1. 24auto
  2. Tests
  3. Fahrbericht

Mercedes C-Klasse T-Modell im Test: Neuer Baby-Benz ist fast schon eine S-Klasse

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marcus Efler

Auch wenn sich der Kosename Baby-Benz hartnäckig hält: Daimlers Mittelklasse ist ganz schön groß geworden. Eine erste Ausfahrt im Mercedes C 300 d T-Modell zeigt Stärken und Schwächen.

Stuttgart – Der Schwabe hält gerne an Bewährtem fest. Umso mehr, wenn es sich um ein Brot-und-Butter-Auto handelt, mit dem der wichtigste Autobauer im Ländle viel Geld verdient: Rund 2,5 Millionen Autofahrer haben sich seit 2014 für die bisherige Mercedes C-Klasse entschieden. Damit ist die Baureihe mit der internen Bezeichnung W205 das erfolgreichste Modell des Baby-Benz (diese Bezeichnung stammt noch vom Urahnen, dem Mercedes 190 aus den 1980er-Jahren, als es noch keine A-Klasse gab). Ein Grund für den Erfolg ist sicher die Tatsache, dass die C-Klasse mittlerweile zur Mini-S-Klasse mutiert ist. Damit sind wir wieder beim Erfolgsrezept, das beim Nachfolger W206 noch besser funktionieren soll. (Mercedes-Flügeltürer zum Spottpreis – doch wer genau hinschaut, erkennt den Haken)

Mercedes C-Klasse T-Modell im Test: Der neue Baby-Benz ist fast eine S-Klasse

Wenn man sich die neue C-Klasse so anschaut, ist sie mit einer Länge von 4,75 Metern tatsächlich kein Baby der S-Klasse mehr. Eher der kleine Bruder. Daimlers neue Mittelklasse hat um sechs Zentimeter zugelegt, davon kommen 2,5 Zentimeter beim Radstand an. Bevor wir uns hinters Lenkrad setzen, nehmen wir deshalb im Fond Platz und stellen beruhigt fest, dass selbst klaustrophobische Zeitgenossen auf der geräumigen Rückbank keinen Grund zur Klage mehr haben werden. Dazu kommt ein noch akzeptabler Kofferraum von 360 Litern. Legt man die Lehnen der Rückbank um, werden immerhin 1.375 Liter daraus. Die Fahrer der Plug-in-Hybridversion profitieren vom neuen Gepäckabteil und freuen sich über die Tatsache, dass dann der Ladeboden trotz Akku darunter eben bleibt. (Mercedes-CLS-Facelift im Test: Neue Motorvariante mit Mild-Hybrid kann überzeugen)

Mercedes-Benz C 300 d T-Modell, fahrend
Die neue Mercedes C-Klasse T-Modell zeigt eine sportliche Front. © Dirk Weyhenmeyer/Mercedes-Benz AG

Mercedes C-Klasse T-Modell im Test: Leder und Jacht-Holz auf Wunsch

Das Cockpit gleicht stark dem der S-Klasse. Feine Materialien, weiches Leder und auf Wunsch edles Jacht-Holz zieren das Armaturenbrett. Bei der Anordnung gibt es aber durchaus Unterschiede: Die C-Klasse hat ein 12,3 Zoll großes virtuelles Cockpit plus zentralem 11,9 Zoll großen Tablet-Touchscreen, der ein wenig zum Fahrer geneigt ist. Ein gewisser Respektabstand zum ganz großen Bruder muss dann doch gewahrt bleiben. Deswegen bekommt die C-Klasse auch nicht das Cockpit mit 3D-Display, sondern lediglich eine ähnliche Darstellung. Das virtuelle Bild des Head-up-Displays, das scheinbar etwa 4,50 Meter vor der Motorhaube schwebt, ist mit einer Größe von 29,5 Zoll immer noch stattlich, aber deutlich kleiner als das des Flaggschiffs. Bei der Infotainment-Bedienung sind die Gemeinsamkeiten ebenfalls erkennbar, da die zweite Generation des Bediensystems MBUX jetzt auch hier Einzug hält. Mercedes verzichtet auch bei der C-Klasse auf eine ausgeprägte Smartphone-Optik und setzt auf Touchscreen ebenso wie auf klassische Hebel, Knöpfe sowie Sprachbedienung. (Brabus 900 Rocket: Diese getunte Mercedes G-Klasse hebt regelrecht ab)

Mercedes C 300 d T-Modell, fahrend, von seitlich hinten
Auch als Kombi sportlich: die neue Mercedes-Benz C-Klasse als T-Modell © Dirk Weyhenmeyer/Mercedes-Benz AG

Mercedes C-Klasse T-Modell im Test: Ohne Elektrifizierung geht gar nichts mehr

Unter der Haube geht ohne Elektrifizierung gar nichts mehr: Jedes Modell bietet entweder Plug-in-Hybrid (ab September) oder Mild-Hybrid als Ergänzung im Antriebsstrang. Wir sitzen im Mercedes C 300 d T-Modell, bei dem der 265 PS Vierzylinderdieselmotor mit einer 48-Volt-Hybridisierung und einem integrierten Starter-Generator (ISG) ausgestattet ist, der 15 kW /20 PS und 200 Newtonmeter per Boost beisteuert. Der Verbrennungsmotor kommt mit seinem maximalen Drehmoment von 550 Newtonmetern mit dem 1.835 Kilogramm schweren Kombi gut zurecht. Die Extra-Elektro-PS helfen dabei, dass der Vortrieb im Zusammenspiel mit der hauseigenen Neungangautomatik möglichst geschmeidig abläuft. (Mercedes-Maybach S 680 im Test: So edel ist die Super-Luxus-Limousine)

Interieur des Mercedes C 300 d T-Modell
Das Interieur zeigt eine gelungene Mischung aus Eleganz und Hightech. © Dirk Weyhenmeyer/Mercedes-Benz AG

Mercedes C-Klasse T-Modell im Test: Eher auf der komfortablen Seite

Also knackt die C-Klasse aus dem Stand in weniger als sechs Sekunden die 100-km/h-Marke und schafft maximal 250 km/h. Allerdings ist der Selbstzünder kein Leisetreter und meldet sich nachdrücklich zu Wort, sobald die Leistung schnell abgerufen wird. Kraft ist ausreichend vorhanden, aber ein ausgewiesener Puncher ist dieser Mercedes nicht. Da passt es ins Bild, dass die C-Klasse ziemlich bequem abgestimmt ist, was sich vor allem im Komfort-Fahrmodus mit einer ziemlich entkoppelten Karosserie bemerkbar macht. Wer es straffer mag, wählt die beiden sportlichen Fahrmodi: Dann straffen sich die Dämpfer, ohne unkomfortabel zu werden, und die elektrisch unterstützten Zahnstangen-Servolenkung bekommt mehr Direktheit sowie höhere Rückstellkräfte. Bei der Agilität hilft die Hinterachslenkung, bei der die Reifen bis zu 2,5 Grad einschlagen. Das entlastet auch beim Rangieren, schließlich ist der Radstand auf 2.865 Millimeter gewachsen.

Technische Daten Mercedes C 300 d T-Modell
Motor/Getriebe/AntriebVierzylinder-Diesel Mild-Hybrid / 9-Gang-Automatik / Heckantrieb
Leistung/Drehmoment195 kW (265 PS) / 550 Nm bei 1.800 – 2.200 U/min
Länge/Breite/Höhe4,75/1,82/1.46 m
Kofferraumvolumen360 – 1.375 l
Vmax/0–100 km/h250 km/h / 5,8 s
Normverbrauch/CO2-Ausstoß5,8 l/100 km / 152 g/km
Preis53.966,50 Euro

Ein AMG-Renner wird die C-Klasse auch mit diesem technischen Kniff zwar nicht, aber man kann mit dem Kombi durchaus flott unterwegs sein. Vor allem im Vergleich zur C 200 Limousine mit dem müden 150 kW / 204 PS Benziner, die wir ebenfalls gefahren sind, schlägt sich der Diesel gut. Der dürfte nach wie vor des Dienstwagenfahrers bester Freund bleiben, zumal zwei von drei in Deutschland verkaufte C-Klasse-Modellen Kombis sind. Allerdings hat das C 300 d T-Modell mit 53.966,50 Euro seinen Preis. Alles andere würde bei einer kleinen S-Klasse auch irritieren. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Auch interessant

Kommentare