Stromer im Test

Mercedes EQC: Diese Reichweite des Elektro-SUV ist im Alltag realistisch

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Leistung satt, Komfort auf gewohntem Niveau, Preis auch – wir wollten wissen, wie sich der erste vollelektrische Mercedes im Alltag macht. Und waren durchaus überrascht.

Stuttgart – Seit gut einem Jahr ist die Stromer-Variante des Mercedes GLC auf dem Markt. Zeit, dem Mercedes EQC im Alltag zu begegnen. EQ heißen alle Mercedes mit reinem E-Antrieb, der dritte Buchstabe verweist dann auf das jeweilige Schwestermodell oder die entsprechende Klasse. Die neue Submarke wird sukzessive mit Leben, also mit Modellen, gefüllt und der EQC machte 2019 als Vertreter der derzeit besonders beliebten SUV den Anfang. Das C steht in diesem Fall zwar für C-Klasse, aber eben in ihrer erhöhten Form, dem GLC. Die Verwandtschaft ist unschwer zu erkennen, auch wenn die Front etwas geglättet und aerodynamisch optimiert daherkommt und auch das Dach hinten etwas weiter abfällt als im konventionellen GLC.

Der Mercedes EQC beschleunigt in 5,1 Sekunden von null auf Tempo 100 – doch bei 180 km/h ist Schluss.

Mercedes EQC: Diese Reichweite des Elektro-SUV ist im Alltag realistisch

Mercedes hat die 80-kWh-Batterie im Unterboden des SUV untergebracht. Dadurch ist der Schwerpunkt niedrig und das Raumangebot im Auto ändert sich nicht. An Vorder- und Hinterachse werkelt jeweils ein E-Motor. Beide zusammen kommen auf 300 kW (408 PS) und stellen ein Drehmoment von 760 Nm bereit. Klingt beeindruckend und fühlt sich auch so an, wenn man das Gas-, Pardon, Fahrpedal kräftig durchdrückt. Dann leugnet der leer immerhin knapp 2,5 Tonnen schwere EQC kurz die Schwerkraft und beschleunigt in 5,1 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. (Elektromotoren: Es gibt drei Arten – doch die Zukunft gehört wohl dieser Technik)

Noch beeindruckender ist aber, wie vehement er bei Landstraßentempo zum Zwischensprint und Überholen ansetzt, wenn der Fahrer die entsprechenden Befehle gibt. Da wird das SUV zum Sportwagen, zumindest auf gut ausgebauten Bundesstraßen und Autobahnen. Bei 180 km/h setzt die Elektronik weiterer Beschleunigung ein Ende. Das ist auch gut so, weil sich sonst die Batterie doch schneller leert, als man wahrhaben will. In engen Kurven kann das Fahrwerk natürlich nicht verleugnen, dass eine gewichtige Masse beschleunigt und gebremst werden will. (Klänge für Elektroautos: „Sound ist das neue Licht“)

Der Basispreis des Mercedes EQC liegt aktuell bei 69.484 Euro.

Mercedes EQC: An einer Schnellladesäule saugt das SUV in 40 Minuten Strom für 300 Kilometer

Nimmt man die üppige Leistung als Reserve für Überholmanöver und ab und an etwas Spaß, tritt der EQC als ganz normales, vernünftiges E-Auto auf – mit allen Vor- und Nachteilen dieser Gattung. Er fährt flüsterleise, entspannt und völlig alltagstauglich, wenn man denn die täglichen Touren nicht auf der Langstrecke verbringt. Nach NEFZ-Wert kommt der EQC mit einer Füllung der Batterie bis zu 462 Kilometer weit. Praktisch zeigt der Bordcomputer nach einer Nacht an der Wallbox Reichweiten um 360 Kilometer an, die sich im Testzeitraum und bei normaler, also entspannter und verkehrsregelkonformer Fahrweise auch als realistisch herausstellten. Im Mittel kamen wir mit 25 kWh Strom 100 Kilometer weit. Übrigens hat Mercedes-Benz inzwischen den Lader für Wallboxen von 7,5 auf 11 kW verstärkt, sodass an der heimischen Box 7,5 Stunden für eine Ladung genügen. An einer Schnellladesäule werden binnen 40 Minuten 80 Prozent der Batterie gefüllt, das reicht dann auch wieder für rund 300 Kilometer. (BMW: Jubel-Post zur neuen Mercedes-Benz S-Klasse – doch die Sache hat einen Haken)

Im Bordmenü des MBUX-Kommunikations- und Infotainmentsystems kann man schön ablesen, wofür die Batterieladung draufgeht: Der Energiehunger von Verbrauchern wie Heizung oder Klimaanlage ist ursächlich dafür, dass auf den ersten Kilometern der angezeigte Verbrauch weit über den gut 20 kWh Normwert liegt. Erst wenn das Auto einigermaßen warm ist, sinkt der Anteil der Energie, die nicht für den Vortrieb verwendet wird, auf weniger als zehn Prozent. Das kann man natürlich steuern, indem man via App das am Ladekabel hängende Auto mit ein bisschen Vorlauf vorheizt. Aber wer macht das schon, wenn man nur kurz zum Einkaufen will? Und Strom kostet das schließlich auch. (Russischer Influencer zündet absichtlich 165.000-Euro-Mercedes an – der Grund ist absurd)

Der Mercedes EQC bringt es auf ein stattliches Leergewicht von 2,5 Tonnen – das merkt man in engen Kurven.

Mercedes EQC: So viel kostet das Elektro-SUV in der Basis

Anders als einen Plug-in-Hybriden muss man den EQC nicht ständig ans Ladekabel hängen. Wer zum Job pendelt und dabei nicht mehr fährt, als es in Deutschland üblich ist (40 Kilometer), muss nur alle paar Tage ans Kabel. Das Ankabeln geht allerdings so leicht, dass man es sich durchaus zur Gewohnheit machen kann. Tankklappe öffnen, Steckdosenklappe wegklicken, Kabel rein, fertig – zumindest, wenn man eine Wallbox sein Eigen nennt, die Mercedes im Zubehör für 870 Euro offeriert.

Natürlich muss man bei einem E-Auto auch über Geld sprechen: 69.484 Euro verlangt Mercedes aktuell für den EQC und montiert gegenüber dem vor einem Jahr vorgestellten Modell heute immerhin den besseren Lader ohne Mehrpreis. Immer an Bord sind verschiedene Annehmlichkeiten, für die man im herkömmlichen GLC extra zahlen muss, wie ein besseres Soundsystem, ein Park-Assistent oder eine Rückfahrkamera und Akustikglas. Für die ersten 150.000 Kilometer gehört auch der Austausch bestimmter Verschleißteile nebst Wartung zum serienmäßigen Servicepaket. Natürlich bietet die Liste eine Menge Optionen, den Preis nach oben zu treiben, aber im Grunde käme man mit der Basisversion schon ganz gut zurecht, gehören doch beispielsweise die hervorragenden Multibeam-LED-Scheinwerfer ebenso zum Serienumfang wie diverse Assistenten oder das MBUX-Kommunikationssystem mit Sprachsteuerung und Navigation.

Technische Daten Mercedes-Benz EQC 400
Motor/AntriebZwei Asynchron-E-Motoren, Allradantrieb
Leistung/Drehmoment300 kW (408 PS) / 760 Nm
Länge/Breite/Höhe4,76 / 1,88 / 1,62 Meter
Vmax/0–100 km/h180 km/h / 5,1 s
Batteriekapazität80 kWh
Reichweite421 – 462 km (NEFZ)
Kofferraumvolumen500 – 1.460 Liter
Basispreis69.484 Euro

Mercedes EQC: Von Staat und Hersteller gibt es eine Förderprämie von 7.900 Euro

Und da der Nettolistenpreis des EQC unter 60.000 Euro liegt, gibt es eine Förderprämie von aktuell 7.900 Euro brutto (16 % Mehrwertsteuer) von Staat und Hersteller. Das relativiert den hohen Einstiegspreis, zumal Dienstwagennutzer nur mit einem Viertel des üblichen Steuersatzes zur Kasse gebeten werden. Wer stattdessen lieber least, wird mit Leasingzinsen im Minusbereich belohnt, woran man sieht, dass Mercedes daran gelegen ist, möglichst viele E-Autos auf den Markt zu bringen. Kein Wunder, sinkt doch so der CO2-Ausstoß der Marke und entsprechend fallen etwaige Strafzahlungen wegen zu hoher Verbräuche geringer oder im besten Fall sogar ganz aus. (Günter Weigel / SP-X)

Rubriklistenbild: © Mercedes-Benz

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