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Mercedes-CLS-Facelift im Test: Neue Motorvariante mit Mild-Hybrid kann überzeugen

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Von: Marcus Efler

Daimler bringt sein bewährtes Design-Flaggschiff, den Mercedes CLS, per Facelift in Form. Vor allem dank einer neuen Motorvariante mit Mild-Hybrid kann das viertürige Coupé überzeugen.

Stuttgart – Was war der Mercedes CLS bei seinem Erscheinen doch für ein Schuss: Auf der IAA des Jahres 2003 drängten sich die Schaulustigen um das erste viertürige Luxus-Coupé überhaupt und beglückwünschten Daimler zum stilistischen Volltreffer. Knapp 18 Jahre später ist der Luxus-Gleiter immer noch ansehnlich, wird aber von den SUV und Stromern zunehmend an den Rand gedrängt. Entschieden sich 2005 noch fast 8.000 deutsche Autofahrer für den Viertürer, waren es 2020 weniger als 2.000. Noch weichen die Mercedes-Verantwortlichen der Frage nach einem Nachfolger aus. Allerdings halten sich die Gerüchte hartnäckig, dass dem CLS ein ähnliches Schicksal droht wie dem Shooting Brake der E-Klasse: das Aus. Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen, aber der kompromisslose Sparkurs von Daimler-Chef Ola Källenius verheißt für den CLS nichts Gutes. (Mercedes bringt neuen Maybach – doch sein Motor ist den Schwaben unangenehm)

Mercedes-Benz CLS 300 d, fahrend

Noch immer eine stattliche Erscheinung: der Mercedes CLS © Daniel Maurer/Mercedes-Benz AG

Mercedes-CLS-Facelift im Test: Diese neue Motorvariante kann überzeugen

Zumindest gibt es jetzt ein Facelift, das aber ziemlich überschaubar ausfällt. Die Front und das Heck werden überarbeitet, es gibt neue Felgen, die Ausstattungslinie AMG Line entfällt. Dafür kommen mehr sportliche Elemente ans Auto, ein paar neue Lackfarben und im Interieur andere Applikationen. Letztendlich ist dieses Upgrade aber lediglich eine flankierende Maßnahme: Schon vor knapp einem Jahr wurde die Infotainment-Technik runderneuert und das Bediensystem MBUX modernisiert. Im Vergleich zum riesigen Head-up-Display der Mercedes S-Klasse erscheint der Windschutzscheiben-Monitor des CLS zwar fast winzig, erfüllt aber nach wie vor seinen Zweck – und das mit Bravour. Auch dass die Sitzposition etwas höher ist als in Coupés üblich, stört nur sehr großgewachsene Zeitgenossen. (Mercedes-Flügeltürer zum Spottpreis – doch wer genau hinschaut, erkennt den Haken)

Mercedes-Benz CLS 300 d, fahrend von hinten

Der CLS war der erste Viertürer mit Coupé-Heck, mittlerweile gibt es mehrere Konkurrenten. © Daniel Maurer/Mercedes-Benz AG

Mercedes-CLS-Facelift im Test: Ein neuer Diesel mit Hybrid-Unterstützung

Etwas Neues findet sich unter der Haube: Der Vierzylinder-Diesel des 300 d leistet 265 PS und bekommt einen integrierten Starter-Generator, der den Verbrenner mit 15 kW / 20 PS und 200 Newtonmetern Drehmoment unterstützt. Diese milde Hybridisierung bekommt dem 1.935 schweren Luxus-Coupé spürbar gut: Gemeinsam wuchten die Motoren den Viertürer in 6,4 Sekunden auf 100 km/h und flott weiter bis maximal 250 km/h. Mercedes gibt als Verbrauch 6,6 l/100 km an, bei unseren Testfahrten genehmigte sich der CLS 7,1 l/100 km. Trotz guter Dämmung kann der Turbodiesel seine Bauart nicht gänzlich verleugnen, was aber nie unangenehm oder penetrant ist. Die elektrische Extra-Kraft kaschiert die Antrittsschwäche recht gut und so muss man nicht zwingend immer in die sportlichen Fahrprogramme wechseln, wenn man mal auf einer kurvigen Landstraße unterwegs ist. Zumal das Luftfahrwerk des Mercedes CLS samt den adaptiven Dämpfern ohnehin eher komfortabel ausgelegt und der Unterschied zwischen den Modi nicht besonders groß ist.

Technische Daten Mercedes CLS 300 d 4Matic
Motor/Getriebe/Antrieb4-Zylinder-Diesel / 9-Gang-Automatik / Allrad
Leistung/Drehmoment195 kW (265 PS) / 550 Nm bei 1.800 bis 2.200 U/min
Länge/Breite/Höhe4,99 / 1,89 / 1,44 m
Kofferraumvolumen520 l
Vmax/0–100 km/h250 km/h / 6,4 s
Normverbrauch12,8 l/100 km
CO2-Ausstoß172 g/km
Preis67.187,40 Euro
Cockpit des Mercedes-Benz CLS 300 d

Das Bediensystem MBUX hat der CLS schon seit letztem Jahr. © Mercedes-Benz AG

Der Antriebsstrang spricht auf die Gaspedalbefehle nicht zu hektisch an und auch die Rückstellkräfte der Lenkung wirken nicht übertrieben im Sinne einer falsch verstandenen Sportlichkeit. So macht dieser CLS in jeder Lebenslage Laune und der Allradantrieb bietet auch in schnell genommenen Kurven genügend Sicherheitsreserven und Traktion. Mit einem Radstand von 2,94 Metern und einem Wendekreis von 11,9 Meter ist der CLS natürlich kein behänder Stepptänzer, aber beileibe auch kein Anti-Sportler. Für eilige Zeitgenossen wäre dann eher der Mercedes-AMG CLS 53 4Matic+ die richtige Wahl, bei dem ein Reihensechszylinder-Benziner mit 435 PS (plus 16 kW / 22 PS durch den Starter-Generator) aus drei Litern Hubraum für angemessenen Vortrieb sorgt und den Standardsprint in 4,5 Sekunden erledigt. Klar macht dieser Top-CLS eine Menge Spaß, ist sportlicher, aber auch straffer abgestimmt als der Diesel, doch der kommt auf mindestens 88.196,85 Euro. Auch der 300er-Diesel mit 67.187 Euro und das CLS-Einstiegsmodell, der 60.755 Euro teure 200 d, sind nicht wirklich Schnäppchen. Schönheit hat eben ihren Preis – auch wenn sie nicht mehr die Jüngste ist. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

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