Mini John Cooper Works GP

Dieser Mini ist schneller als so mancher Sportwagen

  • Jan Schmidt
    vonJan Schmidt
    schließen

Mit dem neuen Mini John Cooper Works GP geht die englische BMW-Tochter auf Rekordjagd. Der Dreitürer ohne Rückbank ist mit seinen 225 kW/306 PS der stärkste Mini aller Zeiten und mit 265 km/h Vmax gleichzeitig der schnellste. Und der teuerste leider auch. 

  • Dieser Mini leiht sich den 2,0-Liter-Turbomotor aus dem BMW M135i
  • Mit 265 km/h ist der John Cooper Works GP bislang der schnellste Mini
  • Die limitierte Auflage des John Cooper Works GP ist bereits ausverkauft

Nürburgring – Schon auf dem Weg hinauf zum ehrwürdigen Nürburgring lassen sich bei aller Vorfreude zweifelnde Gedanken nicht ganz vertreiben. Denn dort wartet ein ganz besonderer Kleinwagen, geadelt durch das Prädikat „Mini“. Bärenstark wie nie, mit ausgebauter Rückbank und einem fürstlichen Preis von 45.000 Euro. Ist das der Tempo-265-Mini, auf den die treuen Fans schon immer gewartet haben oder vielleicht doch nur die Antwort auf eine nie gestellte Frage?

Vom niedlichen Erscheinungsbild der Basis ist wenig übrig geblieben

Der Name ist lang: „Mini John Cooper Works GP“, wobei die letzten Buchstaben „Grand Prix“ für die Rennstreckentauglichkeit eines Autos mit Straßenzulassung stehen sollen. Das Auto ist die zumindest vorläufige Krönung der Arbeit der offiziellen Mucki-Bude von Mini. Deshalb auch die Superlative. Trotz allem steht da unverkennbar ein Mini. Doch das so freundlich-knuddelige Gesicht unter den kreisrunden Glubschaugen wurde beim Knallbonbon kurzerhand wegdesignt. Das Kühlermaul zeigt tiefes Schwarz, ist leicht aufgestülpt mit einem knallroten Doppelstrich in der Mitte. Das scharfe Chili-Rot findet sich auch als Umrandung der gewaltigen Atemorgane unterhalb des Grills. Belüftet wird zudem durch seitliche Öffnungen in den Kotflügelwangen.

Mit 265 km/h Höchstgeschwindigkeit setzt der neue JCW GP eine neue Bestmarke für Mini.

Zum ziemlich bösen Gesamteindruck tragen die dicken, leicht von der Karosse abstehenden Karbonbacken um die Radhäuser ebenso bei wie der zweistöckige, mittig halbierte Dachspoiler, der dem Heckfenster Schatten spendet und dessen Inneres ebenfalls ins Gewürzrot getaucht wurde. Gleiches gilt für das GP-Logo an den Seiten. Die beiden je neun Zentimeter dicken Endrohre glänzen dagegen in feinem Alu-Silber. Egal, ob das Drumherum nun gefällt oder nicht, auf jeden Fall flößt das optische Gesamtwerk Respekt ein, wartet mit bedrohlichem Bollersound irgendwo von unten auf seinen Einsatz.

Der neue Mini JCW GP fällt durch seinen ungewöhnlichen Heckspoiler ins Auge

Beim Mini John Cooper Works GP fallen 306 PS über die Vorderräder her

Kurz noch ein Blick ins Datenblatt. Unter der kurzen Haube werkelt ein Zweiliter-Turbo mit 225 kW/306 PS, eine Organspende der Mutterfirma. Bei BMW treibt er den M135i an, dort allerdings kombiniert mit Allradantrieb. Im Mini übernimmt die Kraftverteilung ein intelligentes Sperrdifferential, das mit der Achtgang-Automatik zusammenarbeitet. Das Digital-Cockpit überrascht, wurde es doch vom Elektro-Mini übernommen. Wohl eine Art Tribut an die neue, sauberere Zeit, die in nicht allzu ferner Zukunft Gefährten wie diesem Kraft-Mini alter Schule den Garaus machen dürfte.

So weit sind wir aber noch nicht. Der Startknopf ist schon gedrückt, es geht die lange Boxenstraße entlang in Richtung der geschlängelten Eifel-Piste, auf der zuletzt vor sieben Jahren die Formel 1 um Punkte kämpfte. Das dicke Lenkrad fordert Zupacken, dahinter warten die großen Schaltpaddels in Reichweite der Finger auf Fahrerbefehle, wenn die Automatik auf manuell gepolt ist. Schon auf den ersten Metern offenbart der Mini seine Härte, entdeckt selbst auf dem optisch glatten Asphalt unebene Bereiche, die er ans Kreuz seines Fahrers weiterreichen kann.

Das Cockpit des JCW GP ist wie beim Elektro-Mini digital.

Das ist auch so gewollt von den Ingenieuren bei John Cooper. Schließlich soll der Mensch mit der Maschine gleichsam verwachsen. Das gilt auch für die Kurvenhatz, seit jeher eine besondere Stärke aller Minis. Das immer wieder beschworene Kart-Feeling erreicht beim Kraftprotz eine neue Dimension. Erlebbar auch für Normalfahrer, auf die Spitze gebracht sicher nur von Profis. Die präzise Lenkung, die brachial spurtreuen Bremsen, das ausgeklügelte Sperrdifferential mit seinem Widerwillen gegen durchdrehende Räder. Ein Gesamtpaket an Perfektion, für das Enthusiasten vielen Stunden am Computer und hinterm Lenkrad verbracht haben.

Aber ehrlich: Gibt es wirklich genug Menschen, die ihr Investment von mindestens 45.000 Euro auf einer abgesperrten Strecke in Gefahr bringen? Der kleinste Fahrfehler kann das Kunstwerk in einem Schrotthaufen verwandeln, tritt man auch noch gegen Gleichgesinnte im Rennen an, drohen Crashs und Schlimmeres. Das weiß wohl auch Mini und hat die gesamte Produktion des John Cooper Works GP auf 3.000 Stück begrenzt. Hartgesottene Freaks mit gut gefüllter Brieftasche zu begeistern ist bei einer Ikone wie der früheren Hutschachtel eine leichte Übung.

Außerdem trägt der Bayern-Brite ein offizielles Kennzeichen, darf sich also auch unter die Mehrheit der Normalos mischen, ob auf Autobahn, Landstraße oder in der Großstadt. Alltag heißt das Stichwort. Und hier lässt der fürs Rumtoben gedachte Neuling deutlich Federn. Fehlanzeige bei den hinteren Türen, erklärbar durch den Verzicht auf eine Rückbank und dem Status als Zweisitzer. Annehmlichkeiten wie Klimaanlage oder aufwendiges Infotainment wurden auf dem Altar der Gewichtsabnahme auf 1,33 Tonnen geopfert.

Die Rückbank wurde weggelassen, stattdessen sorgt eine Querstrebe für Steifigkeit.

Und die Fähigkeit, auf der Rennstrecke zu glänzen, birgt Gefahren. Wer auf engen Landstraßen den Vettel in sich entdeckt, wird schnell den Unmut all der anderen spüren. Knapp über fünf Sekunden auf Tempo 100 (Furioser Abschied von Dragster-Fahrerin: So spektakulär wurde ihre Asche verstreut) und ab dann lauern die Tempowächter. Auf der Autobahn kann der John Cooper all die noch teureren Mercedes-AMG oder Audi RS ärgern. Müssen diese Kraftprotze bei 250 km/h passen, legt der Brite noch eine Schippe drauf – 265 km/h auf der linken Spur, wenn´s denn sein muss.

Unterm Strich bleibt die Frage nach dem Sinn solcher Kleinauflagen. Bei allem Respekt für die fraglose Ingenieurskunst, dem Spaßfaktor und der vielbeschworenen Freiheit auf Rädern, ist dieser Mini einfach auch aus der Zeit gefahren. Doch etwaige Protestler können ihre Plakate schnell wieder einrollen. Der „GP“ ist bereits ausverkauft, gerade mal 511 Stück gehen nach Deutschland. Einem von denen in freier Wildbahn zu begegnen, dürfte also – je nach Einstellung – ein Frage des Glücks oder Ärgers sein.

Mini John Cooper Works GP – Technische Daten

Hubraum1.998 ccm
Leistung225 kW/306 PS
Drehmoment450 Newtonmeter
Beschleunigung von 0 bis 100 km/h5,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit265 km/h
Normverbrauch7,3 Liter/100 km
Grundpreis45.000 Euro

Von Peter Maahn (SP-X)

Rubriklistenbild: © Hersteller

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema