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MG Marvel R Electric im Test: Hat der Elektro-Chinese in Europa eine Chance?

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Von: Sebastian Oppenheimer

Die Automarke MG gehört zum chinesischen SAIC-Konzern und setzt auf E-SUV. Jetzt kommen diese auch nach Europa. Wir sind den MG Marvel R Electric gefahren.

München – Knapp 4,70 Meter lang, schick gestylt und natürlich ein SUV mit Elektroantrieb. Das ist die Erfolgsformel, auf die nicht nur die chinesischen Autohersteller setzen, wenn sie um die Welt ziehen, um neue Märkte zu erobern. Das neueste Modell aus dem Reich der Mitte ist der Marvel R Electric, produziert von SAIC Motor (früher: Shanghai Automotive Industry Corporation) und vom größten Autoproduzenten Chinas vertrieben unter dessen Markenableger MG, der gerade in Europa eine stattliche Tradition hat. Doch die Zeiten der Marke der spaßigen Roadster oder eleganten Mittelklasse-Limousinen mit BMW-Technik und britischem Charme sind vorbei. Der Marcel R trifft ins Herz eines Segments, in dem in den nächsten Jahren die Musik spielen wird. (Elektroautos im Einheits-Design: Darum kommen so viele Stromer als SUV)

EIn MG Marvel R Electric RWD
Der MG Marvel R Electric RWD treibt mit einem 132 kW / 180 PS starken Elektromotor die Hinterachse an. © MG

MG Marvel R Electric im Test: Hat der Elektro-Chinese in Europa eine Chance?

Der Kunde hat die Wahl zwischen 132 kW / 180 PS und 212 kW / 288 PS, Heck- oder Allradantrieb und je nach Ausstattungsvariante einem Preis zwischen 40.000 und knapp über 50.000 Euro. Der MG Marvel macht mit seinem markigen Gesicht mit den tief sitzenden LED-Augen einen zeitgemäßen Eindruck, der in China und Europa gleichermaßen ankommen soll. Marktstart könnte noch bis Jahresende sein, je nachdem wann die Fahrzeuge aus China in Europa eintreffen und über die Europazentrale in den Niederlanden auf die einzelnen Vertriebsregionen aufgeteilt werden. (MG Cyberster Concept: Ausdauernder Elektro-Roadster –Studie will Mega-Reichweite schaffen)

Basismodell ist der MG Marvel R Electric RWD, der mit seinem 132 kW / 180 PS starken Elektromotor allein über die Hinterachse unmerklich über ein Zweiganggetriebe angetrieben wird. Mit seinem maximalen Drehmoment von 410 Nm geht es nach dem Druck auf den Startknopf forsch los, auch wenn der rechte Schub fehlt, den manche Elektro-Crossover mit mehr Leistung bieten. Dafür, dass es sich um ein Vorserienmodell handelt, macht der Marvel aber einen guten Eindruck, denn da klappert und rappelt nichts. Angenehm: Dank Dämmglas in den Türen bleiben die meisten Geräusche draußen. (VW ID.4 GTX im Test: So fährt sich der sportliche E-Crossover)

Ein MG Marvel R Electric RWD an einer Ladesäule
Der Akku des MG Marvel R Electric RWD hat eine Kapazität von 70 kWh, die maximale Reichweite liegt bei 400 Kilometern. © MG

MG Marvel R Electric im Test: Leichter als manch anderes Elektromobil

Zudem ist die Basisversion mit Hinterradantrieb mit einem Leergewicht von 1,8 Tonnen leichter als manch anderes Elektromobil – und selbst die Allradversion bringt kaum mehr als 1,9 Tonnen auf die Waage. Raketenstarts lassen sich mit 132 kW / 180 PS natürlich nicht erledigen, aber wer meint, dass der MG nur locker im Verkehr mitschwimmen kann, der irrt. Gerade aus mittleren Geschwindigkeiten spurtet der Hecktriebler kraftvoll los und während viele Wettbewerber ihre Elektromodelle bei 160 oder 180 km/h abregeln, geben die Chinesen ihrem MG Marvel mehr Leine. Er wird erst bei 200 km/h eingebremst.

Federung, Dämpfung und Abrollverhalten der 19-Zöller – alles passt und das niedrige Geräuschniveau sorgt dafür, dass man sich auf Anhieb heimisch fühlt. Das Anfedern ist bei Bodenunebenheiten komfortabler als bei manch europäischem Wettbewerber, wobei die leichtgängige Lenkung deutlich mehr Rückmeldung geben dürfte. Dafür ist das entspannte Kurbeln gerade beim Rangieren angenehm, dazu kommen Kameras, die Rundumsicht gewährleisten. (Kein Witz: Elektrischer Arcfox möchte diese deutschen Premium-Marken angreifen)

Blick ins Cockpit eines MG Marvel R Electric
Ein großes Touchdisplay im Hochformat dominiert die Mittelkonsole des MG Marvel R Electric. © MG

MG Marvel R Electric im Test: 400 Kilometer maximale Reichweite

Das Akkupaket im Unterboden des MG Marvel R Electric mit seiner Kapazität von 70 kWh sorgt für eine maximale Reichweite von 400 Kilometern, ehe der nächste Steckerstopp droht. Die Allradversion muss gar mit 370 Kilometern auskommen, ehe es an die Ladesäule geht. Hier würde man sich zumindest eine zweite Akkuvariante mit mehr Kapazität wünschen, denn gerade im Winter und mit zahlreichen eingeschalteten Verbrauchern an Bord werden aus 400 Kilometern schnell 250 oder noch weniger Kilometer. Da bieten andere Hersteller mittlerweile mehr.

Beim Nachtanken fährt der MG Marvel R Electric nicht in der ersten Liga, denn seine maximale Ladeleistung ist mit 92 Kilowatt recht überschaubar. So dauert es an einer Schnellladestation eine halbe Stunde, ehe der Akku von 30 auf 80 Prozent seiner Leistungsfähigkeit erstarkt ist. Von fünf bis 80 Prozent vergeht eine Dreiviertelstunde, bis das Display die gewünschte Reichweite für die Weiterfahrt anzeigt. Zusätzlich kann der Elektromotor beim Bremsen mit bis zu 100 Kilowatt rekuperieren und so Energie tanken. Und die gibt er auf Wunsch nicht nur in Kilometerleistung ab. Der MG Marvel R kann nämlich genauso Akkus externer Elektrogeräte mit Strom versorgen.

Technische Daten MG Marvel R Electric
Motor/Getriebe/AntriebElektromotor / zwei Gänge / Heck
Leistung/Drehmoment132 kW (180 PS) / 410 Nm
Vmax/0–100 km/h200 km/h / 7,9 s
Batteriekapazität70 kWh
Leergewicht1.810 kg
Preisab 40.000 Euro

MG Marvel R Electric im Test: Großes Hochkantdisplay als Bedienzentrale

Der Innenraum des MG Marvel R Electric ist modern und aufgeräumt – das Steuer liegt gut in der Hand und wenn etwas fehlt, dann ein Head-up-Display, das in der SUV-Mittelklasse längst etabliert ist. Die animierten Instrumente hinterm Steuer sind ebenso unauffällig wie die Bedienung der Lenkradfunktionen. Je nach angewähltem Fahrprogramm passiert nicht nur die Gasannahme flotter oder träger, auch das Display hüllt sich in unterschiedlich koloriertes Licht. Dabei wird die Armaturentafel dominiert vom großen Hochkantdisplay, über das sich alle wichtigen Funktionen steuern lassen (inkl. Navigation, Entertainment oder Klimatisierung). Das Touchdisplay hat dabei eine stattliche Größe von 19,4 Zoll.

Ein Blick in den Kofferraum eines MG Marvel R Electric
Der Kofferraum des MG Marvel R Electric fällt mit 357 Litern nicht gerade üppig aus. © MG

Das Platzangebot gerade vorne ist vollkommen in Ordnung, wobei die Verstellung der Sitzauflage Wünsche offenlässt. Hinten geht es zumindest für Erwachsene enger zu, aber nicht so beengt, dass man hier nicht sitzen könnte. Weniger üppig ist dagegen der Laderaum hinter der elektrischen Klappe, der 357 Liter fasst und sich durch Umlegen der Rückbank auf bis zu 1.396 Liter vergrößern lässt. Immerhin: Bei der von uns gefahrenen Version mit Heckantrieb gibt es unter der Fronthaube in einem zweiten Gepäckfach weiteren Platz für 150 Liter. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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