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Mercedes EQB im Test: Das kann er besser als die elektrische A-Klasse

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Von: Marcus Efler

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Mit dem EQB schickt Mercedes den großen Bruder des EQA ins Rennen. Seine stärksten Konkurrenten kommen aber von VW.

Stuttgart – Wer A sagt, muss auch B sagen. Also schiebt Mercedes nach dem elektrischen EQA nun den EQB nach, der mit 4,68 Metern ganze 22 Zentimeter länger ist als der kleine Bruder. „Die Autos sind modular entwickelt“, erklärt Chefingenieur Axel Heix: also technisch eng verwandt. Im größeren EQB kann man aber eine aufpreispflichtige dritte Sitzreihe packen, oder einen Kofferraum mit maximal 1.710 Litern Fassungsvermögen nutzen. (Mercedes schlägt Tesla – bislang fortschrittlichster Autopilot kurz vor Serienreife)

Mercedes EQB im Test: Das kann er besser als die elektrische A-Klasse

Beim Allradantrieb nutzt Mercedes eine ähnliche Technik wie die Konkurrenz aus dem VW-Konzern: Während an der Hinterachse eine permanenterregte Synchronmaschine für Vortrieb sorgt, verrichtet vorne eine Asynchronmaschine (ASM) ihr Werk in Teilzeit. Deren Vorteil ist, dass sie auch ohne Strom mit minimalem Energieverlust mitläuft, aber bei Bedarf blitzschnell zugeschaltet werden kann. Meist aber agiert der effizientere Motor an der Hinterachse.

Mercedes EQB 300 4MATIC, fahrend
Im trendigen SUV-Design: Der Mercedes EQB 300 © Dieter Rebmann/Mercedes-Benz AG

So spart das Doppel Strom und erhöht die Reichweite. Das Zusammenspiel geschieht unmerklich und blitzschnell. Auffällig ist dagegen die Spreizung der Fahrprogramme: Grundsätzlich ist der EQB komfortabler abgestimmt als der EQA, der Familienausflug soll ja nicht zum Rüttelabenteuer ausarten. Im Komfortmodus ist das adaptive Fahrwerk so getrimmt, dass es Bodenunebenheiten so gut wie möglich absorbiert. Das gelingt prächtig, allerdings wippt die Karosserie bisweilen nach. Im Eco-Programm sind die Dämpfer straffer eingestellt. Im Sportmodus leitet das Fahrwerk kurze Schläge unnachgiebiger an die Insassen weiter, ist aber auf guten Straßen durchaus eine Alternative. (Mercedes-AMG SL: So emotional wird der neue Luxus-Roadster)

Mercedes EQB im Test: Teurer als VW und Audi

Auch die Strom-Annahme unterscheidet sich. Bei Sport spricht das Elektro-SUV schnell auf den Pedalbefehl an, während es im Eco-Modus nicht ganz so eilig vorangeht. Allerdings kann man mit einem Kickdown des Fahrpedals diese Zurückhaltung überstimmen. Holt man alles aus den 165 kW/218 PS heraus, ist aus dem Stand nach acht Sekunden Landstraßentempo 100 erreicht und bei 160 km/h Schluss. Deshalb geht dem EQB 300 jenseits der 120 km/h auch sukzessive die Luft aus. Mercedes gibt als Durchschnittsverbrauch 18,1 kWh/100 km und eine Reichweite von 419 Kilometern an. Wir brauchten bei unserer ersten Testfahrt vier Kilowattstunden mehr, was bei der 66,5 kWh-Batterie realistisch für gut 300 Kilometer reicht.

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Mercedes EQB 300 4MATIC von seitlich hinten
Große Klappe vor großem Innenraum: Der Mercedes EQB © Dieter Rebmann/Mercedes-Benz AG

Das Cockpit des EQB wirkt hochwertig, wenn auch der Materialmix im Interieur natürlich nicht S-Klasse-Niveau erreicht. Zudem hört man beim Rangieren die Mechanik der Rückfahrkamera: Eine Konsequenz der fehlenden Hutablage. Dennoch hat der Sternen-Stromer mit voraussichtlich rund 55.000 Euro seinen Preis, womit er um einiges teurer ist als etwa der VW ID.4 GTX oder auch der Audi Q4 45 e-tron. (Daimler in Bedrängnis: Kraftfahrtbundesamt sorgt nach Gutachten für Klarheit)

Interieur des Mercedes EQB 300 4MATIC
Das markentypische große Rechteck-Display dominiert das Interieur. © Dieter Rebmann/Mercedes-Benz AG

Mercedes EQB im Test: Besser zwei mal kurz laden als einmal lang

Bei der Navigation schlägt dafür mit der „Electric Intelligence“ die große Stunde des EQB. Dieses System bezieht bei der Suche nach dem schnellsten Weg zum Ziel verschiedene Faktoren wie Topografie, Fahrverhalten, Verkehrslage und Geschwindigkeitsbegrenzungen mit ein – und sogar Wetterdaten: Denn je kälter es ist, umso mehr Energie geht für das Heizen drauf.

Mercedes EQB 300 4Matic
Motor/Antrieb2 Elektro/Allrad
Leistung/Drehmoment165 kW (218 PS) / 390 Nm
Länge/Breite/Höhe4,68/1,83/1,70 m
Kofferraumvolumen495 – 1.720 l
Vmax/0–100 km/h160 km/h / 8,0 s
Normverbrauch/Reichweite18,1 kWh/100 km/419 km
Preisca. 55.000 Euro

Auch ein zusätzlicher Ladestopp kann die Fahrt beschleunigen. Denn zweimal kurz Strom zu tanken geht schneller, als den Akku einmal möglichst vollzupumpen, da dessen Speicherfähigkeit jenseits der 80 Prozent Kapazität merklich zurückgeht. Maximal 100 kW sind indes kein Rekordwert, da schaffen die VW-Konzernmodelle mehr. „Wir laden robust mit 100 kW“, hält Axel Heix dagegen und verweist auf den besonders effektiven Ladevorgang bei optimaler Temperatur.

Laut Mercedes fließt in 15 Minuten Schnellladen Saft für rund 150 Kilometer, während das Tanken von zehn auf 80 Prozent 32 Minuten dauert. Eine gute Sache ist, dass das Bezahl-Wirrwarr der Vergangenheit angehören soll: Bei 250.000 europäischen und etwa 42.000 deutschen Ladepunkten geschieht die Abrechnung automatisch. Im ersten Jahr ist der Spaß im Kaufpreis ab etwa 55.000 Euro inbegriffen, danach werden aber jährlich 99 Euro fällig. (Wolfgang Gomoll/press-inform)

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