1. 24auto
  2. Tests
  3. Fahrbericht

Mercedes E 450 4matic Cabrio im Test: Extrastark beim Überholen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marcus Efler

Nach der Modellpflege tritt das stilvolle Cabrio der Mercedes E-Klasse mit Reihen-Sechszylinder an. Sogar ein wenig Elektro-Unterstützung ist vorhanden.

Stuttgart – Im Zuge der Modellpflege der E-Klasse hat Mercedes-Benz natürlich auch die zweitürigen Varianten Coupé und Cabrio überarbeitet. Neben den üblichen optischen Retuschen stand vor allem der Innenraum im Mittelpunkt der Arbeit von Ingenieuren und Designern, zudem gab’s neue Motoren. Das macht neugierig auf eine ausführliche Testfahrt. Für die wählten wir die stärkste zivile Variante mit Dreiliter-Benziner und üppigen 367 PS. Darüber rangiert nur noch die teure und auf Sport getrimmte AMG-Version, die aus dem gleichen Motor sogar 435 Pferdchen holt, während am unteren Ende der Baureihe die offene E-Klasse mit Zweiliter-Motor und knapp 200 PS angesiedelt ist. (Neuer Mercedes SL: Wieder mit Stoffdach – doch der Basismotor wird ein ...)

Mercedes E 450 4matic Cabrio im Test: Extrastark beim Überholen

Der Reihen-Sechszylinder hat damit auch im Cabrio den alten V6 abgelöst: Das hochmoderne Aggregat überzeugt mit seidigem Lauf, 500 Newtonmetern Drehmoment und sonorem Klang, der wirklich nur bei hoher Leistungsanforderung und auch nur kurz in ein Brüllen übergeht. Mercedes hält noch ein Schmankerl bereit: Wenn es, etwa beim Überholen, ein wenig dynamischer sein muss, können aus einem elektrischen Startergenerator kurzfristig weitere 22 PS und 250 Nm als Boost abgerufen werden. Bei diesen Werten und einem serienmäßigen Allradantrieb ist es kein Wunder, dass die mit einem Leergewicht von immerhin zwei Tonnen aufwartende E-Klasse nicht nur in knapp über 5,2 Sekunden auf Tempo 100 stürmt und dann weiter bis 250 km/h, sondern dass dies auch bei jeder Witterung und in jeder Situation äußerst dynamisch, kontrolliert und sicher geschieht. (Einzigartiger Mercedes-Benz Pullman steht zum Verkauf – für Mega-Preis)

Mercedes E 450 Cabriolet, fahrend
Zwischen Sportlichkeit und Eleganz: das Mercedes E 450 Cabrio © Mercedes-Benz

Mercedes E 450 4matic Cabrio im Test: Verdeck lässt sich bis Tempo 60 öffnen

Den Motor in der gelungenen Verbindung mit der Neungang-Automatik gibt es zwar auch in anderen Mercedes-Modellen, aber hier ist er eben mit einem sehr hochwertigen Stoffverdeck kombiniert, das sich in 20 Sekunden öffnen lässt – auch während der Fahrt bis Tempo 60. Das ist durchaus sinnvoll, wenn man nach einem sommerlichen Regenschauer etwa auf eine rote Ampel zurollt. Zudem kann man das Dach mit dem Funkschlüssel von außen öffnen, was den Einstieg in den knapp geschnittenen Fond erleichtert. Dennoch ist erstaunlich, wie wenig Platz ein Fahrzeug von 4,83 Metern Länge auf den hinteren Sitzen bieten kann, aber das ist bei Cabrios aufgrund der aufwendigen Dachsysteme ja öfter so. Im Mercedes sitzen zwei erwachsene Fond-Insassen bei offener Fahrt immerhin noch so einigermaßen, ist das Verdeck aber geschlossen, wird es eng über dem Kopf – dafür steigt das Kofferraumvolumen von 310 auf nicht gerade üppige 385 Liter. Üblicherweise nutzen Liebhaber viersitziger Cabrios die hinteren Plätze ohnehin vor allem als zusätzliche Ablage.

Der überarbeitete Innenraum wirkt wie aus einem Guss, Materialqualität und die Verarbeitung sind das, was man im positivsten Sinne „Mercedes-mäßig“ nennt. Dazu kommen dick gepolsterte, vielfach verstellbare und wirklich auf jede Größe anpassbare Sitze. Hier natürlich mit teurem echtem Leder bezogen, in der Basis gibt’s immer noch recht ansehnliches Kunstleder. (Mercedes baut jetzt auf Elektro – Chef kündigt Arbeitsplatz-Abbau an)

Interieur des Mercedes E 450 Cabriolet
Gelungene Mischung aus Tradition und Hightech: das Interieur des E-Klasse Cabrios © Mercedes-Benz

Mercedes E 450 4matic Cabrio im Test: Mit ein paar Extras wird’s schnell teuer

Kein Mercedes ist ein wirklich günstiges Vergnügen und ein Lifestyle-Ableger wie das Cabriolet erst recht nicht. Wobei wir vom Grundpreis sogar überrascht waren: 74.655 Euro, das zwar ist ein Aufpreis von rund 8.000 Euro zur Limousine und etwa 17.000 Euro mehr als für das Basis-Cabrio mit Vierzylinder – aber angesichts der Motorisierung hätten wir eigentlich einen noch höheren Aufschlag erwartet. Die Ernüchterung folgt, wenn man aus der E-Klasse eine gut ausgestattete E-Klasse machen will: Vom formidablen Sprachbedienungssystem MBUX und diversen Veredelungen des Innenraums über eine Rückfahrkamera bis hin zu den meisten Assistenten kosten die schönen Dinge des Autolebens extra. Selbst für einen adaptiven Fernlicht-Assistenten berechnen die knauserigen Schwaben noch 214 Euro. Falls wir den richtigen Überblick über die vielen, teils auch in Paketen zusammengefassten Optionen behalten und richtig addiert haben, summierte sich unser Testfahrzeug auf etwa 108.000 Euro.

Mercedes E 450 4matic Cabrio
Motor/Getriebe/AntriebReihensechszylinder-Turbobenziner / 9-Gang-Automatik / Allrad
Leistung/Drehmoment270 kW (367 PS) + 22 PS Boost / 500 Nm bei 1.600 – 4.500 U/min
Vmax/0–100 km/h250 km/h / 5,2 s
Länge/Breite/Höhe4,83/1,86/1,43 m
Laderaum310 – 385 l
Normverbrauch/CO2-Emission8,5 – 9,7 l/100 km / 193 – 213 g/km
Basispreis74.655 Euro

Mit der Anschaffung ist es aber nicht getan. Man muss sich ein solches Fahrzeug in dieser Motorisierung ja auch in der Folge leisten können. So fließen zum Beispiel nur bei absolut vorsichtiger Fahrweise unter zehn Liter je 100 Kilometer durch die Benzinleitungen. Auf der Autobahn können es bei Tempo 100 auch mal sieben bis acht Liter werden, dafür schnellt der Verbrauch in der Stadt oder bei schnell gefahrenen Etappen extrem in die Höhe. Wir kamen über zwei Wochen auf einen Schnitt von knapp elfeinhalb Litern. Abgehen von diesem Manko könnte man Cabrio-Fans mit genügend Kleingeld zu diesem Fahrzeug eigentlich nur raten – vor allem, weil solche Motoren künftig politisch ausgebremst werden. Fahrspaß und Komfort, Solidität und Sicherheit gehen hier eine äußerst gelungene Verbindung ein, die viele Jahre halten könnte. Was dann ja auch eine Form der heute so viel zitierten Nachhaltigkeit wäre. (Von Peter Eck/SP-X)

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Auch interessant

Kommentare