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Maserati Levante Hybrid im Test: Power-SUV mit reduzierter Dynamik

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Von: Sebastian Oppenheimer

Maserati packt seinen 48-Volt-Mildhybrid-Antriebsstrang in den Levante. Allerdings verläuft die Transplantation nicht zu unserer vollsten Zufriedenheit.

Modena – Erinnert sich noch jemand an den VW Polo Harlekin? Jenem Polo, über dem die Designer Mitte der 1990er-Jahre mehrere Eimer voller Farbe ausschütteten? Heute ist der quietschbunte Kleinwagen Kult – und feiert in einem Nachbarland sogar sein Comeback. Ob er ansehnlich ist, steht auf einem anderen Blatt. Bei einem Maserati Levante stellt sich die Frage nach dem gelungenen Aussehen nicht: Das Dreizack-SUV brilliert mit stilsicheren Details wie feinem Leder und Sitzbahnen, die aus Seide der Edel-Modemarke Ermenegildo Zegna bestehen. Aber jetzt haben auch die Italiener die Farbenpracht für sich entdeckt und einen Levante blau-gelb lackiert.

Fahraufnahme eines Maserati Levante Hybrid
Die etwas gewöhnungsbedürftige blau-gelbe Lackierung dieses Maserati Levante Hybrid nennt sich „Fuoriserie bicolor“. © Maserati

Maserati Levante Hybrid im Test: Power-SUV mit reduzierter Dynamik

„Fuoriserie bicolor“ nennt sich das zweifarbige Schauspiel. Doch viel wichtiger als die Frage, ob das ein optischer Fehlgriff ist, ist die Technik unter der Karosserie. Maserati hat den Mildhybrid-Antriebsstrang des Ghibli Hybrid genommen und in den Crossover gepackt. Dabei kombinieren die Italiener einen Zwei-Liter Vierzylinder-Benziner mit einem 48 Volt Riemenstarter-Generator und einem elektrischen Verdichter: Die Umbaumaßnahmen sind umfangreich: Vor allem die Synchronisation zwischen dem elektrischen Verdichter und dem Riemenstartorgenerator erforderte viel Detailarbeit. „Dieser Antriebsstrang war von Anfang an für den Levante gedacht“, zerstreut Ingenieur Corrado Nizzola Bedenken, dass die Transplantation nicht klappen könnte. Doch ganz so einfach ist es nicht. Zum einen ist der Levante ein SUV und damit gut 200 Kilogramm schwerer als der Ghibli und außerdem bringt ein Allradantrieb beide Achsen ins Spiel. (Maserati Ghibli Hybrid: Nur ein Vierzylinder in der Oberklasse – kann das gut gehen?)

Fahraufnahme eines Maserati Levante Hybrid
Der Maserati Levante Hybrid bringt es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h. © Maserati

Maserati Levante Hybrid im Test: Luftfeder-Fahrwerk eher komfortabel abgestimmt

Diesen Umstand tragen die Techniker mit einer geänderten Hinterachsübersetzung Rechnung, da im Normalfall bis zu 100 Prozent der Antriebskraft nach hinten wandern und innerhalb von 150 Millisekunden maximal 50 Prozent auf die Vorderachse: Während der Antriebsstrang des Ghibli mit 2,8 übersetzt ist, sind es beim Levante 3,27. Dazu kommen noch Veränderungen in der Motorsteuerung aufgrund der Abgasnormen. Mit den technischen Anpassungen setzen die Techniker den Hebel an der richtigen Stelle an, zumal die Leistungsdaten mit 243 kW / 330 PS und einem Drehmoment von 450 Newtonmetern, von dem 350 Nm bereits bei 1.500 U/min anliegen, unverändert geblieben sind. (Maserati Ghibli Trofeo im Test: Das unterscheidet den Italiener vom BMW M5)

Maserati Levante Hybrid im Test: Nicht so dynamisch wie der Ghibli

Allerdings schlägt sich der Levante Hybrid antriebsdynamisch schlechter, als das beim Ghibli der Fall ist. Zwar ist die Spreizung der Fahrmodi ausgeprägt, aber im I.C.E- und Normalfahrprogramm gibt das fünf Meter lange SUV eher den freundlich-sportlichen Signore, als den agile Alphatier. Dazu passt auch die komfortable Abstimmung des Luftfeder-Fahrwerks, die im Sport-Modus etwas straffer ausfällt, bei dem sich auch die Karosserie um 20 Millimeter absenkt. Aber selbst wenn man die Dämpfer per Tastendruck extra-straff stellt, ist der Levante kein Knochenbrecher. Grundsätzlich ist das sportliche Fahrprogramm die beste Wahl, weil dann der elektrische Verdichter und der Riemenstartergenerator konsequenter an einem Strang ziehen. Dann hängt der Levante gieriger am Gas und der angriffslustig fauchende Vierzylinder gibt sein Bestes, um die 2.090 Kilogramm schwere Chose nach vorne zu wuchten. (Maserati MC20: Viel Power, wenig Gewicht – doch der Bolide hat seinen Preis)

Blick ins Cockpit eines Maserati Levante
Der 8,4-Zoll-Touchscreen im Maserati Levante wirkt im Vergleich zu anderen Top-SUV-Modellen etwas zu klein geraten. © Maserati

Maserati Levante Hybrid im Test: Nicht so leichtfüßig wie ein Porsche Cayenne

Das geschieht auch einigermaßen ambitioniert. In 6,0 Sekunden erreicht der Levante Hybrid aus dem Stand die 100-km/h-Marke und ist bis zu 245 km/h schnell. Das drückt aber noch nicht die Querdynamik aus, bei der der bekannte Allradantrieb eine wichtige Rolle spielt, bei dem die elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung innerhalb von 150 Millisekunden der Vorderachse maximal 50 Prozent der Antriebskraft zur Verfügung stellt. Im Normalfall spielt der Italiener den reinrassigen Hecktriebler und kommt dank des Sperrdifferenzials an der Hinterachse einigermaßen beschwingt um die Ecken, ohne jedoch die Leichtfüßigkeit eines Porsche Cayenne zu erreichen. Das liegt auch an der teigigen Lenkung, die überraschend indirekt agiert und auch nur eingeschränkt mitteilt, wie es um das Zusammenspiel der Räder mit dem Untergrund bestellt ist. Beim Verbrauch gibt Maserati einen Wert von 10,7 l/100 Kilometer gemäß dem WLTP-Zyklus an. Wir kamen bei unseren Testfahrten auf 11,9 l/100 km.

Maserati Levante Hybrid
Motor/Getriebe/AntriebVierzylinder-Benziner plus E-Motor / 8-Gang-Automatik / Allrad
Leistung/Drehmoment243 kW (330 PS) / 450 Nm bei 2.250 U/min
Vmax/0–100 km/h245 km/h / 6,0 s
Länge/Breite/Höhe5.005/1.981/1.693 mm
Leergewicht2.090 kg
Ladevolumen580 Liter
Normverbrauch10,7 l/100 km
CO2-Ausstoß243 g/km
Preis79.254 Euro

Maserati Levante Hybrid im Test: Das kostet das italienische Power-SUV

So stilsicher die Italiener bei den Materialien und dem Design (na ja, meistens, wie man an der Farbkombination sieht) sind, so zurückhaltend gehen sie das Thema Infotainment an. Das hat sich beim Levante Hybrid gebessert. Der 8,4 Zoll große zentrale Touchscreen mutet angesichts der Tablet-artigen Größenorgien andere Hersteller an wie ein Relikt aus der letzten Smart-Device-Generation. Ist er eigentlich auch, zudem fehlt es beim Levante an Bauraum. Allerdings haben die Italiener bei der Technik Hand angelegt, die sich beim Betriebssystem Android Automotive bedient, das per drahtlosen Updates auf den neuesten Stand gebracht werden kann. Das merkt man auch bei der Bedienung, die mit den App-Kacheln einem aktuellen Smartphone gleicht. Das Navigationssystem kommt von TomTom, die auch die Echtzeit-Verkehrsdaten liefern. Auch das Einbinden des Handys per Apple CarPlay oder Android Auto ist möglich. Bleibt zuletzt noch der Preis für den Levante Hybrid, der ab August beim Händler steht. Der liegt bei 79.254 Euro, aber dafür bekommt man ein SUV, das aus dem Straßen-Einerlei heraussticht. Auch ohne die gewöhnungsbedürftige Zweifarben-Lackierung. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

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