1. 24auto
  2. Tests
  3. Fahrbericht

Mercedes-Maybach S 680 im Test: So edel ist die Super-Luxus-Limousine

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marcus Efler

Früher war Maybach eine eigenständige Marke, heute tritt der historische Name als Top-Version von Mercedes an. Kann er Rolls-Royce und Bentley das Wasser reichen?

Stuttgart – Wem die Mercedes S-Klasse nicht luxuriös genug ist, greift zum ultimativen Nobelgefährt: Beim Maybach ist das Beste gerade gut genug. Und eine Fahrt in diesem Edel-Mercedes ist ein Ereignis, wie man es selten erlebt. Sei es als Chauffeur mit dem feinen Zwölfzylindermotor oder als Passagier auf dem Luxussitz hinten rechts. Dort, im Mercedes-Maybach S 680, ist die Welt noch in Ordnung. In der Mittelkonsole perlt der perfekt gekühlte Champagner, der Kopf ruht auf einem Kissen, die Beine machen es sich auf weißem Leder bequem, und der Rücken wird von einem der vielen Massageprogramme durchgeknetet. Insgesamt 253 LEDs tauchen die Fahrgastzelle in ein warmes, wohliges Licht. Dank besonders dicken Fensterscheiben, speziellen Reifen und einer ausgetüftelten Akustik dringt kaum ein Außengeräusch ins Ohr. (Mercedes bringt neuen Maybach – doch sein Motor ist den Schwaben unangenehm)

Mercedes-Maybach S 680, fahrend
Imposante Erscheinung: der Mercedes-Maybach S 680 © Dieter Rebmann/Mercedes-Benz AG

Mercedes-Maybach S 680 im Test: So fährt sich die Super-Luxus-Limousine

Egal wohin das Auge blickt und die Finger auch tasten: Der Innenraum gleicht einer Luxuslounge, bei der an keiner Ecke gespart wurde – angefangen beim edlen Holzboden bis hin zu den chromglänzenden Hebeln und Knöpfen. Selbst der Duft der ausgesuchten Materialien ist betörend. So reisen Superreiche mit ihren Luxusjachten. Nur dass dieses Traumschiff über Asphalt rollt oder, besser gesagt, gleitet. Hier ist der Daimler-Markenspruch ohne Kompromisse in die Tat umgesetzt: „Das Beste oder nichts.“ Allein die beliebte Zwei-Ton-Lackierung benötigt eine Woche, bis sie fertig ist. (Rolls-Royce Boat Tail: Teuerstes Cabrio aller Zeiten – für Beyoncé und Jay-Z?)

Mercedes-Maybach S 680, fahrend, von seitlich hinten
Die Zweifarben-Lackierung lockert die wuchtige Erscheinung auf. © Dieter Rebmann/Mercedes-Benz AG

Mercedes-Maybach S 680 im Test: Leise-Technik von Kopfhörern

Damit die feinen Herrschaften auch ungestört vorankommen, zieht Mercedes beim Maybach einige technische Register. Eines davon teilt sich das Prinzip mit den Noise-Cancelling-Kopfhörern: Im Dachhimmel wachen vier Mikrofone über die Geräuschkulisse im Innenraum. Ist das Triebwerk im Teillastbetrieb besonders laut oder dringen nervige Abrollgeräusche ins Interieur, schickt das System innerhalb von drei Millisekunden über die Basslautsprecher des Soundsystems einen entsprechenden Gegenschall, der das Geräusch fast vollständig eliminiert. Damit es gar nicht erst so weit kommt, speziell bei den höheren Frequenzen, rollt die Nobelkarosse auf Reifen, die mit Schaumabsorbern versehen sind. (Bentley Continental GT Speed: Wie sportlich ist das stärkste Modell der Baureihe?)

Passagierin im Fond des Mercedes-Maybach S 680
First Class auf Rädern: der Fond des Mercedes-Maybach S 680 © Dieter Rebmann/Mercedes-Benz AG

Mercedes-Maybach S 680 im Test: Konkurrent für Rolls-Royce und Bentley

„Die S-Klasse ist, was wir technisch können. Mit dem Maybach legen wir noch eine Schippe drauf“, sagt Produktmanager Lars Wehmeier über die höchste Modell-Variante von Mercedes, die es mit der BMW-Tochter Rolls-Royce und der Volkswagen-Marke Bentley aufnehmen soll. Mit 5,47 Metern misst der Super-Mercedes 18 Zentimeter mehr als die Langversion der S-Klasse. Da der Radstand auf 3,39 Meter wächst, kommt viel zusätzlicher Platz den Passagieren zugute. Dank der technischen Basis der S-Klasse lässt sich der Luxus-Liner erstaunlich entspannt durch den Alltagsverkehr manövrieren. Auf Wunsch hilft dabei die Hinterachslenkung, bei der die Räder mit einem Winkel von bis zu zehn Grad einschlagen und den Wendekreis um zwei auf 11,40 Meter verringern. Mithilfe der Stereokamera erkennt das Fahrwerk Bodenunebenheiten und gleicht sie mithilfe der Luftfederung schon vorausschauend aus. Bei einem Seitencrash schützt die Technik die Insassen, indem sie eine Seite anhebt.

Technische Daten Mercedes-Maybach S 680
Motor/Getriebe/AntriebSechsliter-V12 / 9-Gang-Automatik / Allrad
Leistung/Drehmoment450 kW (612 PS) / 900 Nm bei 2.000 – 4.000 U/min
Länge/Breite/Höhe5,47/1,92/1,51 m
Kofferraumvolumen495 l
Vmax/0–100 km/h250 km/h / 4,5 s
Normverbrauch/CO2-Ausstoß14,1 l/100km / 322 g/km
Preis216.283 Euro

Selbst der Chauffeur genießt außerordentlichen Luxus, sei es durch den feinen Sitz oder die bloße Anwesenheit des mächtigen Sechsliter-Zwölfzylinders, der Daimlers Luxusgefährt mit seinen 612 PS und dem maximalen Drehmoment von 900 Newtonmetern so herrlich majestätisch nach vorne schiebt. Das ist Laufkultur und Souveränität vom Feinsten. Wir dürfen getrost annehmen, dass der Fahrer noch seinen Enkeln von diesem Erlebnis berichten wird. Und wenn es einmal eng wird, garantiert der Allradantrieb jederzeit Traktion. Auch wenn man in diesen Kreisen nicht über Spritverbrauch redet, gebietet es die Chronistenpflicht, dass wir die 14,1 l/100 Kilometer dennoch erwähnen. Und auch der Mercedes-Maybach S 680 4Matic selbst ist mit über 216.000 Euro kein Fall für die Portokasse. Wer sich mit vier Töpfen weniger zufriedengibt, landet beim keineswegs armseligen S 580 4Matic mit 503 PS und einem maximalen Drehmoment von 700 Nm. Das ist alles andere als untermotorisiert, kostet aber gut 50.000 Euro weniger. Den Reichen und Schönen ist es wohl egal: Das deutsche Kontingent ist für dieses Jahr schon ausgebucht, und China will noch mehr Maybach-Modelle haben. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Auch interessant

Kommentare