Seltene Kombination

Mercedes-Benz E 300 de T: Der Plug-in-Hybrid fährt automatisch zur Seite, wenn ...

  • Arne Roller
    vonArne Roller
    schließen

Mercedes hat seine E-Klasse überarbeitet – optisch wie technisch. Nach wie vor kommt den Dieselmodellen gerade in Europa dabei eine zentrale Bedeutung zu. Bestes Beispiel ist der Plug-In-Hybride des Mercedes E 300 de T-Modell.

  • Der Mercedes-Benz E 300 de T ist ein Plug-in-Hybrid mit Dieselmotor
  • Die Systemleistung des Hybriden liegt bei 225 kW / 306 PS
  • Auch der Hybrid überzeugt als typischer Landstreckenkombi der Oberen Mittelklasse

Stuttgart – Durch diese Nomenklatur muss man erst einmal durchblicken. Lange vorbei sind die Zeiten, als man am Signet auf dem Kofferraumdeckel einer Mercedes E-Klasse noch unzweifelhaft das Triebwerk unter der Motorhaube ablesen konnte. Der E 300 de ist leider kein Sechszylinder, sondern muss mit vier Brennkammern auskommen. Daran hat man sich im Laufe der Jahre nur halbwegs gewöhnt. Zudem liegt der Hubraum nicht bei drei, sondern nur bei knapp zwei Litern. Der Zusatz „de“ steht dafür, dass im Vorderwagen ein Dieselmotor arbeitet, der von einem Elektromodul unterstützt wird, der im Tunnel des Neungang-Automatikgetriebes versteckt ist. Immerhin spart man sich beim Schriftzug das T, das einen Kombi als solchen deklariert. Aber das sollte ohnehin jeder sehen. Und weil auf der rechten Seite noch Platz ist für weitere Buchstaben, zeigt der 4MATIC-Schriftzug, dass der Schwabe auf Wunsch als Allradler unterwegs ist. Alles verstanden?

Die Preise für den Diesel-Hybriden starten bei 62.953 Euro.

Mercedes-Benz E 300 de T: Elektromotor und Verbenner mit vier Töpfen

Wer die Buchstabensuppe auf dem Heckdeckel abbestellt, hat ein schöneres Heck und erspart sich nervige Fragen, was das Wirrwarr aus Zahlen und Buchstaben eigentlich heißen soll. Der mindestens 62.953 Euro teure Mercedes E 300 de hat eine Motorisierung, die sich gerade in Ländern mit entsprechender Förderung von Plug-In-Hybriden einer nennenswerten Nachfrage erfreuen dürfte. Denn bei den Leistungsdaten mag man meinen, einen ebenso kraftvollen wie imageträchtigen Sechszylinder zu bewegen. Auch wenn die Leistungsdaten beeindrucken, tönt das Triebwerk im Elektromodus entweder gar nicht (wenn elektrisch unterwegs) oder im Verbrennerbetrieb schwächlich und wenig sonor. Der Vierzylinder-Diesel vom Typ OM 654 mit seinen 143 kW/194 PS bekommt durch einen Elektromotor mit einer Zusatzleistung von 90 kW/122 PS zusätzlichen Boost. So steigt die Systemleistung mit 225 kW/306 PS und einem maximalen Drehmoment von stattlichen 700 Newtonmeter auf Sechszylinderniveau (Mercedes-Benz: Kanadier fliegt extra nach Stuttgart, um sich über seine S-Klasse zu beschweren).

Aus dem Stand spurtet der allerdings über 2,2 Tonnen schwere Kombi in 6,0 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h. Das alles gibt es zumindest auf dem Papier zu einem Mikroverbrauch, denn der schwäbische Allradler soll sich mit 1,7 Litern Diesel auf 100 Kilometern zufriedengeben. Die rein elektrische Fahrstrecke liegt bei 45 Kilometern, was einem Stromverbrauch von 16,6 kWh entspricht. Das Tankvolumen liegt bei überschaubaren 50 Litern.

Mercedes-Benz E-Klasse: Design vor allem an der Front erneuert

Im Gegensatz zur Limousine wurde bei der Kombiversion in erster Linie die Front überarbeitet, das Heck blieb nahezu unverändert.

Das Heck der neuen E-Klasse blieb nahezu unverändert.

Im Innenraum gibt es nunmehr obligatorisch und lange überfällig animierte Instrumente und das Bediensystem MBUX. „Serienmäßig bietet die E-Klasse LED-Scheinwerfer sowie unser Bediensystem MBUX mit zwei Bildschirmen“, so E-Klassen-Entwicklungsleiter Michael Kelz, „in der Basisversion mit jeweils 10,25 Zoll und optional dann größer – zudem ein neues Lenkrad mit berührungsempfindlichen Tasten.“

Das MBUX-Bediensysstem kommt mit zwei parallelen Bildschirmen.

Umso schwerer verständlich, wieso auf der breiten Mittelkonsole noch immer das Touchpad thront, das die Bedienung der einzelnen Funktionen nicht erleichtert und dann noch Platz kostet. Das alles geht per Sprache oder MBUX-Touchdisplay deutlich besser. Etwas gewöhnen muss man sich an das neue Lenkrad, über das sich viele Funktionen ebenfalls bedienen lassen. Doch um den rechten Menüpunkt zu treffen, muss man mitunter vorsichtig scrollen und drücken. Der ein oder andere haptische Taster hätte das Ganze erleichtert (Mercedes-Benz SLR: Könnte so der Nachfolger aussehen?).

E-Klasse E300 de T: Batterie schränkt das Kofferraumvolumen ein

Die große Stärke des 4,95 Meter langen Mercedes E 300 de T bleibt seine Langstreckentauglichkeit, die man in dieser Klasse auch erwarten kann. Doch die E-Klasse macht das alles noch etwas besser, als es an sich sein müsste. Sitze, Klimatisierung, Geräuschniveau – so wünscht man sich einen Langstreckenkombi. Und zwar einen, der variabel ist und noch kräftig Ladegut schlucken kann. Kann das hybride T-Modell ja auch, doch die deutliche Stufe im Laderaum ist eine nennenswerte Einschränkung des Ladenutzens. Anders bekam man die Batterie nicht unter. Somit stehen 480 bis 1.660 Liter Volumen hinter der elektrischen Heckklappe zur Verfügung. Die Zuladung: gute 635 Kilogramm (Video-Hit: Schwarzbär will Mercedes E-Klasse entern – dann passiert DAS).

Mercedes-Benz E 300 de T: Die technischen Daten

  • Motor: Vierzylinder Commonrail-Diesel mit Elektromotor
  • Hubraum: 1950 ccm
  • Systemleistung: 225 kW / 306 PS
  • Maximales Drehmoment: 700 Newtonmeter ab 3.800 U/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
  • Beschleunigung 0 – 100 km/h: 6,0 Sekunden
  • Verbrauch: 1,7 Liter / 100 km / 44 g CO2
  • Elektrische Reichweite: 45 bis 47 km
  • Getriebe: Neungang-Automatik
  • Leergewicht: 2.215 kg

Nachgelegt wurde für die Modellpflege der E-Klasse insbesondere im Bereich Fahrerassistenz. So arbeitet der Abstandsregeltempomat nicht nur mit Kamera und Radar, sondern auch mit den Verkehrsinformationen des Navigationsgeräts zusammen. Im Stau ist das Oberklassemodell fast ohne Zutun des Fahrers unterwegs und kann sogar automatisch für eine Rettungsgasse zur Seite fahren. Besteht beim Abbiegen über die Fahrbahn entgegenkommender Fahrzeuge Kollisionsgefahr, so bremst die E-Klasse auf für einen Abbiegevorgang typische Geschwindigkeiten ab. Lange Zeit die Hände vom Steuer zu nehmen und das T-Modell allein seinen Weg auf der Fahrbahn finden lassen, ist jedoch nach wie vor ein Wunschtraum. Nimmt man die Hände etwas länger als 15 Sekunden vom Lederkranz des neuen Lenkrads, gibt es eine Warnmeldung. (Stefan Grundhoff; press-inform)

Rubriklistenbild: © Mercedes-Benz AG – Global Comm

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema