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Neuer Mercedes-Benz EQA 250: Kleiner Bruder des EQC ist komfortabel – aber sparsam ausgestattet

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Von: Christian Schulz

Der Mercedes-Benz EQC ist bei den Kunden nicht so angekommen wie erhofft. Nun versucht man es zwei Klassen tiefer mit dem EQA. Der ist komfortabel, aber ziemlich sparsam ausgestattet.

Stuttgart – Auch der Mercedes-Benz EQA wurde nicht eigenständig als Elektroauto entwickelt. Er ist auf derselben Plattform unterwegs, die auch die Verbrenner-Modelle mit Frontantrieb beheimatet. Insofern sind Proportionen und Abmessungen überaus ähnlich zu dem, was man vom Mercedes-Benz GLA, GLB oder aus CLA und A-Klasse kennt. Den Auftakt der neuen elektrischen SUV-Baureihe bildet der Mercedes EQA 250. Mit seinen 140 kW / 190 PS dürfte er den Geschmack vieler potenzieller Kunden treffen. Ob das auch für ihre Preisvorstellungen gilt, steht auf einem anderen Blatt.

Der Mercedes-Benz EQA 250 von vorne
Das neue Kompakt-SUV Mercedes-Benz EQA 250 überzeugt vor allem durch seinen Reisekomfort. © Mercedes-Benz

Neuer Mercedes-Benz EQA 250: Kleiner Bruder des EQC ist komfortabel – hat aber seinen Preis

Der Mercedes-Benz EQA konkurriert mit haufenweise anderen Modellen der neuen Elektro-SUV, die in der Mittelklasse angesiedelt sind – und zwischen 40.000 und 50.000 Euro kosten. VW ID.4, Škoda Enyaq, Škoda Ioniq oder Audi Q4 e-tron – in dieser Liga wird bald einiges passieren. Damit der EQA hier glänzen kann, liefert er nicht nur mehr Leistung – sondern auch einen Allradantrieb, der viele Käufer locken dürfte. (Daimler-Fiasko: China-SUV wird zum bitteren Mega-Flop – Insider sprechen von „Desaster“)

Das maximale Drehmoment von 375 Nm an der Vorderachse sorgt dafür, dass die Lenkung bereits auf trockener Fahrbahn spürbare Antriebskräfte an den Fahrer weitergibt. Für lockeres Vorankommen sind die 140 kW / 190 PS jedoch allemal ausreichend. Auf der Autobahn sieht das allerdings anders aus – denn anders als die meisten Konkurrenten wird der Mercedes-Benz EQA früh bei 160 km/h abgeregelt. Eine längere Urlaubsfahrt wird damit eher zu einem müden Geschäft, denn ab Tempo 140 wird es hinter dem Steuer des EQA ziemlich zäh – egal in welchem der Fahrprogramme man unterwegs ist. Daran ändert auch nichts, dass man bequem sitzt und auf die vom Mercedes GLA bzw. GLB bekannten Displays schaut, die sich den Wünschen des jeweiligen Fahrers anpassen. Überaus angenehm ist das sehr geringe Geräuschniveau im Innern des Mercedes-Benz EQA: Egal mit welchem Tempo man unterwegs ist – allenfalls das sanfte Abrollgeräusch der Räder ist zu vernehmen. (Apple iCar soll 120.000 Euro kosten – sieht so das Ende der deutschen Autoindustrie aus?)

Der Mercedes-Benz EQA 250 von hinten
So sieht Daimlers neues Elektro-SUV von hinten betrachtet aus. © Mercedes-Benz

Neuer Mercedes-Benz EQA 250: Akkupaket für mehr Reichweite lässt auf sich warten

Der Normverbrauch des Mercedes-Benz EQA liegt bei 17,7 kWh pro 100 Kilometer. Selbst mit voll geladenem Akku schafft der 4,46 Meter lange EQA allerdings gerade einmal etwas mehr als 380 Kilometer Reichweite. Der Verbrenner-Kollege Mercedes-Benz GLA 220d schafft mit Allradantrieb und deutlich über 200 km/h Spitze eine Reichweite von 1.000 Kilometern. So dürfte es schwer werden, dass wesentlich mehr als die vom Daimler-Konzern erwarteten Kunden sich das reine Elektromodell zulegen. Zwar sind die knapp 400 Kilometer in den meisten Fällen wahrscheinlich ausreichend – aber eben doch zu wenig, um Bedenkenträger zu überzeugen. (SUV-Raser klaut Radarfalle: Dreister Mercedes-Fahrer rächt sich an Blitzer)

Ein größeres Akkupaket – wie es auch zahlreiche Wettbewerber anbieten – ist also mehr als angesagt. Es lässt allerdings immer noch auf sich warten. Zumindest kann das zweite vollelektrische SUV der Schwaben an einer Schnellladesäule mit bis zu 100 Kilowatt nachtanken. Dann dauert die komplette Ladung immerhin nur noch 30 Minuten. Zum Vergleich: An einer normalen Ladesäule sind es stattliche 5 Stunden und 45 Minuten. (Neue Mercedes C-Klasse: Auf diese drei Dinge müssen Kunden künftig verzichten)

Die Vordersitze im Mercedes-Benz EQA 250
Das Interieur des Mercedes-Benz EQA 250 weiß zu überzeugen. © Mercedes-Benz

In Sachen Fahrwerk präsentiert sich der über zwei Tonnen schwere Mercedes-Benz EQA betont komfortabel. Dies passt ins Bild, weil auch der Antrieb keinerlei sportlichen Ambitionen hat – und so kann man lässig umhercruisen. Die Rückmeldung der Lenkung kommt zwar etwas synthetisch rüber – aber auch hier gilt es zu bedenken, dass der EQA eher der Familie gefallen möchte. Daher wird er wohl eher selten besonders dynamisch rangenommen. Insofern fallen die leichten Nick- und speziell Wankbewegungen bei der Alltagsfahrt kaum ins Gewicht. Stattdessen genießt man den Reisekomfort. (Elon Musk will Tesla Roadster schon 2022 schweben lassen – mit Raketen-Power von SpaceX)

Der Fahrer kann die Rekuperation in verschiedenen Stufen einstellen und so in der stärksten Stufe durch maximale Verzögerung nahezu komplett mit dem Gaspedal fahren, ohne bremsen zu müssen („One-Pedal-Feeling“). Wer nach bekannter Fahrweise eher rollen oder segeln möchte, kann diese jedoch ebenfalls tun – je nach Gusto. (BMW-Boss Oliver Zipse macht Elon Musk deutliche Kampfansage: „Es wird nicht einfach für Tesla“)

Das Fahrer-Display im Mercedes-Benz EQA 250
Ein Blick auf das Fahrer-Display im neuen Mercedes-Benz EQA 250 – vollgeladen kommt das Elektro-SUV 400 Kilometer weit. © Mercedes-Benz

Neuer Mercedes-Benz EQA 250: Ordentliches Platzangebot, aber dürftige Serienausstattung

Das Platzangebot im Innern passt – obwohl man dem Mercedes-Benz EQA anmerkt, dass er eng mit den Verbrenner-Modellen verwandt ist. Denn in der zweiten Reihe ist das Platzangebot höchstens ausreichend, wenn man doch einmal mit drei oder vier Personen unterwegs sein sollte. Ärgerlich ist darüber hinaus, dass für einen stattlichen Basispreis von 47.540 Euro die Serienausstattung des Mercedes-Benz EQA im Vergleich eher mäßig ist. Zwar gibt es LED-Scheinwerfer, eine elektrische Heckklappe für den 340 Liter bis 1.320 Liter großen Laderaum und elektrische Sitze serienmäßig – doch das war es auch schon. (Revolutionärer Scheibenwischer für Tesla Roadster? Patentamt bestätigt Elon Musks visionäre Pläne)

Insofern kommt man um die drei Ausstattungspakete, mit denen die Schwaben ihren elektrischen Hoffnungsträger ausstatten, wohl nur schwer herum: Denn erst im sogenannten „Advanced-Paket“ für zusätzliche 2.570 Euro gibt es Komfort- und Sicherheitsextras, die man eigentlich ab Werk erwartet. Und bei der Konkurrenz oftmals auch bekommt. Im Zusatzpaket enthalten sind die beiden 10,25-Zoll-Displays sowie Totwinkelassistent, Spiegel- und Parkpaket inklusiv Rückfahrkamera. Hier langt Daimler ordentlich hin – es ist jedenfalls erstaunlich, dass bei einem fast 50.000 Euro teuren Elektroauto eines Premiumherstellers solche Ausstattungselemente noch gesondert bestellt werden müssen. (G-Klasse-Klon viel billiger als Mercedes: Force Motors Gurkha kostet nur einen Bruchteil)

Falls gewünscht, geht es noch kostspieliger: Beim „Advanced-Plus-Paket“ gibt es für 3.677 Euro besondere Features wie schlüssellosen Zugang, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Soundsystem sowie kabellose Smartphone-Aufladung. Viele Kunden dürften sich darüber hinaus für das „Premium-Paket“ entscheiden, das für 5.557 Euro unter anderem Panorama-Schiebedach, das Burmester-Soundsystem und eine 360-Grad-Kamera bietet. Bis der Mercedes-Benz EQA also fertig konfiguriert ist, hat der geneigte Kunde einiges Geld in die Hand genommen. (MIt Material von Stefan Grundhoff/press-inform)

Technische Daten Mercedes-Benz EQA 250
MotorElektromotor vorn
Leistung140 kW / 190 PS
Maximales Drehmoment375 Nm
Höchstgeschwindigkeit160 km/h (abgeregelt)
Beschleunigung 0 – 100 km/h8,9 Sekunden
Normverbrauch17,7 kWh / 100 km
Akkupaket66,5 kWh

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