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Maserati MC20: Viel Power, wenig Gewicht – doch der Bolide hat seinen Preis

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Von: Sebastian Oppenheimer

Spektakulärer V6, moderne Technik, schickes Design: Der Supersportler MC20 soll die angeschlagene Marke Maserati wieder nach vorne bringen. Doch der Bolide hat seinen Preis.

Modena – Maserati stand schon mehrmals kurz vor dem Aus – es gab auch schon mehrere Auferstehungspläne, die aber allesamt im Papierkorb landeten. Nun gibt es einen neuen Plan: Der heißt MMXX und erlebt seine entscheidende Phase bis 2025. Bis dahin sollen unter anderem Versionen des Supersportwagens MC20 ohne Dach und mit Elektroantrieb auf den Markt kommen, der Mittelklasse-SUV Grecale auf Alfa-Stelvio-Plattform, neue Versionen von GranTurismo und GranCabrio mit Verbrenner und Elektroantrieb sowie Nachfolger für Quattroporte und Levante. Mike Manley, CEO von Fiat Chrysler Automobiles, ist überzeugt, dass „2020 als das letzte Mal in die Geschichte eingehen wird, dass Maserati Verluste gemacht hat“. Schon deshalb interessant, weil Maserati die einzige Luxusmarke im Stellantis-Konzern ist. (Gordon Murray: Extremer Supersportwagen wird nach Formel-1-Legende Niki Lauda (†) benannt)

Maserati MC20: Viel Power, wenig Gewicht – doch der Preis ist üppig

Der mindestens 210.000 Euro teure MC20 basiert auf einer neuen Plattform und debütiert mit einem Dreiliter-V6-Motor – dem ersten, den Maserati seit mehr als 20 Jahren baut. Bislang wurde der Motor von Ferrari zugeliefert. Das V6-Aggregat leistet 464 kW / 630 PS und bringt es auf ein Drehmoment von 730 Nm. Das Turboaggregat ist das erste einer neuen Motorenfamilie namens Nettuno, die verschiedene Ableger bekommen soll. Beeindruckend ist dabei nicht nur die Leistung, sondern auch der mit 11,5 Liter auf 100 Kilometer relativ geringe Normverbrauch. Der gezügelte Durst hat auch mit dem geringen Gewicht des Supersportlers zu tun: Tatsächlich wiegt der Maserati MC20 nur 1475 Kilogramm – und somit nennenswert weniger als Konkurrenten wie der Porsche 911 Turbo S, der Ferrari Roma oder der McLaren GT, die alle mehr als 1,6 Tonnen auf die Waage bringen. (Ferrari Roma: Der jüngste Spross aus Maranello ist mehr Gran Turismo als Supersportler)

Fahraufnahme eines Maserati MC20

Der Supersportler MC20 soll der Marke Maserati ihren alten Glanz zurückgeben. © Maserati / Lorenzo Marcinno

Maserati MC20: Der Italiener sprintet in weniger als 8,8 Sekunden auf 200 km/h

So sprintet der Maserati in 2,9 Sekunden auf 100 km/h und in weniger als 8,8 Sekunden auf 200 km/h, um schließlich eine Höchstgeschwindigkeit von 326 km/h zu erreichen. Das Geheimnis des niedrigen Gewichts hat zum Teil mit dem Monocoque aus Kohlefaser und Verbundwerkstoffen zu tun. Die Aufhängung besteht aus doppelten Querlenkern vorne und hinten, die Lenkung basiert auf einem System, das die italienischen Ingenieure als „semi-virtuell“ bezeichnen und die Dämpfer sind variabel; eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass der MC20 die doppelte Aufgabe erfüllen kann: Sowohl den Komfort eines Gran Turismo zu bieten als auch die Präzision und das Handling eines Rennwagens auf der Rennstrecke.

Da der 4,67 Meter lange Zweisitzer extrem flach ist, erleichtern die Scherentüren den Ein- und Ausstieg. Einmal hinter dem Lenkrad sitzend, erweisen sich die Platzverhältnisse als ordentlich. Das Armaturenbrett ist mit Alcantara / Leder bezogen, dazu gibt es Applikationen aus Carbon. Es gibt zwei 10,25-Zoll-Digitalbildschirme, einen für die Instrumentierung, dazu den zentralen Infotainment-Bildschirm. Die Rückfahrkamera projiziert ihre Bilder in den Innenspiegel. Die wichtigsten Fahroptionen werden über einen Drehregler im hochgezogenen Mitteltunnel eingestellt. Es besteht die Wahl zwischen den Fahrmodi Wet, GT, Sport und Corsa – auch das ESC lässt sich hier ein- und ausschalten. Per Tastendruck lässt sich außerdem die Nase des Autos anheben, um eine Beschädigung der Frontlippe – beispielsweise in Garageneinfahrten – zu vermeiden. (Ferrari Portofino M im Test: Fahren an den Grenzen der Physik – dank neuem Modus)

Fahraufnahme eines Maserati MC20

Der Maserati MC20 wird von einem 3,0-Liter-V6-Motor mit einer Leistung von 464 kW / 630 PS befeuert © Maserati / Lorenzo Marcinno

Maserati MC20: Das nicht allzu hart abgestimmte Fahrwerk macht den Supersportler langstreckentauglich

In den Fahrmodi Wet oder GT ist die Federung nicht allzu hart, was den MC20 allemal langstreckentauglich macht. Aber die italienischen Ingenieure gehen noch weiter – und lassen den Fahrwerkskomfort auch dann zu, wenn der Rest der variablen Parameter (Lenkung, Gaspedal-Mapping, Getriebeansprache, Motorsound) im wütenden Sport- oder Corsamodus gehalten wird.

Das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe von Tremec schaltet mit dezenter Geschmeidigkeit in höhere Gänge. Wechselt man in die Modi Sport oder Corsa, fühlen sich die automatischen Gangwechsel noch flotter an – genauso wie es sein sollte. In jedem Fall ist das Ansprechverhalten des V6-Nettuno schon bei den niedrigsten Drehzahlen beeindruckend, was auch das sehr günstige Leistungsgewicht von 2,3 kg/PS widerspiegelt. In den kurvenreichen Abschnitten der Rennstrecke spürt man, dass die Mittel-Heckmotor-Konfiguration einen großen Anteil an der exzellenten 50:50-Gesamtbalance des MC20 hat. Die Karosseriesteifigkeit ist auch bei starker Querbeschleunigung spürbar.

Blick in den Innenraum eines Maserati MC20

Weil das Fahrwerk des Maserati MC20 nicht übertrieben hart ausgelegt ist, lassen sich damit auch länger Strecken zurücklegen. © Maserati

Maserati MC20: Lenkung bietet gute Rückmeldung

Das selbstsperrende Hinterachsdifferenzial trägt dazu bei, dass das Auto die meiste Zeit wie auf Schienen seine Bahnen zieht. Die elektrische Lenkung bietet gute Rückmeldung und wurde so konzipiert, dass sie frei von störenden Antriebskräften ist. Die optionalen Karbon-Keramik-Bremsen fühlen sich überaus bissig an und bei 240 km/h spürt man auch ohne sperrige Flügel, dass der Maserati MC20 durch die 100 Kilogramm Abtrieb über der Karosserie stärker mit dem Boden verbunden ist.

Technische Daten Maserati MC20
Motor/Getriebe/Antrieb3,0-Liter-V6 mit Turboaufladung / Achtgang-DKG / Hinterradantrieb
Leistung/Drehmoment464 kW (630 PS) / 730 Nm ab 3.000 U/min
Vmax/0–100 km/h326 km/h / 2,9 Sekunden
Leergewicht1.475 kg
Normverbrauch11,5 l/100 km
CO2-Ausstoß261 g/km
Basispreis210.000 Euro

Am Ende des Tages bleiben kaum Zweifel, dass Maserati wieder einen Sportwagen der Spitzenklasse im Programm hat, der auch auf öffentlichen Straßen glänzen kann. Der MC20 fährt sich mehr als beeindruckend und dürfte die Aufmerksamkeit der deutschen und britischen Konkurrenten auf sich ziehen – eine Leistung, die Maserati schon lange nicht mehr vollbringen konnte. Damit der Plan von einer besseren Zukunft aufgeht, muss nun etwas von der Magie des MC20 in die kommende, komplett neue Modellreihe überschwappen. (Joaquim Oliveira / press-inform)

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