1. 24auto
  2. Tests
  3. Fahrbericht

Neuer Nissan Qashqai im Test: Optisch völlig neu – doch Antriebs-Auswahl ist mager

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christian Schulz

Mit dem Crossover-SUV Qashqai hat Nissan einen echten Volltreffer gelandet. Die neue Generation ist optisch kaum wiederzuerkennen – die Antriebs-Auswahl ist allerdings mager.

Brühl – Auch Nissan bereitet sich auf die Elektromobilität vor. Das merkt man aber nicht daran, dass der neue Qashqai nur noch als Plug-in-Hybrid oder gar Elektroversion auf den Markt rollen würde, sondern dass das Verbrenner-Portfolio in dieser Übergangsphase auf ein Minimum beschränkt wird. Während die Konkurrenz in dieser Liga ein Motorenspektrum aus Dieseln, Plug-in-Hybriden und Benzinern zwischen 120 und über 300 PS bietet, ist das Nissan-Portfolio kleiner denn je. Diesel wurden gestrichen, Plug-in-Hybride fehlen im Portfolio und ein gerade mal 1,3 Liter großer Vierzylinder in zwei eng beieinanderliegenden Leistungsstufen von 140 und 158 PS ist der einzige Motor, der verfügbar ist – nicht viel in einem derart umkämpften Segment.

Der Nissan Qashqai 1.3 DIG-T 4x4 von rechts vorne
Der neue Nissan Qashqai kommt optisch völlig anders daher als die Vorgänger-Generation. © Wolfgang Groeger-Meier/Nissan

Neuer Nissan Qashqai im Test: Optisch völlig neu – doch die Auswahl ist mager

Der neue Qashqai sieht nicht nur schick aus, sondern ist auf immerhin 4,43 Meter Länge angewachsen und so erscheint die 158-PS-Variante schon wegen der obligatorischen Kombination aus Automatikgetriebe und Allradantrieb die rechte Wahl. Im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder Juke hält sich der neue Nissan-SUV ähnlich wie die meisten direkten Wettbewerber optisch zurück. Innen gibt es ein gutes Platzangebot vorn wie hinten, moderne Bedienelemente mit digitalen Instrumenten, einem 10,8 Zoll großen Head-up-Display und einem zentralen Multifunktionsbildschirm, über den sich alle wichtigen Funktionen darstellen und steuern lassen. Die verschiedenen Anzeigethemen im Instrumentencluster sind allzu verspielt, doch wer will, wechselt auf zwei klare Runduhren mit weiteren Informationen dazwischen. (Neuer Nissan Qashqai: Mehr Platz und mehr Assistenzsysteme als bisher – aber nur zwei Motoren)

Während mancher Wettbewerber bei der Head-up-Projektion auf eine Billiglösung mit ausfahrbarer Kunststoffscheibe setzt, bannt der Nissan verschiedene wichtigen Informationen direkt auf die Windschutzscheibe – gut so. Auch im Fond kann man als Erwachsener angenehm sitzen. Leider gibt es hier keine getrennte Klimaregelung oder eine Sitzheizung, dafür immerhin USB-Anschlüsse, mit denen die Personen in der zweiten Reihe ihre Mobilgeräte aufladen können. Der Laderaum hinter der auf Wunsch elektrischen Heckklappe bietet ein Volumen von 436 bis 1.422 Liter, wenn man die Rückbank geteilt oder komplett umlegt. (Mazda CX-5 Skyactiv-G 165 AWD im Test: Sparsam, aber nicht immer optimal zu bedienen)

Der Nissan Qashqai 1.3 DIG-T 4x4 von links hinten
Auch von hinten sieht der neue Nissan Qashqai schick aus – es gibt ihn allerdings nur mit erstaunlich wenig Motor-Varianten. © Wolfgang Groeger-Meier/Nissan

Neuer Nissan Qashqai im Test: Günstiger Verbrauch kommt klar vor Fahrspaß

Mit über 1,6 Tonnen ist der Nissan Qashqai 1.3 DIG-T in der Kombination aus Allradantrieb und Automatikgetriebe kein Leichtgewicht und so überrascht es umso mehr, dass Nissan seinen Kunden keine nennenswerten Wahlmöglichkeiten bei den Antrieben bietet. Der 1,3 Liter große Vierzylinder-Turbo ist mit seinen 116 kW / 158 PS und einem maximalen Drehmoment von 270 Nm zwischen 1.800 und 3.750 U/min solide motorisiert. Doch viel reißen lässt sich damit beim Zwischenspurt nicht – schon weil die stufenlose CVT-Automatik allein einen günstigen Normverbrauch und nicht die Fahrfreude des Piloten im Sinn hat. So geht es in knapp zehn Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Immerhin erreicht die Topversion des Qashqai 198 km/h Spitze. (Nissan Office Pod Concept: Japaner stellen Homeoffice-Van vor – so funktioniert das rollende Büro)

Das Cockpit des Nissan Qashqai 1.3 DIG-T 4x4
So sieht es im Cockpit des neuen Nissan Qashqai aus – inklusive moderner digitaler Bedienelemente. © Wolfgang Groeger-Meier/Nissan

Ein Normverbrauch von 6,2 Litern Super auf 100 Kilometern verspricht zusammen mit dem 55-Liter-Tank zumindest stattliche Reichweiten abseits der zähen Nachladepausen eines Elektromodells. Das Fahrwerk ist ähnlich unaufgeregt wie das kleine 1,3-Liter-Triebwerk. Die Lenkung ist präzise und leichtgängig, während das Komfortniveau allein durch die stattlichen 19-Zöller der Topversion geschmälert wird. Wird es flotter oder geht es auf die Landstraße, könnte das Paket gerade in dem sportlichen Fahrmodus straffer und direkter sein. Doch zugegeben: Bei nicht einmal 160 PS in einem Familien-Crossover spielt die Fahrdynamik eine mehr als untergeordnete Rolle. (Nissan zeigt Camouflage-Tricks für Erlkönige – so raffiniert werden die Prototypen getarnt)

Neuer Nissan Qashqai im Test: Plug-in-Hybrid wird schmerzlich vermisst

Da ein Plug-in-Hybrid für die stark bezuschussten Märkte schmerzlich vermisst wird, muss zum Marktstart eine Mildhybrid-Variante reichen, die aus Kostengründen zudem aus einem günstigen und weniger effizienten 12-Volt-Bordnetz besteht und nicht auf die gängige 48-Volt-Technik setzt, die eine höhere Rekuperation und ein stärkeres Boosten ermöglichen würde. Im kommenden Jahr folgt eine sogenannte E-Power-Variante, die in Asien bereits seit Jahren im Nissan Note angeboten wird. (Neuer Nissan Z: Gezielter Angriff auf diesen deutschen Autohersteller)

Der Innenraum des Nissan Qashqai 1.3 DIG-T 4x4
Ein Blick in den Innenraum des neuen Nissan Qashqai, der mit einem guten Platzangebot aufwarten kann. © Wolfgang Groeger-Meier/Nissan

Hier sorgt der im Fahrzeug verbaute Verbrenner nicht für den direkten Antrieb, sondern allein dafür, das Akkupaket aufzuladen, das einen 140 kW / 190 PS starken Elektromotor an der Vorderachse mit Energie versorgt. „In Sachen Elektrifizierung haben wir uns für zwei innovative Antriebsoptionen entschieden, die Effizienz und eine direkte Leistungsentfaltung miteinander verbinden“, erklärt David Moss, Senior Vice President für Forschung und Entwicklung bei Nissan Europa, „Dank der neuen CMF-C Plattform der Allianz konnten wir das Gewicht reduzieren, die Effizienz verbessern, die Steifigkeit erhöhen und das dynamische Ansprechverhalten schärfen.“ (Nissan GT-R: Aufgemotzter Sportwagen fängt beim Posen Feuer)

Technische Daten Nissan Qashqai 1.3 DIG-T X-Tronic 4x4
Motor/Getriebe/AntriebVierzylinder (Turboaufladung) / CVT-Automatik (stufenlos) / Allrad
Leistung/Drehmoment158 PS (116 kW) / 270 Nm
Kofferraumvolumen436 – 1.422 Liter
Vmax/0–100 km/h198 km/h / 9,9 Sekunden
Normverbrauch6,2 Liter/100 km
CO2-Ausstoß140 g/km
Basispreis44.620 Euro

Der Basispreis für den Nissan Qashqai 1.3 DIG-T mit Frontantrieb und Handschaltung in der mäßigen Grundausstattung Visia liegt bei 25.790 Euro. Das Tekna-Topmodell des 158 PS starken Allradlers startet bei 44.620 Euro, bietet dafür unter anderem elektrische Ledersitze mit Massagefunktion, Panoramadach, 19-Zoll-Alufelgen, vernetzte Navigation, Head-up-Display und ein Gesamtpaket aus Fahrerassistenzsystemen, das Nissan „Pro Pilot“ nennt. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Auch interessant

Kommentare