Zweite Generation des Mini-SUV

Nissan Juke im Alltagstest: Dieses Detail nervte bei dem Japaner auf Dauer besonders

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Inzwischen ist die zweite Generation des Nissan Juke am Start – mit deutlichen Veränderungen. Wir haben das Crossover-SUV im Alltag getestet.

  • In der zweiten Generation wurde der Nissan Juke optisch entschärft
  • Das Ansprechverhalten des Motors und die mangelnde Dämmung rufen wenig Begeisterung hervor
  • Ein Detail am Nissan Juke nervte im Test besonders

Yokohama – Was für ein Wandel: Aus dem punkigen, expressiven Nissan Juke wurde in der zweiten Generation ein angepasstes, elegantes, aber immer noch ausdrucksstarkes SUV. „Love it or hate it!“ hieß es anno 2009, als der Nissan Juke vorgestellt wurde. Von wegen Hass. Das hässliche Entlein wurde geliebt. Die erste Generation des Crossover-SUV im Kleinwagen-Format verkaufte sich über eine Million Mal. In Deutschland fand das in London designte Auto immerhin über 70.000 Käufer. Gebaut wird der Nissan Juke in Großbritannien.

Nissan Juke: Die zweite Generation zeigt mehr Kante

Hinten ist die neue Generation des Nissan Juke kantiger geworden, auffällig sind die Rücklicht-Abdeckungen, die skulptural aus dem Heck herausragen. Auch in der Seitenlinie finden sich knackige Kanten, die von der Schulter bis zur Fronttür laufen und unten herum wieder zurückfließen. Wie ein liegendes U. Vorne bleibt der nicht zu übersehende und über die ganze Front reichende V-förmige Kühlergrill. Und die auffälligen Rund-Scheinwerfer ziert ein Y. Fast könnte man meinen, die Designer hätten sich in ihrer Formensprache vom letzten Drittel des Alphabets inspirieren lassen.

Nissan Juke: Die zweite Generation ist in allen Dimensionen gewachsen.

Der Nissan Juke ist nicht nur vom Aussehen her erwachsener geworden, sondern tatsächlich gewachsen. Immerhin sieben Zentimeter länger ist die Karosserie, aber entscheidend ist der um zehn Zentimeter gestreckte Radstand. Das schafft Platz im Innenraum. Gefühlt, aber auch tatsächlich. An den Knien bleiben im Fond 5,8 Zentimeter mehr, die Kopffreiheit steigt um 1,1 Zentimeter. Auch wenn der Nissan Juke größer geworden ist, der Blick nach hinten hat sich beim neuen Modell trotzdem nicht unbedingt verbessert. Schuld daran ist die zwar gelungene, aber in diesem Punkt eher unpraktische Coupéform. Eine Rückfahrkamera ist daher empfehlenswert.

Nissan Juke im Alltagstest: Beim Innenraum liefern die Japaner eher Durschnittskost

So aufregend das Äußere erscheint, innen serviert Nissan eher Durchschnittskost. Rundinstrumente für Geschwindigkeit und Motordrehzahl, was in diesem Fall wichtig ist, weil es bei dem Dreizylinder-Triebwerk wirklich auf die Drehzahl ankommt. Dazu später mehr. Mitten auf dem Armaturenbrett sitzt der 8-Zoll-Infotainment-Bildschirm. Sonst dominieren in unserem Testwagen schwarzes und graues Allerweltsplastik. Aber es gibt für den Nissan Juke auch schickere Ausstattungsvarianten, mit Alcantara oder mit auffällig roten Lederverkleidungen.

Knallig: Wer die Farbe Rot gerne mag, kann im Nissan Juke zu dieser Ausstattungsvariante greifen.

Das Smartphone dockt sich via Bluetooth schnell an, Apple CarPlay und Android Auto sind in dieser Fahrzeugklasse mittlerweile Standard. Und auch das WLAN-Netz für alle Mitreisenden lässt sich schnell installieren. Ordentlichen Sound bietet die Juke-Box im Nissan Juke schon ohne Upgrade. Wer aber wirklich gerne Musik hört, der sollte sich die Bose-Anlage mit den in den Kopfstützen integrierten Lautsprechern leisten (600 Euro). Apropos Sound: An der Fahrzeug-Dämmung wurde offenbar gespart. Zwar spürt man die Straße durch das ordentliche Fahrwerk kaum, dafür hört man sie laut und deutlich.

Der Dreizylinder-Benzin-Motor bewahrt im Gegensatz dazu in fast jeder Situation die (Lauf-)Ruhe. Das 1,0-Liter große Triebwerk ist die einzige im Nissan Juke erhältliche Motorisierung und verhält sich nicht nur bei der Lärmentwicklung gutmütig, sondern auch bei der Kraftentfaltung. Aber nur, wenn man mit niedrigen oder ganz hohen Touren fährt. Das maximale Drehmoment von 180 Newtonmetern steht nämlich zwischen 1.750 und 4.000 U/min bereit, dann baut es wieder ab. Der Juke-Motor mit 117 PS entwickelt durchaus Sprinter-Qualitäten, vorausgesetzt, man hat den Drehzahlmesser immer fest im Blick – zumindest bis man sich an den Dreizylinder-Motor gewöhnt hat. Sonst ist schnell Frust statt Fahrspaß angesagt. Nicht unbedingt Enttäuschung, vielleicht eher Ernüchterung, macht sich an der Tankstelle breit. Der angekündigte Durchschnittsverbrauch von 4,9 Liter auf 100 Kilometer ist wahrlich nicht zu erreichen. Im täglichen Fahr-Mix aus je einem Drittel Stadt, Autobahn und Landstraße waren es 6,2 Liter.

Nissan Juke: Optional sind zweifarbige Lackierungen erhältlich.

Nissan Juke: Diese Details des Japaners störten im Alltag besonders

Zu den Details: Positiv aufgefallen ist der im Vergleich zum Vorgänger um 20 Prozent größere Kofferraum. Jetzt passen 68 Liter mehr und damit 422 Liter in den Nissan Juke hinein. Praktisch: die um 13 Zentimeter größere Ladebreite. Auf der negativen Seite rangiert ein kleines, aber nerviges Detail: So will der Disclaimer im Infotainment-System immer sein Okay haben, sonst verschwindet er nicht vom Bildschirm. Bei anderen Herstellern passiert das nach einigen Sekunden automatisch.

Unser Fazit zum Nissan Juke: Den Dreizylinder mit seinem gewöhnungsbedürftigen Ansprechverhalten wird man zwar nie lieben, aber des Verbrauchs wegen akzeptieren. Der Nissan Juke ist ein durch und durch vernünftiges Auto, aber eines, das auch noch gut aussieht.

Technische Daten Nissan Juke N-Connecta
Motor / Getriebe / Antrieb:1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner, 6-Gang-Schalter, Frontantrieb
Leistung / Drehmoment:86 kW (117 PS) / 180 Nm bei 1750 - 4.000 U/min
Länge / Breite / Höhe: 4210 / 1900 / 1600 mm
Normverbrauch (NEFZ) / CO2-Emission4,9 l/100 km / 112 g/km
Preis: ab 22.990 Euro (Basismodell: 18.990 Euro)

Von Rudolf Bögel (mid)

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