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Mercedes S 580 e im Test: So fährt sich der Sechszylinder mit E-Unterstützung

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Von: Sebastian Oppenheimer

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Standesgemäß reisen und dabei noch ökologisch unterwegs sein, das verspricht der Mercedes S 580 e. Wir sind mit der Langversion der Plug-in-Hybrid-S-Klasse gefahren.

Stuttgart – Bei der aktuellen Nomenklatur seiner aktuellen Modelle stellt uns Mercedes auf eine harte Probe. War bislang bei einem Sternenfahrzeug mit der 500 im Namen ein Achtzylinder gesetzt, verrichtet mittlerweile im S 500 (hier geht’s zum Fahrbericht) ein Sechszylinder mit Elektrounterstützung seinen Dienst. Da mögen die Marketingexperten noch so oft und nachdrücklich auf das Datenblatt und die ausreichende Leistung verweisen – für Traditionalisten beißt die Maus da keinen Faden ab: In einen 500er gehört ein Achtzylinder. Punkt. Wer also auf acht Töpfe Wert legt, muss zum S 580 greifen. (Mercedes S 680 Guard im Test: So sicher sind die Mächtigen in ihrer Panzer-Limousine)

Fahraufnahme eines Mercedes S 580 e
Der Mercedes S 580 e wird von einem Reihensechszylinder angetrieben – unterstützt von einem E-Motor. © Mercedes-Benz

Mercedes S 580 e im Test: So fährt sich der Sechszylinder mit E-Unterstützung

Wir haben uns diesmal den S 580 e geschnappt. Also einen Achtzylinder mit einer E-Maschine beziehungsweise einem Startergenerator, richtig? Tja, fast. Es ist ein Sechszylinder mit 270 kW / 367 PS, der es zusammen mit einem 110 kW / 150 PS Elektromotor auf eine Systemleistung von 375 kW / 510 PS bringt. Durch die Energie der 28,6-Kilowattstunden-Batterie soll diese S-Klasse als Plug-in-Hybrid mit einer Höchstgeschwindigkeit von gut 140 km/h im Idealfall mehr als 100 Kilometer rein elektrisch fahren. Sobald sich der Verbrennungsmotor am Vortrieb beteiligt, steigt der Top-Speed auf 250 km/h und aus dem Stand erreicht die S-Klasse nach 5,2 Sekunden die 100-km/h-Marke. (Brabus B50 im Test: Veredelter Mercedes-Benz S 500 – Sechszylinder-Turbo überrascht)

Fahraufnahme eines Mercedes S 580 e
Mercedes S 580 e: Die Systemleistung des Plug-in-Hybriden liegt bei 375 kW / 510 PS. © Mercedes-Benz

Mercedes S 580 e im Test: Kofferraumvolumen mit 350 Litern ziemlich mager

Bei der S-Klasse ist die Toleranzschwelle der Kundschaft vergleichsweise niedrig. Deswegen haben die Ingenieure einige Ärgernisse ausgeräumt, die die verwöhnte Klientel beim Vorgänger murren ließen. Die nervige Stufe im Kofferraum ist verschwunden, stattdessen gibt es jetzt eine Durchlademöglichkeit, was bei einem angesichts der Größe des Autos übersichtlichen Kofferraumvolumen von 350 Litern durchaus hilfreich ist. Der ebene Ladeboden ist hauptsächlich ein Resultat der verbesserten Technik. Die Batteriezellen sind kleiner geworden, die Hinterachse im Vergleich zu den anderen S-Klassen um 2,7 Zentimeter tiefer eingebaut und der flache 67-Liter-Tank befindet sich jetzt unter der Rückbank. Das hat den Vorteil, dass die Fondsitze im gewohnten Maße verstellbar sind, was bei einer Chauffeurslimousine wie der S-Klasse extrem wichtig ist. Kein Mensch gibt mindestens 127.425,20 Euro für die Langversion des S 580 e aus, um hinten rechts Kompromisse einzugehen. (Mercedes schlägt Tesla – bislang fortschrittlichster Autopilot kurz vor Serienreife)

Mercedes S 580 e im Test: „Chefsessel“ lässt sich zum Liegesitz umfunktionieren

Auf dem Chefsessel kann man wahrlich fürstlich reisen. Der Luxusplatz ist dick gepolstert, lässt sich zu einem Liegesitz mit einer Lehnenneigung von 37 Grad umfunktionieren und bietet etliche Massageprogramme. Auf Wunsch sind auch eine First-Class-Bedientafel samt Tablet-Bildschirm und zwei Thermo-Cupholder, die die Getränke wärmen oder kühlen, erhältlich. Damit das edle Haupt angenehm gebettet wird, bietet die Mercedes Luxuslimousine ein beheizbares Zusatzkissen an den Kopfstützen. Die Langversion bringt es auf 5,29 Meter und übertrifft damit die reguläre S-Klasse um elf Zentimeter. Dieser Längenvorteil schlägt sich eins zu eins auf den Radstand (3,22 Meter) nieder. (Mercedes S 400 d 4matic im Test: Seine riesige Reichweite lässt alle Elektroautos alt aussehen)

Blick in den Innenraum einer Mercedes S-Klasse
Im Innenraum zeigt Mercedes, warum die S-Klasse der Inbegriff einer Luxuslimousine ist. © Mercedes-Benz

Mercedes S 580 e im Test: Selbst hartnäckige Schlaglöcher werden weggebügelt

Bei diesen Abmessungen ist es mehr als hilfreich, dass die Mercedes-Ingenieure trotz der Batterie die Hinterachslenkung im Heck untergebracht haben. Das verringert den Wendekreis um zwei Meter und somit lässt sich der immerhin 2.310 Kilogramm schwere E-Kreuzer auch in engen Städten wendig manövrieren. Auf der Langstrecke erweist sich die Kombination aus E-Maschine und Verbrennungsmotor als passend. Zumindest solange die Akkus Saft haben. Dann klappt das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten prächtig und der Mercedes S 580 e gleitet dank eines Drehmoments von 750 Newtonmetern souverän über den Asphalt. Das liegt auch am Luftfahrwerk, das aufgrund der über 300 Kilogramm Zusatzgewicht gegenüber dem S 500 4Matic einen Schuss straffer abstimmt, was aber immer noch sehr komfortabel ist. Selbst hartnäckige Schlaglöcher steckt der Edel-PHEV locker weg. Nur wenn man aus dem Gentleman einen Athleten machen will, meldet sich der Reihensechszylinder knurrend zu Wort. (Kurioser Prototypen-Crash: Getarnter Rivian kracht in Mercedes S-Klasse)

Technische Daten Mercedes S 580 e (Kurzversion)
Motor/Getriebe/AntriebReihensechszylinder mit E-Motor / Neungang-Automatik / Heck
Leistung/Drehmoment375 kW (510 PS) / 750 Nm
Vmax/0-100 km/h250 km/h / 5,2 s
Länge/Breite/Höhe5.179 / 1.954 / 1.503 mm
Leergewicht2.310 kg
Ladevolumen350 Liter
Normverbrauch1,3 l/100 km
CO2-Ausstoß30 g/km
Basispreis123.736,20 Euro

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Mercedes S 580 e im Test: Demnächst auch mit Allradantrieb zu haben

Mercedes gibt den Durchschnittsverbrauch mit 1,3 l/100 km an, wir haben dem System das Kommando über den Einsatz der Antriebskomponenten überlassen und benötigten 5,6 l/100 km. Allerdings waren da schnelle Autobahnfahrten und Bergetappen dabei. Um die leeren Akkus wieder zu füllen, braucht man am optionalen 60-kW-Lader rund eine halbe Stunde. Zudem bietet der Plug-in-Hybrid allen Infotainment-Luxus, der auch die anderen S-Klassen der Baureihe W223 auszeichnet: Das Tablet in der Mitte ist maximal 12,8 Zoll groß und hat eine OLED-Auflösung von 1.888 mal 1.728 Pixel. Dazu passt die verbesserte und eingängigere Bedienung. Sprachbefehle werden zuverlässig erkannt und im Lenkrad kann man per berührungssensitiven Flächen zum Beispiel die Lautstärke sehr gut und genau regulieren. Der Fahrer blickt auf ein 12,3 Zoll großes virtuelles Cockpit oder ein riesiges Head-up-Display mit Augmented Reality, also weisen auch hier fliegende Pfeile den Weg. Der kann übrigens demnächst auch mit einem Allradantrieb bewältigt werden. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

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