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Genesis GV70 im Test: Kann das Edel-SUV gegen Audi, BMW und Mercedes bestehen?

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Von: Marcus Efler

Die Hyundai-Edelmarke Genesis startet den GV70 in Deutschland. Technisch schlägt sich das Mittelklasse-SUV wacker, aber zwei Defizite gefährden seinen Erfolg.

Offenbach – Darf es mal etwas anderes als BMW X3, Audi Q5 oder Mercedes GLC sein? Dann empfiehlt sich der Genesis GV70. Schließlich erfreut sich die Hyundai-Edelmarke in den USA schon seit Längerem einer wachsenden Fangemeinde. Nur in Deutschland tut sich der Premiumableger des koreanischen Autobauers schwer, die Käufer von sich zu überzeugen. Mit dem Genesis GV70 soll jetzt der Sprung in unsere Herzen gelingen. (Genesis GV60: E-Auto von Hyundai-Edelmarke kommt mit speziellen Außenspiegeln)

Genesis GV70, fahrend
Mit mächtiger Schnauze: Der Genesis GV70 bietet Überholprestige. © Genesis

Genesis GV70 im Test: Kann das Edel-SUV gegen Audi, BMW und Mercedes bestehen?

Die Voraussetzungen, dass dieses Unterfangen zum Erfolg führt, sind zumindest technisch gut. Vor allem beim Infotainment klotzt das SUV mit dem aus dem größeren GV80 bekannten 12,3 Zoll großen Cockpit und einem 14,5 Zoll großen Touchscreen. Die Bedienung ist ohne langwieriges Studium der Betriebsanleitung problemlos möglich. Für konservativere Fahrer steht ähnlich wie bei BMW ein Dreh-Drück-Steller samt Glasdeckel als Eingabe-Alternative zur Verfügung. Das virtuelle Cockpit stellt die Instrumente auf Wunsch in 3-D-Optik dar, eine Kamera verfolgt die Augen des Fahrers und hebt die Informationen im Blickfeld besonders hervor. (Genesis G70 Shooting Brake: Kann er sich gegen das deutsche Premium-Trio behaupten?)

Genesis GV70 im Test: Das Infotainment-System weiß zu überzeugen

PlayStation-Fans kommen beim Korea-Crossover ohnehin voll auf ihre Kosten, denn mit etwas Geduld kann man sich den Genesis GV70 mit einer Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten nach eigenem Gusto konfigurieren. Das beginnt bei der Darstellung der Instrumente und hört beim Jingle auf, der ertönt, sobald man den GV70 aktiviert oder ihn abschaltet. Wer will, kann den GV70 auch per Fingerabdruck starten und aktiviert so alle Einstellungen, die diesem Profil zugeordnet sind. Das koreanische SUV erfüllt auch einen Bildungsauftrag: Die Position des Head-up-Displays wird unter anderem mit der waagerechten Y-Achse definiert. Höhe allein ist für den GV70-Fahrer zu trivial.

Genesis GV70, seitlich, stehend
Die Dachlinie des GV70 fällt nach hinten im Coupé-Stil ab. © Genesis

Damit sind die Konfigurationsmöglichkeiten aber noch lange nicht erschöpft, auch die Bremse kann auf sportlich gestellt werden und packt dann beherzter zu. Das bringt uns zum Antrieb: Unser Testwagen hat den stärkeren der beiden Motoren unter der Haube, also den aufgeladenen Vierzylinder-Benziner mit 2,5 Litern Hubraum, 304 PS und einem maximalen Drehmoment von 422 Newtonmetern. Damit beschleunigt der 1.985 Kilogramm schwere Crossover aus dem Stand in 6,1 Sekunden auf 100 km/h und ist bis zu 240 km/h schnell. Als Verbrauch gibt Genesis 10,2 l/100 km an, wir brauchten bei unserem Test 10,5 l/100 km. (Golf-Star Tiger Woods bei Unfall mit Genesis GV80 schwer verletzt – wird er wieder gehen können?)

Genesis GV70 im Test: Kein Diesel und kein Plug-in-Hybrid erhältlich

Wie bei der Konkurrenz auch, kann man zwischen den Fahrmodi Eco, Comfort, Sport und Sport+ wählen. Die Unterschiede der einzelnen Fahrprogramme sind spürbar. Wobei vor allem in Eco und Comfort das aufgeladene Vierzylindertriebwerk seine Antrittsschwäche nicht verhehlen kann, die bei der Sport-Einstellung durch ein erhöhtes Drehzahlniveau kaschiert wird. Bei Sport+ haben die Genesis-Techniker dieses Allheilmittel allerdings übertrieben. Aktiviert man diesen Fahrmodus, jubelt der Vierzylinder unter lautem Getöse hoch, wird aber kurzatmig und lässt den echten Punch vermissen. Dass man den künstlichen Motorsound deaktivieren kann, halten wir für eine gute Idee. Also ist man mit dem Sport-Modus gut bedient. Grundsätzlich gilt: Wer den Vierzylinder nicht über Gebühr fordert, ist mit dem Genesis GV70 gut unterwegs. (Genesis GV80: Hat das SUV der Hyundai-Edelmarke in Deutschland eine realistische Chance?)

Interieur des Genesis GV70
Das Interieur des Genesis GV70 überzeugt mit hochwertiger Verarbeitung. © Genesis

Genesis GV70 im Test: Fahrwerk beherrscht Prinzip des „magischen Teppichs“

Das liegt auch am Fahrwerk, das per Kamera Hindernisse und Bodenunebenheiten erkennt und proaktiv agiert. Auch der koreanische Crossover beherrscht das Prinzip des „magischen Teppichs“, den die Mercedes S-Klasse salonfähig gemacht hat. Und das ziemlich gut, weil harmonisch. So lassen sich lange Strecken entspannt bewältigen. Selbst in der sportlich-dynamischen, sprich straffen Einstellung malträtiert der Genesis GV70 den Fahrer nicht. Sobald man die Geschwindigkeit von 130 km/h überschreitet, blasen sich die Wangen der Sitze auf und geben dem Körper des Fahrers zusätzlichen Halt. Bei den sportlichen Fahrprogrammen geschieht das automatisch.

Technische Daten Genesis GV70 2.5T 8AT AWD
Motor/Getriebe/AntriebVierzylinder-Benziner / 8-Gang-Automatik / Allrad
Leistung/Drehmoment224 kW (304 PS) / 422 Nm
Vmax/0-100 km/h240 km/h / 6,1 s
Länge/Breite/Höhe4,72 / 1,91/ 1,63 m
Kofferraumvolumen542 – 1. 678 l
Normverbrauch/CO2-Emission10,2 l/100 km / 239 g/km
Preis64.060 Euro (Basis: 45.920 Euro)

Beim Platz gibt der Edel-Koreaner ebenfalls nicht klein bei. Auch großgewachsene Passagiere finden in der zweiten Reihe ausreichend Platz. Der Kofferraum ist mit einem Fassungsvermögen von 542 Litern großzügig. Legt man die Lehnen der Rückbank um, wächst das Volumen auf 1.678 Liter. Der ebene Ladeboden erleichtert das Befüllen des Gepäckabteils. Für den Preis von 64.060 Euro bietet der Genesis GV70 eine ganze Menge. Zum Beispiel einen überzeugenden Totwinkelwarner, der sich nicht nur als Lichtsignal im Spiegel meldet, sondern die seitliche Umgebung auch im Kombi-Display anzeigt.

So überzeugt der GV70 technisch durchaus als Alternative zu den deutschen Platzhirschen. Umso mehr ist es schade, dass zwei Defizite ihn hierzulande bremsen: Erstens der Verzicht auf Diesel und vor allem auf Plug-in-Hybrid, der ihn als Dienstwagen für Manager und Selbständige attraktiv machen würde. Zweitens das sehr spezielle Genesis-Konzept, ein Händlernetz durch persönliche Betreuer zu ersetzen. Damit die oft konservativen Eigner von Mercedes und Co. zu erobern, dürfte überaus schwierig werden. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

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