Supersportler im Fahrbericht

McLaren 765LT: Der 765-PS-Bolide kann sogar Feuer spucken

Fahraufnahme eines McLaren 765LT von schräg vorn
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Beim McLaren 765LT zerren 765 PS und 800 Newtonmeter an der Hinterachse.
  • Jan Schmidt
    vonJan Schmidt
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Der McLaren 765LT setzt der 7er-Serie des britischen Sportwagenherstellers die Krone auf. Das 765-PS-Geschoss ist 80 Kilogramm leichter als der McLaren 720S und brilliert mit einem vertrauenerweckenden Fahrverhalten sowie immensen Speed, der den Ferrari 488 Pista alt aussehen lässt.  

Woking (England) – Die Rechts-Links-Kombination vor der berüchtigten „Club Corner“ in Silverstone ist der Schlüssel zu einer schnellen Runde. Scharf Anbremsen, also mit Vehemenz in die Eisen steigen. Der McLaren 765LT (Long Tail) gehorcht aufs Wort, verzögert sofort und bleibt dabei stoisch ruhig. Wahnsinn, wie präzise sich die Bremsen dosieren lassen, auch beim Lösen. Logisch, die Anlage stammt ja vom McLaren Senna und der setzte damals Maßstäbe. Links und dann rechts. Puh! Tatsächlich getroffen. Scheitelpunkt anvisieren und dann langsam auf das Gas steigen. Gaaanz sachte, progressiv. Auch wenn dieser Supersportler gutmütig ist, könnte jeder Fehler zum Desaster führen, denn der Asphalt fällt nach außen hin ab. Lupfen? Ein No-Go. Also gefühlvoll draufbleiben, die Breite der Strecke nutzen und ab auf die Start-Ziel-Gerade. (Neuer Ferrari Portofino M: Das Facelift bringt vor allem dem Beifahrer etwas)

McLaren 765LT: Der 765-PS-Bolide kann Feuer spucken

Es hat geklappt. Der McLaren LT 765 feuert mit Volldampf auf das Asphaltband und wir fühlen uns einen kurzen Augenblick wie Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton (35) bei seinem Heimspiel. Jetzt folgt die nächste Bewährungsprobe für den McLaren 765LT. Mit 290 km/h ballern wir auf das Kurvengeschlängel „Abbey“, „Farm“ und „Village“ zu. Wieder packen die Senna-Bremsen zu, wieder übersetzen sie die mehr oder wenig vorhandene Feinfühligkeit des Fahrerfußes perfekt. Wenn nötig, steht der McLaren 765LT aus 200 km/h nach 108 Metern. Das beruhigt. Beeindruckend ist, dass das 563 kW/765 PS starke Geschoss durch die Dreier-Kombination tänzelt wie der größte Boxer aller Zeiten, Muhammad Ali (74, † 2016), und auch noch dessen gnadenlosen Punch hat. Alles läuft so mühelos perfekt ab, dass wir das Gefühl bekommen, uns gerade in einem Videospiel zu befinden. Doch der sägende Bariton des bekannten Achtzylinders in unserem Rücken macht uns die Realität unmissverständlich klar. (Aston Martin freut sich auf Sebastian Vettel: Neuer Dienstwagen mit Geheimbotschaft)

Heckspoiler und Diffusor des McLaren 765LT bringen jede Menge Abtrieb.

McLaren 765LT: Leistungssteigerung und ausgeprägter Leichtbau

Diese Leistungssteigerung gegenüber dem McLaren 720S kommt übrigens ohne Manipulation der Turbolader zustande. Neue Öl- und Benzinpumpen sowie eine optimierte Motorsteuerung reichen aus. Dagegen sind die Änderungen auf anderen Gebieten tiefgreifend: Der McLaren 765LT wiegt 1.229 Kilogramm und ist damit um 80 Kilo leichter als der 720S. „Dass wir das geschafft haben, macht mich sehr stolz. Ursprünglich waren 70 Kilogramm das Ziel“, freut sich Andreas Bareis, Baureihenleiter der McLaren-Super-Series-Fahrzeuge. Gespart wurde an allen Enden: Die Räder brachten 22 Kilogramm, die neuen Sitze 18 Kilogramm und der verstärkte Einsatz von Carbon bei der Karosserie sowie die Auspuffanlage aus Titan (40 Prozent leichter) sowie dünnere Scheiben zahlten ebenfalls auf die erfolgreiche Diät ein. (Fahrbericht McLaren 620R: Dieses Rennwagen-Extra macht noch mehr Lärm)

Durch den großzügigen Einsatz von Carbon konnte das Gewicht des McLaren 765LT deutlich reduziert werden.

McLaren 765LT: Nur sieben Sekunden aus dem Stand bis Tempo 200

Das führt zu imposanten Beschleunigungswerte: Nach 2,8 Sekunden sind 100 km/h erreicht, nach sieben Sekunden schon 200 km/h – zum Vergleich: Ein Ferrari 488 Pista braucht 0,6 Sekunden länger und ein normaler 720S fällt um 0,8 Sekunden zurück. Bei 330 km/h ist das Ende der Beschleunigungsorgie erreicht. Damit die Prämisse des Lastenhefts, die Andreas Bareis mit „Mehr Performance, mehr Power, mehr Grip“ beschreibt, erreicht wird, haben die Techniker sich jeden Bereich genau angeschaut: Die Übersetzung des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes ist kürzer, so dreht das Triebwerk um 15 Prozent schneller aus und außerdem ist das Turboloch damit fast vollständig gestopft. Das erklärt auch die etwas reduzierte Höchstgeschwindigkeit. Schließlich geht es beim 765LT um Agilität und nicht um Längsdynamik. (Maserati MC20: Das steckt hinter dem kryptischen Namen des Supersportwagens)

McLaren 765LT – Technische Daten
Länge/Breite/Höhe4,60/1,93/1,19 Meter
Hubraum3.994 ccm
Leistung563 kW/765 PS
Drehmoment800 Newtonmeter
Beschleunigung von 0 bis 100 km/h2,8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit330 km/h
Normverbrauch12,3 Liter/100 km
Grundpreis326.560 Euro

McLaren 765LT: Überarbeitete Aerodynamik mit 25 Prozent mehr Abtrieb

Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Aerodynamik ein wichtiger Stellhebel. Der McLaren 765LT ist vorne um fünf Millimeter tiefer und ist leicht angestellt, hat also eine ähnliche aerodynamische Silhouette wie die von Design-Guru Adrian Newey entworfenen Red-Bull-Formel-1-Boliden. Das ist aber nicht die einzige Maßnahme, die insgesamt 25 Prozent mehr Abtrieb generiert. Der McLaren 765LT hat ein um neun Millimeter längeres Heck als der 720S, dazu kommen eine neue Stoßstange, ein größerer Spoiler, optimierte Seitenschweller und ein breiterer und längerer Diffusor, der das Heck noch mehr nach unten zieht. (Zu langsam: Lamborghini-Fahrer bittet um 100.000 Dollar Spende für Tuning)

Die Aerodynamik des McLaren 765LT ist zwischen Front und Heck fein austariert.

So ein Ausnahmesportler funktioniert aber nur dann, wenn er fein austariert ist. Also haben sich die Aerodynamiker auch Front und Unterboden vorgenommen. Die Front ist um 39 Millimeter länger und der Frontsplitter hat eine größere Fläche als bisher, was mehr Abtrieb generiert. Komplettiert wird das Aerodynamikpaket durch einen anderen Unterboden, der noch effizienter arbeitet. Die speziell mit Pirelli entwickelten Reifen generieren extra Grip. (Bugatti Divo: Basiert zwar auf dem Chiron, ist aber weniger ...)

Die vier Endrohre des McLaren 765LT können auch schon mal als Flammenwerfer fungieren.

McLaren 765LT: Als Showeffekt kommen Flammen aus den Endrohren

Ein besonderes Schmankerl halten die vier Auspuffrohre, die mittig am Heck austreten, bereit. Wenn man öfter schnell aufs Gaspedal tritt, spucken die Posaunen Flammen aus. Bei aller Effizienz und aerodynamischen Feinheiten: Etwas posen darf man für einen Preis von 326.560 Euro bitte auch. Der McLaren 765LT hat ein kleines Fenster, das den Motor beleuchtet. Damit das Guckloch auch die Hitze des potenten Achtzylinders aushält, besteht es aus zwei Scheiben mit einem Vakuum dazwischen. „Das bringt zwar 1,5 Kilogramm mehr ins Auto, aber das ist es mir wert“, schmunzelt Andreas Bareis zufrieden. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

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