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Rolls-Royce Ghost Black Badge im Test: Exklusiver geht fast nicht

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Von: Marcus Efler

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Schwarz, stark, teuer: Wem ein „gewöhnlicher“ Rolls-Royce nicht reicht, der greift zur ganz speziellen Düster-Variante.

Goodwood (Großbritannien) – Knapp 360.000 Euro kostet eine der exklusivsten Limousinen der Welt: der düstere Rolls-Royce Ghost Black Badge. Eine schwarze Versuchung auf Rädern – oder „eine Art Leinwand für unsere besonderen Kunden, um ihre Individualität auszudrücken“, wie Torsten Müller-Ötvös erklärt, der Chef der britischen BMW-Marke.

Black Badge und Rolls-Royce – das gehört schon länger zusammen. Die Wiedergeburt der Marke im Jahr 2003 durch BMW begann mit dem Modell Phantom. Aber schon bald erkannte Rolls-Royce, dass es einen neuen Typ von Kunden gibt, für den Luxus und Qualität wichtig sind, dies aber mit weniger Prunk und mehr Personalisierung. Das definierte viel von dem, was der „kleinere“ Ghost sein würde, als er 2009 vorgestellt wurde und schnell zum meistverkauften Rolls-Royce in der Geschichte aufstieg. (hier geht’s zum Fahrbericht des aktuellen Modells). (Ehepaar gönnt sich zum Hochzeitstag zwei maßgeschneiderte Rolls-Royce)

Rolls-Royce Ghost Black Badge, von vorn
Dunkel-Front: Auch der Kühlergrill des Rolls-Royce Ghost Black Badge ist in Schwarz gehalten. © Rolls-Royce Motor Cars

Rolls-Royce Ghost Black Badge im Test: Exklusiver geht fast nicht

Black Badge ist im Hause Rolls-Royce ein Angebot höchst individuell gestalteter Autos, die irgendwie anders sind und das dezent, aber nachdrücklich auch nach außen zeigen. Alles begann mit einem zufälligen Treffen zwischen CEO Müller-Ötvös und einem Kunden, der sein Coupé Wraith in eine Tuning-Werkstatt schickte, von wo es unter anderem mit einer schwarzen Innenausstattung zurückkehrte.

Da offenbar noch mehr Kunden einen ähnlichen Geschmack pflegen, begann Rolls-Royce, für jedes neue Modell eine düstere Version zu entwickeln. Jeder Ghost kann in einem von 44.000 Tönen eingefärbt werden, aber die überwältigende Mehrheit der Kunden bestellt ihn schließlich in Schwarz. Für den Sonderlack des Black Badge wird dazu noch ein besonderer Aufwand betrieben: 100 Kilo der schwärzest-möglichen Farbe werden zerstäubt und auf eine elektrostatisch aufgeladene Karosserie aufgetragen, bevor sie in einem Ofen trocknet, zwei weitere Lackschichten erhält und dann von vier Handwerkern manuell poliert wird. (Rolls-Royce Boat Tail: Teuerstes Cabrio aller Zeiten – für Beyoncé und Jay-Z?)

Rolls-Royce Ghost Black Badge im Test: Auch die Kühlerfigur ist düster

Für Kühlergrill sowie die Kühlerfigur „Spirit of Ecstasy“ wird ein Chrom-Elektrolyt – gerade einmal ein Mikrometer dick – in den traditionellen Prozess der Galvanisierung eingebracht, um den gewünschten Verdunkelungseffekt zu erzielen. Die 21-Zoll-Räder sind mit 44 Lagen Karbonfasern bestückt, haben eine geschmiedete Aluminium-Radnabe und sind mit Titan-Elementen am Rad befestigt. Ein Rautenmuster aus Karbon- und Metallfasern wird über mehrere Lagen gepressten Holzes in die Armaturentafel eingelassen und bei 100 Grad über eine Stunde lang ausgehärtet.

Rolls-Royce Ghost Black Badge, von seitlich hinten
Der Black Badge wirkt edler als der reguläre Rolls-Royce Ghost. © Rolls-Royce Motor Cars

Die kleinste Black-Badge-Uhr aller Zeiten im Innern wird von einer Ghost-Weltneuheit flankiert: der mit 152 LEDs beleuchteten Frontplatte, die eine leuchtende Lemniskate (= liegende Acht) zeigt, die von mehr als 850 Sternen umgeben ist. Für eine gleichmäßige Ausleuchtung sorgt ein zwei Millimeter dicker Lichtleiter mit 850 Sternen, die sich mit den mehr als 90.000 gelaserten Punkten auf der gesamten Oberfläche des schwarzen Dachhimmels verbinden. In der Nacht ist der Sternenhimmel-Effekt des Daches besonders beeindruckend, wenn die eine oder andere virtuelle Sternschnuppe vorbeizieht. (Fußball-Star Paul Pogba holt Rolls-Royce nach 270 Tagen bei Polizei ab – hat er ihn nicht nötig?)

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Rolls-Royce Ghost Black Badge im Test: Die Luxuslimousine kann auch schnell

Doch der Ghost Black Badge kann nicht nur in der Nacht prächtig cruisen. Seine Aluminium-Spaceframe-Struktur (die auch im Elektro-Flaggschiff BMW iX verwendet wird) und eine spezielle Plattform ermöglichen eine Gewichtsverteilung von 50:50 – entsprechend agil bewegt sich der schwarze Koloss im Grenzbereich.

Interieur des Rolls-Royce Ghost Black Badge
Mit LED-Himmel und Kontrastfarbe auf Wunsch: das Interieur des Black Badge © Rolls-Royce Motor Cars

Der 6,8-Liter-V12 ist an sich schon ein Stück technischer Exzellenz und von historischem Wert, da er wahrscheinlich der letzte Verbrennungsmotor des Ghost sein wird. Es ist mit der bekannten Achtgang-Automatik gekoppelt, das Daten aus dem GPS des Fahrzeugs extrahiert, um den idealen Gang für jede Gelegenheit vorzuwählen. Dazu hat der Ghost Black Badge ein paar Extra-Vitamine bekommen: 29 PS (insgesamt 600) und 50 Nm (insgesamt 900), die mit einem feierlicheren Sound u. a. dank eines neuen Auspuff-Resonators gebührend gefeiert werden.

Technische Daten Rolls-Royce Ghost Black Badge
Motor/Getriebe/AntriebV12-Motor / 8-Gang-Automatik / Allrad
Leistung/Drehmoment441 kW (600 PS) / 900 Nm bei 1.600 U/min
Vmax/0–100 km/h250 km/h / 4,8 s
Länge/Breite/Höhe5,55/2,15/1,57 m
Leergewicht2.490 kg
Kofferraum-Volumen507 l
Normverbrauch/CO2-Ausstoß15,8 l/100 km / 359 g/km
Preis359.938 Euro

Um die Dynamik weiter zu steigern, kann über einen am Lenkrad angebrachten Hebel der Low-Modus angewählt werden, der eine direktere Gasannahme und schnellere Schaltvorgänge ermöglicht. In dieser Art Sportmodus werden die Aufhängung steifer, die beiden Lenkachsen präziser und die Kombination aus Motor und Getriebe reagiert oberhalb von 100 km/h direkter. So fühlt sich das Luxusarrangement trotz offiziell identischer Fahrleistungen sportlicher und dynamischer an – und irgendwie noch düsterer. (Von Joaquim Oliveira/press-inform)

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