sich beide nichts, aber das gallische Interieur ist einen Schuss pfiffiger. Ausgleich in der letzten Minute: 2:2.

Typisch Peugeot: Auch im e-208 befinden sich die digitalen Anzeigen über dem Lenkrad.

Opel Corsa-e gegen Peugeot e-208: Infotainment

Auch hier kommt französische Raffinesse zum Tragen. Die 3D-Optik des virtuellen Cockpits im Peugeot e-208 schaut nicht nur modern und gut aus, sondern ist auch noch gut ablesbar und vernünftig strukturiert. Opel (Opel Insignia Facelift: Dieser neue Motor verbraucht so wenig wie nie) ist bei seinen Anzeigen etwas nüchterner, aber nicht weniger informativ unterwegs. Auch die Menüstruktur und die Bedienung per Berührung und den Klaviertasten unter dem Bildschirm ist bei beiden identisch. Deswegen ist es kein Wunder, dass beide solche Aufgaben wie das Integrieren des Smartphones via Apple CarPlay und Android Auto beherrschen. Dennoch wirkt die französische Variante etwas moderner, daher geht der Peugeot e-208 mit 3:2 in Führung.

Im Opel Corsa-e sitzen die Instrumente – wie bei den meisten Autos – hinter dem Lenkrad.

Opel Corsa-e gegen Peugeot e-208: Fahreindruck

Da geben sich beide Konkurrenten nicht viel, da der Antriebsstrang identisch ist. Also verfügen beide über eine Leistung von 100 kW (136 PS) und ein Drehmoment von 260 Newtonmetern, die je nach Fahrmodus komplett oder nur zum Teil genutzt werden. Daher ist auch die Spreizung der drei Fahrprogramme merklich, da sich nicht nur die Lenkung und die Gasannahme ändern, sondern eben auch unterschiedliche Leistungen zur Verfügung stehen, die Auswirkungen auf die Reichweite haben. Bei „Eco“ hat der Opel Corsa-e 60 kW (82 PS) und ein Drehmoment von 180 Newtonmetern, bei „Normal“ sind es 80 kW (109 PS, 220 Nm) und bei „Sport“ die vollen 100 kW (136 PS) und die vollen 260 Nm. Grundsätzlich rollt man bei „Eco“ in der Stadt sehr entspannt mit, für Überlandfahrten reicht „Normal“ und wenn es möglichst ambitioniert vorangehen soll, ist „Sport“ die beste Wahl. Allerdings werden auch die Akkus so am schnellsten leergesaugt.

Abgesehen davon ist bei beiden bei 150 km/h Schluss und die 100 km/h sind nach 8,1 Sekunden erreicht. Beide verfügen über verstärkte Rekuperation per „B“-Modus, genauso wie die 50 Kilowattstundenbatterie bei beiden verbaut ist. Kein Wunder, dass auch die Reichweite mit maximal 340 Kilometern (Peugeot) und 337 Kilometern (Opel) im Grunde identisch ist. Beim Durchschnittsverbrauch nach dem WLTP-Zyklus zeigen sich Unterschiede: Beim Peugeot e-208 sind es bis zu 17,6 kWh/100 km und beim Opel Corsa-e bis zu 16,8 kWh/100 km. Zieht man die Daten der Experten von „The Mobility House“ hinzu, kommt der Franzose 340 Kilometer weit und benötigt 15,9 kWh/100 km und der Deutsche schafft zehn Kilometer weniger und genehmigt sich 15,2 kWh/100 km. Der Corsa-e nutzt die Chance zum Ausgleich nicht. Frankreich führt weiterhin 4:3.

Opel Corsa-e gegen Peugeot e-208: Laden

Eine wichtige Frage lautet: einphasiger oder dreiphasiger Onboardlader. Und der hat der Peugeot e-208 (Der Peugeot e-2008 kann zwar schnell laden – aber nicht gerade schnell fahren) aktuell noch die Nase vorne, da er die dreiphasige Variante serienmäßig verbaut, während Opel in der Basisversion einphasig lädt. Allerdings kann man beim Rüsselsheimer für aktuell 1.160 Euro den dreiphasigen Onboardlader ordern. An der Wallbox mit 11 kW (Peugeot) sind die Akkus nach rund fünf Stunden voll, beim Opel mit einphasigen 7,4 kW dauert es circa sieben Stunden. Beide verlassen einen 100 kW-Schnelllader nach etwa einer halben Stunde. Auch hier hat Frankreich aufgrund des serienmäßigen dreiphasigen Onboardladers leicht die Nase vorne und erhöht auf 5:3

Beim Opel Corsa-e ist das dreiphasige Laden aufpreispflichtig.

Opel Corsa-e gegen Peugeot e-208: Fazit

Auch wenn das Ergebnis mit 5:3 vermeintlich deutlich ausfällt, ist das Rennen zwischen den beiden Brüdern hauchdünn. Vieles hängt von den persönlichen Präferenzen ab. Wer Platz braucht, wählt den Corsa, wem das 3D-Cockpit zusagt, den Peugeot. Bei den Fahrleistungen sind beide identisch unterwegs und beim Laden holt sich der Peugeot nur den Teilsieg, weil der dreiphasige Onboardlader (Höhere Kaufprämie für E-Autos: Die 10 größten Elektro-Schnäppchen) serienmäßig verbaut ist und beim Opel Aufpreis kostet. Das gleicht sich beim Preis dann wieder teilweise aus. Der Opel Corsa-e ist ab 29.146,22 Euro zu haben und der Peugeot e-208 kostet mindestens 29.682,35 Euro. (Wolfgang Gomoll; press-inform)

Rubriklistenbild: © Peugeot / Opel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare