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Lexus NX 450 Hybrid im Test: Passt der Toyota-Antrieb auch zum Edel-SUV?

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Von: Marcus Efler

Toyota packt die Hybrid-Technik des RAV4 in den edlen Lexus NX. Die Transplantation gelingt, hat aber einen Haken.

Köln – Auf der zweiten Generation des Lexus NX aus dem Toyota-Konzern lastet eine große Erwartung: Der Mittelklasse-Crossover soll dazu beitragen, den Marktanteil von Toyotas Edelmarke in Europa signifikant zu steigern. Dass dies nur noch mit einer konsequenten Elektrifizierung funktioniert, haben die Japaner mittlerweile verstanden und bieten ab dem Jahreswechsel in Deutschland eine Plug-in-Hybrid-Version an. Die stammt aus dem Schwestermodell Toyota RAV4, das auf derselben Plattform fährt. Das bedeutet einen Akku mit 8,1 kWh, der eine elektrische Reichweite von bis zu 76 Kilometern verspricht. Auf unserer Testfahrt zeigte das System 68 Strom-Kilometer und eine Gesamtdistanz von 679 Kilometern. (Lexus LC 500 Cabrio im Test: Ansehnlich – und mit viel serienmäßigem Komfort)

Lexus NX 450 Hybrid im Test: Passt der Toyota-Antrieb auch zum Edel-SUV?

Die japanischen Techniker vermelden stolz, dass 95 Prozent der Teile des NX neu seien. Das macht sich optisch bemerkbar: Die zweite Generation des SUV steht stämmiger da und hat dazu eine deutlich steifere Karosserie. Der Antriebsstrang setzt sich aus einem 2,5-Liter-Vierzylinder-Motor mit 185 PS Leistung, einem 182 PS starken Elektromotor vorn und einem weiteren E-Motor mit 54 PS Leistung hinten zusammen, was eine maximale Systemleistung von 309 PS ergibt: 2,7 PS mehr als beim Bruder von Toyota.

Lexus NX 450h+, fahrend
Unverwechselbares Design: der Lexus NX 450h+ © Lexus

Daraus resultieren ordentliche Fahrleistungen: In 6,3 Sekunden sind 100 km/h erreicht, aber bei 200 km/h wirft die Elektronik den Anker. Solange man nicht einen Zwischenspurt an den anderen reiht, schlägt sich das stufenlose CVT-Getriebe ganz manierlich. Rein elektrisch ist der Lexus NX 450h+ bis zu 135 km/h schnell, was für viele Fahrsituationen ausreicht. Das kann man allerdings von der Ladegeschwindigkeit nicht behaupten, die maximal 6,6 kW beträgt und so die Akkus in zweieinhalb Stunden füllt – nach Lexus-Meinung flink genug, da die meisten Kunden ihren Hybrid über Nacht laden. (Lexus IS Wax Edition: Der Japaner hat ein sehr spezielles Extra im Handschuhfach versteckt)

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Lexus NX 450 Hybrid im Test: Souverän, aber Sportlichkeit ist nicht seine Stärke

Die Spreizung der Fahrmodi Eco, Normal, Sport und Sport plus ist deutlich spürbar. In den beiden dynamischen Fahrprogrammen reagiert der 2.050 Kilogramm schwere Crossover engagiert auf die Pedal-Befehle und strebt zwischen 70 km/h und 100 m/h souverän voran. Dieser Eindruck ändert sich jedoch, wenn man es sportlicher angehen lässt: Ab etwa 4.000 Umdrehungen jault der Verbrennungsmotor angestrengt und deutlich wahrnehmbar auf. Toyota gibt einen Verbrauch von 1,1 l/100 km an. Wir überließen bei unserer Testfahrt dem System die Entscheidung zwischen Sprit und Strom. Solange die Akkus Energie haben, kamen wir auf 1,4 l/100 km – und das, obwohl es auch mehrere Kilometer bergauf ging.

Lexus NX 450h+, fahrend, von seitlich hinten
Der Lexus NX 450h+ zeigt trendige Coupé-Linien. © Lexus

Wer die Schaltwippen nutzt, kann über die elektrische Motorbremse Energie in die Zellen schaufeln. Alternativ tut das auch der Verbrennungsmotor, was ökologisch nicht wirklich Sinn ergibt. Der Allradantrieb garantiert Traktion, das Fahrwerk informiert die Insassen über die Beschaffenheit der Bodenunebenheiten. Die Oberschenkelauflage der Sitze könnte etwas länger, der Seitenhalt ausgeprägter sein. (Hyundai in luxuriös: Edelmarke Genesis startet bei uns, spart aber am Wichtigsten)

Lexus NX 450 Hybrid im Test: Infotainment mittlerweile auf der Höhe der Zeit

Deutlich verbessert ist das Infotainment mit dem 14 Zoll großen Touchscreen. Das Smartphone kann per Android Auto oder kabellos per Apple CarPlay eingebunden werden. Die Grafik der Navigation ist wesentlich ansehnlicher und moderner als bisher, dazu wurde das Interieur deutlich entschlackt: Die Zahl der Bedienelemente sank von 78 auf 45. Die Bedienung ist dennoch eingängig. Eine gute Idee ist, dass im Head-up-Display die Funktion der beiden großen Bedienelemente links und rechts im Volant angezeigt wird. Praktisch ist auch, dass die Techniker auch an diejenigen Nutzer gedacht haben, die nach wie vor einen großen USB-A-Anschluss nutzen, und vorne einen solchen installiert haben. Die restlichen drei Konnektivitäts-Buchsen sind moderne USB-C.

Cockpit des Lexus NX 450h+
Mittlerweile auf der Höhe der Zeit: Bedienung und Infotainment © Lexus
Lexus NX 450h+
Motor/Getriebe/AntriebVierzyl.-Benziner + 2 Elektro / CVT / Allrad
Leistung/Drehmoment227 kW (309 PS) / 270 + 121 Nm
Länge/Breite/Höhe4,66/1,87/1,67 m
Vmax/0–100 km/h200 km/h / 6,3 s
Ladevolumen545 – 1.436 l
Normverbrauch/elektrische Reichweite1,1 l/100 km / 76 km
Preis60.300 Euro

Beim Platzangebot vollbringt der 4,66 Meter lange Japaner keine Wunder. Vorne geht es bequem zu, hinten wird es etwas enger. Der Kofferraum ist mit einem Volumen von 545 Liter ordentlich bemessen, legt man die Lehnen der Rückbank um, werden 1.436 Liter daraus. Einziger Haken dieses eigentlich gelungenen Hybrid-Angebotes ist sein Preis (den die Umweltprämie etwas lindert): Der Lexus 450h+ kostet mindestens 60.300 Euro – fast 4.000 Euro mehr als ein Audi Q5 50 TFSI e quattro. (Von Wolfang Gomoll/press-inform)

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